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Kirschweizen
schäumt rosa
09.06.2007
(ky). Von Beruf sind sie Kaufmann, Produktionsleiter in der chemischen
Industrie oder Finanzbeamter. Nach der Arbeit aber brauen 25 Hessen, die
jetzt zum siebten Treffen der "Hausbrauer Nassauer Land" in Amönau
zusammen gekommen sind, ihr eigenes Bier. Gastgeber der Zusammenkunft war der
Amönauer Armin Latzko. Aus Mainz, Koblenz, Wörrstadt, Limburg, Maintal, aber
auch Fronhausen im Südkreis sind die Hausbrauer angereist.
Wetter-Amönau. "Es ist vor allem der Geschmack - das
Industriebier schmeckt doch immer gleich", erklärt Alexandra Bopp, warum
sie Selbstgebrautes bevorzugt. 200 Liter Bier darf jeder Hausbrauer pro Jahr
herstellen. Dass Menschen, die ihr Bier selbst brauen, auch reichlich davon
trinken, ist laut Brauer Volker Quante jedoch ein Vorurteil. "Das Gegenteil
ist der Fall", betont der Berufssoldat aus Hilgers im Westerwald,
"kein Alkoholiker würde sich die ganze Arbeit machen, die viel Sorgfalt
und Mühe erfordert". Zur Verkostung kämen oft Freunde. Ausgeschenkt
werde das Bier zu besonderen Gelegenheiten.
Wer mehr als die erlaubten 200 Liter braut - etwa für
Dorffeste oder Mittelaltermärkte, bei denen das markante Bier sehr beliebt
sei - müsse dem Zoll die hergestellte Menge melden und sie versteuern. Armin
Latzko aus Amönau hat als Einziger ein Gewerbe angemeldet und das Brauen vom
Hobby zum Nebenberuf gemacht. Aber auch ihm geht es nicht ums Geld: "Für
den Gewinn macht es keiner hier", sagt er, "wenn es gut schmeckt,
ist mir auch egal, ob der Brauvorgang ein bisschen teurer ist."
Die Hausbrauer setzen dabei auf Vielfalt. Jeder macht
alles - ob Bockbier, Pils, Weizen, Alt, helle und dunkle Biere, süßere und
herbere. Dirk Wagner vom "Mühlenbräu" hat sich auch schon an
Kirschweizen versucht. "Wir haben halt einen Kirschbaum", erklärt
er das Experiment. Durch die Kirschen als Würze habe das Bier wie
"Berliner Weiße mit Schuss" geschmeckt. Für das Auge sei der
Kirschweizen allerdings gewöhnungsbedürftig. "Alles war rosa, auch der
Schaum!"
Angefangen haben viele der Brauer nach Anleitung der
Fernsehsendung "Hobbythek". Andere haben sich aus England einen
"Brew Kit" (deutsch: Brauerausstattung) mitgebracht, den es dort
als große Konservendose in den Supermärkten zu kaufen gibt. "Eigentlich
ist Bierbrauen kinderleicht", sagt Alexandra Bopp. Dennoch könne hin und
wieder etwas schief gehen. So müsse der Hausbrauer vor dem Abfüllen des Biers
unbedingt die so genannte "Speise" zusetzen. Beim Nachgären in der
Flasche entsteht im hausgebrauten Bier Kohlensäure. Gemeint ist damit eine
Würze aus Malz und Wasser, die Hausbrauer vor der Gärung abziehen und dann zu
einem kleinen Teil vor dem Abfüllen in Flaschen wieder zusetzen. "Bei
uns findet die Nachgärung in der Flasche statt, wir haben ja keine Drucktanks
wie die großen Brauerein", erklärt Bopp den Vorgang.
Wird die "Speise" vergessen - und genau das
ist Bopp einmal passiert - enthält das fertige Bier keine Kohlensäure. Was
also tun, um das Missgeschick zu beheben? Alles zurückfüllen wollte die
Hausbrauerin nicht. "Die Küche schwamm sowieso schon im Bier, das beim
Abfüllen daneben gegangen war!" Also rechnete sie sorgfältig aus, wie
viel "Speise" sie für die 0,33- und 0,5-Liter-Flaschen brauchte und setzte sie mit einer Spritze jeder einzelnen
Flasche zu. "Dann kam meine neunjährige Tochter in die Küche, rutschte
auf dem nassen Boden aus und riss dabei auch noch ein paar offene Flaschen
um", erinnert sich die Brauerin, "das war so chaotisch, dass wir
schon wieder gelacht haben."
Immerhin hat das "Chaos-Bier" bei den
bundesweiten "Haus- und Hobbybrauertagen" des Vereins der Haus- und
Hobbybrauer Deutschlands (VHD) im letzten Jahr den vierten Preis für
Weizenbock gewonnen. Andreas Schwickert aus Dietkirchen (Kreis
Limburg-Weilburg), der als einziger der Hausbrauer gelernter Braumeister ist,
und sein Mitstreiter Georg Muth gewannen für ihr "Brunnenbräu"
gleich zwei Preise, beim Schwarzbier und beim Roggenbier.
Beim Treffen in Amönau haben sich die Brauer aber auch
ein Bild von der Arbeit in der Hausbrauerei Eucker in Oberrosphe gemacht. Am
Abend sitzen sie dann gemütlich beim Grillen zusammen. Und wie es sich für
Brauer gehört, sticht Gastgeber Armin Latzko erst einmal ein Fass seines
Weizenbiers an und verkündet: "Als nächstes mache ich Altbier!"
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