Brunnenbräu® Hausbrauerei – Das
Original – seit 1997
Bierpirsch – „Die Liste“

Bierpirsch
„Viele tausend verschiedene Biere
gibt es in Deutschland zu verkosten – und noch viele tausend weitere in der
ganzen Welt.“
So habe ich es bereits auf der ersten Seite dieser Netzrepräsentanz geschrieben
– und so war die Bierpirsch, auf die ich mich Anfang 1995 begeben habe, die ich
bis heute noch nicht beendet habe und die ich wohl nie beenden werde, nur die
konsequente Folge dieser Feststellung.
Bis dato habe ich weit über 9000
verschiedene Biere verkostet – manchmal nur einen winzigen Schluck, manchmal
auch größere Mengen. Das war nicht immer nur von der Qualität abhängig – oft
habe ich von exzellenten und besonderen Bieren nur eine kleine Menge
abbekommen, weil wir uns mit mehreren eine klitzekleine Flasche teilen mussten,
und manchmal habe ich mir mutig eine ganze Kiste eines viel versprechenden
Bieres gekauft, das dann aber doch nicht so gut schmeckte und tapfer weg
getrunken werden musste…
Einkäufe in Getränkemärkten oder
Besuche in Brauereien und Biergärten gestalten sich mittlerweile recht
spannend. Bevor ich spontan zum erstbesten (oder ersten und eben nicht immer
besten) Bier greife, befrage ich meine Bierliste, ob ich das betreffende Bier
nicht schon einmal getrunken habe, und ob es vielleicht nicht besser wäre, zum
zweiten, dritten oder x-ten Bier des Angebots überzugehen, um die Bierpirsch
erfolgreich weiter zu führen und mit einem gezielten Blattschuss wieder eine
neue Biermarke „zu erlegen“ und der Trophäensammlung hinzuzufügen. Aus dem
blanken Gedächtnis geht es leider nicht mehr – bei über 9000 Positionen fühle
ich mich da (obschon noch lange nicht senil) doch ein wenig überfordert.
Das geduldige Blättern in der
ausgedruckten Bierliste oder auch das Nachschauen in meinem elektronischen
Gedächtnis – meinem „Smart Phone“, das mich fast immer begleitet – gab schon
häufig Anlass zu interessiertem Nachfragen meiner Mitmenschen, und in der Folge
entspannen sich schon viele interessante Gespräche und Diskussionen rund ums
Bier.
Einige der Fragen, die mir dabei
gestellt wurden und immer wieder gestellt werden, möchte ich an dieser Stelle
beantworten.
Die allererste und wichtigste:
1. Ist diese Bierliste auch im Internet abrufbar?
Lange musste ich
dies immer verneinen, aber mittlerweile bin ich so oft gefragt worden, dass ich
mich habe breitschlagen lassen. Hier ist sie also:
Und wer Probleme
damit hat, diese Excel-Tabelle darzustellen, der findet die Liste hier noch
einmal im html-Format, allerdings ist sie dann nicht
ganz so schön.
Und hier nun die anderen Fragen
(und Antworten):
2. Nach welchen Kriterien sind die Biere in der Liste erfasst?
Ich versuche, zu
jedem Bier die genaue Bezeichnung der Brauerei und des Bieres zu erfassen, dazu
den Ort, das Land / Bundesland, in dem das Bier gebraut wurde, den
Alkoholgehalt, die Darreichungsform (Flasche, Fass, Dose, Plastikflasche,
Nachfüllflasche), das Datum, an dem ich das Bier getrunken habe und eine
Bewertung von „+“ bis „+++++“. Diese Daten sind auch in der oben
veröffentlichten Bierliste enthalten.
Darüber hinaus
umfasst meine Bierdatenbank noch zahlreiche andere Informationen, wie zum
Beispiel meine persönlichen Geschmacksempfindungen, die Gelegenheit, bei der
ich das Bier getrunken habe, Informationen über die Brauereien (einschließlich
deren Adressen, Telefonnummern, Internetadressen), Bilder und Fotos der Biere,
Videos, und, und, und… Diese Daten habe ich aber nicht veröffentlicht, da sie
zum Einen teilweise sehr persönlich sind, zum Anderen aber auch vom Umfang her
den Rahmen sprengen würden (es handelt sich um einen Datenbestand von derzeit
über 7 Gigabyte).
3. Was fließt in die geschmackliche Bewertung ein?
Ich bewerte die
Farbe und Klarheit, den Schaum und seine Stabilität, den Geruch und den
Geschmack – vom Antrunk über die Vollmundigkeit bis zum Abgang. So objektiv wie
möglich, und so subjektiv wie nötig. Ich versuche, dabei die Merkmale, die für
die Biersorte typisch sind (Herbe und Aroma beim Pilsener, Hefetrübung beim
Weißbier, Malzkörper beim Bockbier, usw.) zu bewerten, lasse aber auch meine
persönlichen Vorlieben einfließen.
4. Manchmal scheint das gleiche Bier mehrmals aufzutauchen!
Ich sehe oft einen
Unterschied, ob ein Bier in Flasche, Fass oder Dose angeboten wird
(beispielsweise ist Dosenbier häufig mal pasteurisiert, das gleiche
Flaschenbier aber nicht), betrachte diese drei Darreichungsformen also als
unterschiedliche Biere. Bei Klein- und Gasthausbrauereien wandeln sich der
Geschmack und die Qualität des Bieres häufig mit der Zeit – hier betrachte ich
Biere aus verschiedenen Kalenderjahren auch als verschiedene Biere. Letzteres
gilt auch für Saisonbiere wie Oktoberfestbiere, Winter- oder Weihnachtsbiere,
Maibock u.ä. Und schließlich ändern die Brauereien
auch gelegentlich ihre Rezepturen – häufig am leicht unterschiedlichen
Alkoholgehalt erkennbar. Dann hat ein Pils plötzlich 4,9 % statt vormals 4,8 %.
Auch das sind für mich unterschiedliche Biere.
Man mag mir
vorwerfen, die Anzahl der gestesteten Biere damit künstlich zu vergrößern. Na
und? Bei über 9000 getesteten Bieren habe ich das gar nicht nötig. Und: Häufig
genug schmecke ich tatsächlich Unterschiede, und gerade bei winzigen
Gasthausbrauereien oder kleinen, fränkischen Dorfbrauereien schmeckt sogar
jeder einzelne Sud ein wenig anders. Da müsste ich eigentlich noch viel
präziser als nur jährlich differenzieren…
5. Wann haben Sie alle Biere durch?
Nie. Erstens gibt
es dazu viel zu viele Biere, da reicht ein Menschenleben gar nicht. Und
zweitens entstehen und vergehen tagtäglich kleine Brauereien oder die von ihnen
gebrauten Biere – schneller, als man da „hinterher trinken“ kann…
6. Wird das mit der Zeit nicht langweilig?
Nein.
7. Kann man beim
Verkosten wirklich so viele geschmackliche Unterschiede feststellen?
Gegenfrage: Würden
Sie das einen Weintrinker auch fragen?
Nein? Na also!
Natürlich kann man
so viele Unterschiede feststellen. Meines Erachtens noch wesentlich mehr, als
beim Wein. Es ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass es im Bier deutlich
mehr unterschiedliche Stoffe gibt, die als Komponenten zu Geruch und Geschmack beitragen.
Sehr viel mehr als beim Wein! (Wer’s nicht glaubt, dem empfehle ich, in meiner
Rubrik „Bierleben“ einmal nachzusehen – dort habe
ich eine schier unendlich lange, allerdings englischsprachige Liste von „Beer Tasting Terms“ bereitgestellt, mit der sich der Genießer
dieser unglaublichen Komplexität und Vielfalt relativ systematisch nähern
kann.)
Um diese
Komplexität und Fülle aber nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis
kennen zu lernen, bedarf es jedoch der Bereitschaft, nicht immer nur nach
„einem Bier“ zu fragen, „ein Bier“ trinken zu wollen – denn sonst bekommt man
fast immer nur ein Pilsener oder Lager angeboten. Das ist so ungefähr die bierige Entsprechung früher zum „Amselfelder“ oder heute
zum „Prosecco“ der Freunde vergorener Trauben. Immer gleich, ohne Charakter,
aber von Werbung und Mode beeinflusst. (Sind wir nicht alle ein wenig
„Schickimicki“ und lassen uns eher von dem beeinflussen, was gerade „in“ ist,
anstelle auf unseren eigenen Geschmack und unsere eigenen Vorlieben zu
achten???)
Also: Nicht nach
„einem Bier“ fragen, sondern sich nach Spezialitäten, besonderen Bieren oder
wenigstens regionalen Sorten erkunden! Sonst verpasst man nämlich all die
anderen Geschmacksrichtungen, die jenseits des Pilsener- und Lagerhorizonts
liegen.
Und man sollte sich
davon lösen, nur das als Bier zu bezeichnen, was streng nach dem so genannten
„Deutschen Reinheitsgebot“ gebraut ist. Dann verpasst man nämlich auch sehr
viele und sehr gute Biere. (Zum Thema Reinheitsgebot verweise ich aber auf den
diesbezüglichen Abschnitt dieser Netzrepräsentanz!)
8. Was ist mit Biermischgetränken?
Solange der
Bieranteil mindestens 50 % beträgt, nehme ich sie in die Liste mit auf.
Gnadenlos. Auch wenn es geschmacklich manchmal viel Überwindung kostet.
9. Manche Biere haben eine besonders gute
oder besonders schlechte Bewertung, die gar nicht nachvollziehbar erscheint –
wieso?
Wenn es eine
besonders gute Bewertung ist, die nicht nachvollziehbar erscheint, ist wahrscheinlich
die Gesamtsituation dafür verantwortlich. Es gibt Momente, in denen stimmen
einfach alle Rahmenbedingungen, angefangen vom Wetter über den Durst, die nette
Begleitung, die freundliche Bedienung bis hin zum Ambiente und zu was auch
immer noch. In solchen schönen, leider aber seltenen Situationen bin ich
bestimmt nicht frei davon, mich subjektiv beeinflussen zu lassen. Und da kann
die Wertung für ein Bier schon mal ein wenig besser ausfallen, als es das Bier
allein objektiv rechtfertigen könnte.
Manchmal ist es
aber auch das Über-Bord-Werfen von Vorurteilen, das zu einer guten Wertung
führen kann. Wie viele Menschen habe ich schon schimpfen hören, dass
beispielsweise Oettinger ein Plörre sei, die man nicht trinken könne! Tja, zum
Einen stellt sich mir die Frage, warum Oettinger dann den größten Ausstoß aller
deutschen Brauereien hat – am Preis allein kann’s nicht liegen, dann wären die
Plastikflaschen von Aldi, Lidl & Co noch erfolgreicher... Und zum Anderen:
Macht man einmal eine Blindverkostung, bei der keiner der Verkoster weiß,
welches Bier sich in welchem Glas befindet, schneiden die im Verruf stehenden
Billigbiere oftmals erstaunlich gut ab. Das Oettinger Winterbier ist
beispielsweise so ein Kandidat für eine positive Überraschung, auch wenn seine
Qualität von Jahr zu Jahr ein wenig, aber spürbar schwankt.
Anders ist es bei
überraschend schlechten Bewertungen, die nicht nachvollziehbar scheinen. Auch
hier gibt es grundsätzlich zwei Ursachen.
Zum Einen haben
viele Biertrinker ihr Lieblingsbier, auf dass sie nichts kommen lassen. Mit den
Jahren haben sie sich dann an den eigenartigen Beigeschmack dieses Bieres
gewöhnt und empfinden das, was der um Objektivität bemühte Biertester als
Geschmacksfehler beschreibt, als genau die Note, derentwegen das Bier ihr
Lieblingsbier geworden ist. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, und über
Geschmack lässt sich nur schwer streiten. Da müsste man sich schon einmal in
einer Blindverkostung viel Zeit nehmen und den Gaumen ein wenig trainieren…
Und zum Anderen
passiert es auch der besten Brauerei mal, dass eines ihrer Biere schon vor dem
angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum deutlich an Qualität verliert,
gewissermaßen fast schon umkippt. Das kommt insbesondere dann vor, wenn die
Vertriebskette nicht stimmt, also das Bier bei strahlendem Sonnenschein in der
Mittagshitze im offenen Lastwagen herumgeschippert wird, die Kästen dann bei
wechselnden Temperaturen im Lager des Supermarkts herumstehen, vielleicht im
Schaufenster oder am Kiosk von greller Sonne oder Neonröhren beleuchtet werden
– und irgendwann soll nach dieser grausamen Folter das Bier noch getrunken
werden und gut schmecken…
Aber auch die
Gastwirte sind – leider! – immer wieder für eine unangenehme Überraschung gut.
Da sind die Zapfanlagen nicht gepflegt und seit Wochen nicht mehr richtig
gereinigt, der „Nachtwächter“, das heißt, das Bier, das über Nacht in der
Leitung gestanden hat, wird seelenruhig ausgeschenkt, das Bier ist zu warm oder
zu kalt, der Schankdruck nicht richtig eingestellt, vorgezapfte Reste werden
zusammengegossen, oder der Wirt ist auch im Jahre 2012 immer noch der Meinung,
dass ein Pils sieben Minuten lang gezapft werden muss. Damit es auch den
letzten Rest von Rezens, von Spritzigkeit verloren hat…
In all diesen
Fällen schmeckt das Bier nicht. Und dann bekommt es natürlich auch eine
schlechte Bewertung. Wenn ich später, bei anderer Gelegenheit, das gleiche Bier
noch einmal trinke, und es schmeckt dann besser, dann korrigiere ich die
Bewertung natürlich. Es sei denn, ich muss vermuten, dass der Geschmack von Sud
zu Sud schwankt, oder dass es mittlerweile eine Änderung des Rezepts gegeben
hat. Dann nehme ich das Bier lieber noch ein zweites Mal mit anderer Jahreszahl
in die Datenbank auf – der Leser möge meine diesbezüglichen Erläuterungen in
der Antwort auf Frage 4 gerne noch einmal nachlesen.
10. Welches ist Ihr Lieblingsbier?
Das scheint die
Lieblingsfrage all derer zu sein, die noch nicht über lange Erfahrung mit dem Verkosten von Bieren verfügen. Eine ganz einfache Frage
– und doch viel schwieriger zu beantworten, als man gemeinhin denkt.
Wie ein Bier schmeckt, lässt sich mit
ein wenig Disziplin immer ganz gut beschreiben, auch unter wechselnden äußeren
Umständen. Das geht sogar verhältnismäßig objektiv.
Wie mir aber ein Bier schmeckt, das
heißt, ob ich es mag oder nicht, hängt häufig,
nahezu immer von der Situation ab. An einem heißen Sommertag nach dem
Rasenmähen ein eiskaltes, schlankes Lagerbier. Nach dem Sport ein erfrischendes
und gleichzeitig kräftigendes Hefeweißbier (übrigens isotonisch, wie fast alle
Biere!). An einem frostigen Winterabend abends vor dem Kamin ein schweres,
fruchtiges Trappistenbier. Zur Schweinshaxe einen malzigen Bock. Zur süßen
Nachspeise mal ein kontrastierendes, knackig bitteres Stout oder Schwarzbier.
Zu Brot und Wurst ein Bamberger Rauchbier.
So wechselt mein
Lieblingsbier von einer Situation zur nächsten.
Anders wäre es auch
blöd, oder? Ein Rauchbier zur süßen Nachspeise? Ein Trappistenbier mit 10 %
Alkohol am heißen Sommertag nach dem Rasenmähen? Ein eiskaltes, schlankes
Lagerbier, durchgefroren nach einer Winterwanderung?
Nee, ne?
Und so habe ich
kein festes Lieblingsbier, sondern genieße den Luxus, immer wieder neu zu
entscheiden und zu kombinieren!