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Haus- und Hobbybrauertage des VHD

 

 

Haus- und Hobbybrauertage des VHD

 

Einmal im Jahr sind die Haus- und Hobbybrauertage (HHBT) des Vereins der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V., des VHD, Mittelpunkt der deutschen Hausbrauerwelt. Die Vereinsmitglieder treffen sich an wechselnden Orten für ein Wochenende, um zum Einen die jährliche Hauptversammlung des Vereins formal abzuhalten, zum Anderen aber auch um ein paar schöne Stunden miteinander zu verbringen, um bierbezogene Ausflüge zu veranstalten, einen feuchtfröhlichen Hausbrauerabend mit leckerem Büffet zu genießen und nicht zuletzt auch um vorher eingereichtes Hausbräu verkosten zu lassen. Im Allgemeinen dauern diese Veranstaltungen von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag und sind immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. Und wenn man es geschickt anstellt, sind auch Anreise und Rückfahrt schon ein schönes Biererlebnis.

 

 

 

Navigator

 

2006 – Tettnang

2007 – Cunewalde

2008 – Langensendelbach

2009 – Bamberg

2010 – Schwalenberg

2011 – Nordhorn

 

 

 

HHBT 2006

 

Die Haus- und Hobbybrauertage in Tettnang

 

Zum ersten Mal nahm ich an den Haus- und Hobbybrauertagen teil, als diese vom 4. bis zum 6. August 2006 in Tettnang am Bodensee stattfanden. Am Tag der Anreise, dem Freitag, fanden sich die Teilnehmer in der Altstadt Tettnangs in einem Hotel ein, gaben hier ihre selbstgebrauten Biere für den Hausbrauwettbewerb ab und konnten sich dann noch ein wenig in der Stadt umsehen. Diejenigen, die sich als Verkoster gemeldet hatten und am Sonnabend die eingereichten Biere verwerten sollten, trafen sich stattdessen zu einem Verkosterseminar, bei dem Dieter Birk und Markus Harms, die beiden Vorsitzenden des Vereins, uns die Charakteristika der entsprechenden Bierstile näher brachten.

 

Am frühen Abend fuhr dann ein Bus zum Tettnanger Hopfenmuseum hinaus, in dem die Mitgliederversammlung und ein erster Imbiss stattfinden sollten.

 

Nach der Ankunft in diesem Museum, vielleicht zwei oder drei Kilometer außerhalb der Stadt, hatten wir noch die Möglichkeit, gemütlich die Ausstellung zu besichtigen, bevor dann bei einem zünftigen Imbiss die Jahreshauptversammlung begann. Vorträge, Diskussionen und Wahlen zogen sich ein Weilchen hin, aber es blieb kurzweilig. Nach dem offiziellen Teil der Mitgliederversammlung blieb noch genügend Zeit, bei dem einen oder anderen schmackhaften Bierchen der Tag sachte ausklingen zu lassen.

 

Der nächste Morgen begann mit ein wenig Theorie. Im St. Gallus Haus brachte man uns die Kunst des Hopfenanbaus nahe und auch ein paar Gedanken zur professionellen Gründung einer eigenen Hausbrauerei fehlten nicht. Ein interessanter und lehrreicher Start in den Tag.

 

Bevor die Verkostung beginnen sollte, blieb noch ein wenig Zeit für einen Spaziergang durch die Altstadt und den Wochenmarkt. Der interessanteste Stand auf diesem Wochenmarkt war sicherlich die Hausbrauvorführung – eine Reihe interessierter Besucher fand sich hier ein und konnte sich die Feinheiten unseres Hobbys am Beispiel nahe bringen lassen.

 

Nun wurde es aber höchste Zeit für die Verkostung. In konzentrierter Arbeit bewerteten wir die eingereichten Biere und freuten uns nach dieser Anstrengung auf ein Bier, das wir einfach nur so hinunter zischen konnten. Dies gab es dann während der Brauereibesichtigung der Brauerei Krone, die sich an die Verkostung anschloss. Direkt in der Innenstadt befindet sich diese kleine, aber feine Brauerei, und der Chef ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich durch sein Allerheiligstes zu führen.

 

Wir spürten mittlerweile die Anstrengungen dieses langen, erlebnisreichen Tages, als wir endlich zum Hausbrauerabend in die zentrale Gastwirtschaft in Tettnang einrückten. Hier wartete ein hervorragendes Büffet auf uns, das die Lebenskraft wieder erweckte. Bei der anschließenden Siegerehrung war von Müdigkeit keine Spur mehr, und die Stimmung war ausgezeichnet.

 

Der nächste Morgen, mittlerweile schon der Sonntag, der 6. August 2006, sah kein formelles Programm für die Haus- und Hobbybrauer mehr vor – stattdessen bot sich die Möglichkeit, am diesjährigen Hopfenwandertag teilzunehmen.

 

Einmal im Jahr findet dieser Hopfenwandertag in Tettnang statt. Entlang des Hopfenwanderweges von der Innenstadt zum Hopfenmuseum stehen Stände zahlreicher Brauereien, die für ihr Bier den Tettnanger Hopfen benutzen. An all diesen Ständen kann man die entsprechenden Biere verkosten und mit Vertretern der Brauereien fachsimpeln. Zusätzlich waren dieses Jahr entlang des Weges zahlreiche Hopfensauen ausgestellt – Kunststoffschweine, die in den vergangenen Monaten bunt angemalt und künstlerisch verschönert worden waren.

 

Trotz des starken Regens fanden sich zahlreiche Bierliebhaber ein und arbeiteten sich von Stand zu Stand die Hügel hinauf. Oben in der Scheune des Hopfenmuseums wartete der Hausbrauermarkt auf uns – zahlreiche private und kommerzielle Anbieter von Hausbrauzubehör boten hier ihre Produkte feil.

 

Auch hier verging die Zeit viel zu schnell, und im Nu war es Nachmittag und der Abtrieb der Hopfensau begann: Die Plastikschweine wurden auf flache Anhänger geladen und mit mehr oder weniger historischen Treckern ins Tal gefahren. Zwischendrin fuhren Musikkapellen und die Hopfenköniginnen aus Tettnang und den anderen deutschen Hopfenanbaugebieten. Trotz des immer noch nieseligen Wetters ein tolles Erlebnis.

 

Mit diesem Zug in die Stadt Tettnang hinein endeten für mich dann auch die diesjährigen Haus- und Hobbybrauertage. Ein tolles Erlebnis für meine erste Teilnahme, und sicherlich der Beginn einer hoffentlich möglichst langen Serie von gleichartigen Veranstaltungen!

 

Bilder: HHBT 2006

 

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HHBT 2007

 

Die Haus- und Hobbybrauertage in Cunewalde

 

Im Jahr 2007 führten uns die Haus- und Hobbybrauertage in die Lausitz, nach Cunewalde. Den folgenden Text habe ich für die Vereinszeitung des Vereins der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V., den „Schalander“, geschrieben:

 

 

 

Von Nassau in die Lausitz und zurück

 

oder

 

„Test the West“ und „Kost the Ost“

 

„Cunewalde? Wo liegt das denn?“ wird sich im August letzten Jahres so mancher gefragt haben, als bekannt gegeben wurde, wo 2007 die Haus- und Hobbybrauertage stattfinden sollten. Ein Blick in den Atlas zeigte uns: So ziemlich am entgegen gesetzten Ende der Republik – zumindest von uns aus gesehen, aus Sicht der Hausbrauer Nassauer Land. Was uns aber nicht davon abhielt, trotzdem hinzufahren und Deutschland einmal von West nach Ost und wieder zurück zu durchmessen!

 

Natürlich wollten wir die Gelegenheit auch nutzen, auf Hin- und Rückweg ein paar zufällig am Wegesrand gelegene Brauereien aufzusuchen und zu testen. Gesagt, getan, pünktlich zum frühest möglichen Beginn der Mittagspause um halb zwölf rollten wir in die Erfurter Innenstadt und liefen zum „Erfurter Brauhaus“. An unseren Hemden und T-Shirts wurden wir sofort als Hausbrauer identifiziert, und der Braumeister ließ es sich nicht nehmen, nachdem er eben schnell noch den Läuterbottich ausgetrebert hatte und wir das gute Bier probiert hatten (insbesondere das Weißbier war ausgezeichnet!), uns seine Brauerei samt Lagerkeller in allen Details zu zeigen. Interessant – na klar, wie immer, aber in diesem Fall auch dahingehend überzeugend, dass wir uns einig waren, schon lange keine so blitzsaubere Brauerei mehr gesehen zu haben.

 

Die nächste Station legten wir bereits in Chemnitz ein – Karl’s Brauhaus stand auf dem Plan. Ein wenig unattraktiv in einem schmucklosen Betongebäude der 60er Jahre gelegen, innen aber urgemütlich. Eine uralt wirkende Brauanlage, offensichtlich schon lange außer Betrieb. Dachten wir jedenfalls – aber weit gefehlt! Unter der uralten Kupferhaube wird fleißig gewerkelt und gesotten, und der Brauer machte stolz mit einer Leuchtreklame auf seinen 1000. Sud vor wenigen Monaten aufmerksam. Leckeres Bier, preiswertes, rustikal-leckeres Essen. Und eine schlechte Nachricht, die uns mit auf dem Weg gegeben wurde: Die Carlsberg-Brauerei hat Karl’s Brauhaus wegen der angeblichen Ähnlichkeit des Namens verklagt und den Rechtsstreit gewonnen. Bis Ende des Jahres muss alles umbenannt werden. Ein Beispiel, wie der mündige Konsument mal wieder von den großen Konzernen für dumm verkauft wird. Nicht nur die Namen sind deutlich unterschiedlich – auch die Bierqualität. Der Biertrinker muss erst noch geboren werden, der das Industriebräu von Carlsberg mit den aromatischen Bieren aus Chemnitz verwechselt… Schade!

 

Am frühen Abend rollten wir dann bei bestem Wetter und ebenso guter Laune vor der Blauen Kugel in Cunewalde aus. Die Haus- und Hobbybrauer Cunewalder Tal e.V. hatten alles bestens organisiert, der Saal in der Blauen Kugel war perfekt vorbereitet und einladend eingedeckt, und so erlebten wir bei leckerem örtlichem Bier (und natürlich auch schon dem ersten Selbstgebrauten) und kräftiger Brotzeit eine nahrhafte, interessante und reibungslos ablaufende Jahreshauptversammlung des VHD, bei der der Vorstand problemlos entlastet werden konnte.

 

Die Sonne schien am nächsten Morgen in die erwartungsgemäß etwas verquollenen Gesichter, und während die Cunewalder ihren Trödel- und Hausbrauermarkt aufbauten, teilte sich der Rest der Teilnehmer in drei Gruppen auf. Ein Teil fuhr mit zwei Bussen nach Görlitz um hier die wunderschön renovierte Altstadt zu erkunden und dann auf der Landeskrone die nicht minder eindrucksvolle Landskronbrauerei zu besichtigen.

 

Eine weitere Gruppe nutzte die Nähe zur sächsischen Landeshauptstadt Dresden und besichtigte das Elbflorenz – wobei auch hier Bier und Kultur Hand in Hand gingen.

 

Die dritte Gruppe schließlich, die Verkoster, besichtigten Cunewalde mit seinem Auto- und Technikmuseum und der größten Dorfkirche Deutschlands, ließen sich ein leckeres Schnitzel in der „Kleenen Schänke“ schmecken, um so eine gute Grundlage für den Rest des Nachmittags zu haben, und machten sich dann an die Verkostung von insgesamt 29 Dunkelweizen, Export und Porter. Es war wie jedes Jahr wieder sehr schwierig. Bis auf ein oder zwei Ausreißer waren die Biere von durchweg hoher Qualität, und die Ergebnisse sprachen für sich: Zwischen den ersten Plätzen und den unglücklichen Nicht-Platzierten lagen nur wenige Bewertungspunkte.

 

Nach der Verkostung konnten wir noch die Gelegenheit nutzen, auf dem Trödel- und Hausbrauermarkt das eine oder andere Schnäppchen zu machen und sowohl das Czorne-Biel-Bräu der Cunewalder als auch das Mönchswalder Klosterbier aus dem Nachbarort zu trinken.

Beim Hausbrauerabend in der Blauen Kugel bogen sich die Tischplatten unter der Last des herrlichen Kalt-Warmen-Büffets. Das Bier floss in Strömen, die Stimmung war prima, und die Siegerehrung geriet zu einer fröhlichen Party. Den Siegern in den drei Kategorien einen herzlichen Glückwunsch, und auch allen anderen vielen Dank für’s Mitmachen.

 

Nach so viel Feiern folgte am Sonntagvormittag noch etwas für die Bildung. Fachvorträge zu den Themen „Geschichte der Braukunst“, „Erfahrungen mit zylindrokonischen Gärtanks“, „Geschichte der Brauereien in Dresden und Ostsachsen“ und „Brauereisterben in Ostdeutschland nach der Wende“ weiteten unseren Horizont, und wir konnten mal wieder mit Fug und Recht behaupten, dass neben Brauen, Essen und Trinken die Weiterbildung auf den Haus- und Hobbybrauertagen nicht zu kurz kommt.

 

Nun folgte ein rascher, aber doch etwas wehmütiger Abschied. Schließlich lagen noch einige hundert Kilometer vor uns – die erneut mit Brauereibesuchen unterbrochen und aufgelockert werden sollten.

 

Im Erfurter Waldkasino genossen wir die warme Spätsommersonne im Biergarten mit Blick über Erfurt bei rustikalem Essen, ordentlichem Hausbräu und riesengroßen Eisbechern, und eine letzte Erfrischungspause legten wir ein im Brauhaus Obermühle in Braunfels, wo nach Schließung der kommerziellen Brauerei im Nachbargebäude eine kleine, aber urige Brauereigaststätte aufgemacht hat, die mit flotten Sprüchen und netter Einrichtung auf sich und auf das hier gebraute Schlawinerbier aufmerksam macht.

 

An dieser Stelle sei den Cunewalder Brauern von ganzem Herzen gedankt – Ihr habt uns Haus- und Hobbybrauertage mit Herz und Seele organisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur einer dabei war, der sich in dieser warmen und freundlichen Atmosphäre nicht von Freitag Nachmittag bis Sonntag Mittag wohl und rundum versorgt gefühlt hat! Super gemacht, liebe Freunde aus dem „fernen Osten“ – die weite Anreise hat sich gelohnt!

 

Für die Hausbrauer Nassauer Land:

Volker R. Quante (cbo@brunnenbraeu.dehttp://www.brunnenbraeu.de)

 

Auszug aus dem Schalander Nr. 4 – Dezember 2007

 

Soweit also der Bericht aus dem Schalander. Und unten geht es zu den Fotos, die ich während dieser Reise gemacht habe.

 

Bilder: HHBT 2007

 

Damit aber noch nicht genug, denn die Haus- und Hobbybrauertage in Cunewalde erregten auch bei den Presseagenturen ein gewisses Echo. Hier ein Bericht vom ddp vom 13. September 2007:

 

Kühles Blondes trifft cremiges Dunkles

 

Cunewalde (ddp-lsc). Viel Zubehör wird eigentlich nicht benötigt. Zwei Einkochkessel, der eine oder andere Topf und eine Windel seien erforderlich, um die Geheimnisse des Bieres zu ergründen, sagt der Vorsitzende der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland (VHD), Dieter Birk. Ein Kühlschrank wäre auch nicht schlecht - zum Lagern des Frischgebrauten. «Und mit ein bisschen Geduld kann jeder seinen eigenen Gerstensaft kreieren», fügt Birk hinzu. Am Wochenende treffen sich die Vereinsmitglieder zu den 12. Brautagen in Cunewalde im Landkreis Bautzen.

 

Im Gepäck haben die 120 Teilnehmer des bundesweit größten Treffens dieser Art ihre selbstgebrauten Biere. «Es können drei Sorten - Export, Porter und Weizenbier - eingereicht werden», sagt Birk. Eine Jury wird die rund 50 Hopfen-Malz-Mischungen verkosten und bewerten. Gute Chancen bei diesem Wettstreit um die besten kühlen Blonden und cremigen Dunklen rechnen sich die Ausrichter des Treffens aus, der Verein der Haus- und Hobbybrauer Cunewalder Tal.

 

«Wir feiern in diesem Jahr unser zehnjähriges Bestehen und wollten unsere Braufreunde einmal in unsere Region einladen», sagt der Vereinsvorsitzende Mathias Pech. Die Ostsachsen nahmen vor knapp fünf Jahren erstmals Kontakt mit dem Hobbybrauer-Verband auf. Damals seien sie die ersten Interessierten aus dem Osten Deutschlands gewesen, sagt Pech. Und daran habe sich noch nicht viel verändert. «Die meisten Mitglieder kommen aus Franken und Norddeutschland, einige wenige aus Thüringen. Relativ schwach vertreten sich dagegen das Ruhrgebiet und der Osten», sagt der VHD-Vorsitzende Birk.

 

Der Chef der Cunewalder Hobbybrauer verweist darauf, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Sachsen höher ist als in Bayern. "Hier gibt es rund 50, dort über 600 Brauereien», sagt Pech. Ihr Entschluss, eigene Gerstensäfte zu produzieren, entstand am Stammtisch, als sie feststellten, dass immer weniger regionale Biere angeboten werden. «Gerade dieses Getränk hat doch Heimat», sagt der zweite Vorsitzender der Cunewalder Hobbybrauer, Burkhard Weiß.

 

In der Zwischenzeit haben die 24 braufreudigen Sachsen, zu denen ein Diplombraumeister zählt, schon so manchen Sud angesetzt. Allerdings schmeckte bislang kein Bier wie das andere - mit einer Ausnahme. Gemeinsam mit einer Brauerei in Löbau entwickelten sie nach eigener Rezeptur ihre Marke: das «Czorne-Biel-Bräu». Dieses Bier gibt es bei den meisten Getränkehändlern in Cunewalde, und es wird nach Einschätzung der Vereinsmitglieder gern getrunken.

 

Selbstverständlich geht es den Vereinsmitgliedern auch um Genuss. «Aber eben nicht nur. Eigentlich sind wir wie ein Modelleisenbahnclub - wir basteln immer an unserer Brauereianlage und würden uns nie etwas Fertiges kaufen», sagt Pech und freut sich schon auf die Zeit nach dem großen Treffen. Dann beginnen die Hobbybrauer nämlich in ihrem Vereinshaus mit dem Bau einer größeren Apparatur.

 

«Wir wollen der Bevölkerung die Kunst des Bierbrauens nahe bringen. Unsere Treffen dienen außerdem dazu, dass sich die Mitglieder aus allen Regionen einmal persönlich austauschen können», sagt der Birk. Der VHD hat knapp 500 Mitglieder. Einen typischen Hobbybrauer gebe es aber nicht, sagt Birk. Zu den Aktivisten gehören Schüler genauso wie Rentner, Ärzte oder Arbeiter. Sie alle führe eine Gemeinsamkeit zusammen, sagt Birk: «Alle sind es leid, ein Massenprodukt aus dem Supermarkt zu trinken.»

 

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HHBT 2008

 

Die Haus- und Hobbybrauertage im Frankenland

 

oder

 

Petrus hatte ein Einsehen

 

Mit großem Aufwand hatte der Verein zur Förderung der Fränkischen Braukultur e.V. (VFFB), allen voran die Hausbrauer vom Vierbräu und aus Junkersdorf, in diesem Jahr die Haus- und Hobbybrauertage (HHBT) vorbereitet, und dann drohte die Wettervorhersage mit Dauerregen in Franken…

 

Das ganze Dorf Langensendelbach schien trotzdem am 3. Oktober 2008 fest in der Hand von Hausbrauern zu sein, als wir aus dem Westerwald anreisten. Im Gasthof Zametzer standen buchstäblich Heerscharen vor dem Meldekopf, an der Theke und im Schankraum; gegenüber auf dem Parkplatz und in den Garagen des Gasthofs fand der Hausbrauermarkt statt; und wenige Meter weiter in einer Scheune war die Vereinigung des Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V., die VHD, präsent. Vor der Scheune dichte Rauchschwaden vom Fasspichen, und überall eine fröhliche, wuselige Stimmung.

 

Doch gemach, bringen wir ein wenig Struktur in die Berichterstattung:

 

Bereits am Vortag, dem 2. Oktober, waren die ersten Hausbrauer aus ganz Deutschland angereist und hatten sich im Ort im Gasthof Zametzer einquartiert. Nach ein paar ersten interessanten Gesprächen (und leckeren Bieren) traf man sich am nächsten Morgen zu einer Brauereiwanderung in Aufseß. Es war zwar frisch, aber trocken und größtenteils sonnig, so dass sich wesentlich mehr als die ursprünglich geplanten 25 Wanderer einfanden. Ich selber war nicht dabei, aber die, die mitgelaufen waren, waren hochzufrieden – einige sogar so sehr, dass sie in der letzten Station, dem Rother Bräu, noch ein wenig hängen blieben und beinahe versackt wären.

 

In Langensendelbach begann derweil gegen Mittag des 3. Oktober der Hausbrauermarkt, und gleichzeitig kamen aus allen Himmelsrichtungen die noch fehlenden Teilnehmer an. Wie jedes Jahr war die Mälzerei Weyermann mit ihrem Löschzug angereist, schenkte leckeres Bier aus und verkaufte alle nur denkbaren Sorten Spezialmalz. In den Garagen nebenan wurden Brauanlagen und sonstiges Zubehör präsentiert – die Brau-Eule, der Speidel-Braumeister und die Wengert-Mini waren nur einige der Anlagen, die hier zu sehen waren. Die Hausbrauer Nassauer Land präsentierten ihre Braugruppe mit Fotoalben und Faltblättern, Braupartner Klaus Kling hatte seinen Stand aufgebaut, der Bierbuch-Fachverlag Hans Carl war präsent, und zahlreiche weitere, kleinere und größere Stände zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.

 

Da dieses Gelände viel zu klein für alle war, hatte ein weiterer Teil von uns nur hundert Meter weiter in einer alten Scheune Platz gefunden. Hier stand der offizielle Stand der VHD, Kurt Maria Adler vom Junkersdorfer Kommunbrauhaus schenkte Bier vom VHD-Sud aus, das wir Nassauer zusammen mit den Junkersdorfern vor fünf Wochen gebraut hatten, Egon Meister aus Thüringen zeigte, wie Fässer gepicht werden – und spätestens jetzt wurde klar, dass für jeden irgend etwas Interessantes dabei war.

 

Gegen 17:00 Uhr begann im Gasthof Zametzer, parallel zum weiter laufenden Hausbrauermarkt, das Verkosterseminar, und nachdem wir uns hier intensiv in den Biersorten hatten schulen lassen, die am Sonnabend verkostet werden sollten, gab es auch schon eine deftige Brotzeit. Eine ordentliche Grundlage für die dann folgende Jahreshauptversammlung.

 

Die üblichen Berichterstattungen über die Kassenlage, die Medienpolitik des Vereins, die weiteren geplanten Haus- und Hobbybrauertage in den kommenden Jahren – rasch und unaufgeregt wurden die Programmpunkte abgearbeitet. Anschließend konnten wir noch lange gemütlich beieinander sitzen – aber angesichts des umfangreichen Verkostungsprogramms morgen zogen es die meisten doch vor, rechtzeitig zu Bett zu gehen.

 

Der zweite Tag, der Sonnabend, sah traditionsgemäß ein schönes Ausflugsprogramm vor. Während also die Masse der Teilnehmer der HHBT mit Reisebussen in Richtung Erlangen aufbrach, hatten die Verkoster vor ihrem Ausflug noch ihre Pflicht zu erfüllen. Erstmals gab es in diesem Jahr eine Vorverkostung, an der nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ teilgenommen haben, also die, die eigentlich jedes Jahr beim Verkosten dabei sind, sondern auch alle, die überhaupt ein Bier eingereicht haben. Auch wenn sie noch über keinerlei Erfahrung mit dem Verkosten verfügten. Ich selber saß in der Gruppe für Weizenbock und erfreute mich an ein paar wirklich interessanten Bieren, aber auch von den Nachbartischen, die Helles und Fränkisches Kellerbier verkosteten, hörte man viel Positives.

 

Mit anderthalb Stunden „Verspätung“ brachen nun auch wir Verkoster zu unserer Bustour auf. Zunächst ging es zur Mälzerei „Klostermalz Wirth GmbH“ in Frauenaurach, wo wir mit viel Liebe zum Detail und mitreißender Begeisterung in die Geheimnisse des Mälzens eingeweiht wurden und anschließend bei Brezeln und einem Fass Festbier von der Vierbräu ausführlich fachsimpeln konnten.

 

Die nächste Station war dann die Steinbach Bräu in Erlangen, ein kleiner Betrieb, der in seiner Frühgeschichte als Mälzerei mit Brauerei betrieben worden war, dann aus betriebswirtschaftlichen Gründen Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Brauerei verzichtete, im Jahr 1995 nach vielen Jahrzehnten als „Nur-Mälzerei“ aber doch wieder begann, das eigene Malz zu wesentlichen Teilen selbst zu verbrauen. Die jetzige, seit 13 Jahren bestehende Gasthausbrauerei mit 20-hl-Sudwerk braut ganzjährig ein Helles, das so genannte „Storchenbier“, und daneben in stetem Wechsel immer ein anderes Sonderbier – heute konnten wir das aus Whiskymalz gebraute und leicht rauchige „Scotty“ verkosten und hatten die einmalige Chance, vom jungen Weizenbock, der erst in drei Wochen in den Verkauf kommen soll, eine winzige Probe aus dem Lagertank zu zwickeln.

 

Obwohl wir mit einer wirklich großen Gruppe hier eingefallen waren, klappte die Bewirtung mit den leckeren Bieren und dem genauso guten Essen absolut hervorragend, und der Juniorchef der Brauerei ließ es sich nicht nehmen, uns auch noch durch das Brauereimuseum zu führen. Ein toller Programmpunkt, aber leider mahnte uns der Terminkalender zum Aufbruch – schließlich stand ja noch der zweite Teil der Verkostung auf dem Programm.

 

Erneut setzten wir uns zur Verkostung zusammen, und im Unterschied zu heute morgen, wo jedes Bier intensiv diskutiert wurde, kam es nun darauf an, individuell und konzentriert die verschiedenen eingereichten Proben zu bewerten. Schweigen erfüllte den Raum. Diesmal in die Gruppe „Fränkisches Kellerbier“ eingeteilt, konnte ich feststellen, dass es doch einen breiten Ermessens- und Interpretationsspielraum für diese Biersorte gibt – es war interessant, zu sehen, zu riechen und zu schmecken, was es alles für hausgebraute Kellerbiere gibt.

 

Nach der Verkostung war Pause angesagt – und sie war auch dringend nötig, bevor um halb acht der Hausbrauerabend begann. Ein gewaltiges kalt-warmes Büffet war vom Gasthof Zametzer aufgebaut worden, dazu floss Selbstgebrautes in Strömen. Die Siegerehrung der Verkostung geriet denn auch zu einer feucht-fröhlichen Feier, und schön war es, zu sehen, wie alte VHD-Hasen wie Thomas Lill sich genauso wie gerade erst in den Verein eingetretene Neumitglieder wie Rolf Benkel über den Sieg in ihrer Kategorie freuen konnten.

 

Bis spät in den Abend hinein dauerte die Feier, aber trotzdem waren am Sonntag morgen alle wieder fit, als uns in einer Reihe interessanter Vorträge die fränkische Braukultur näher gebracht wurde. Die Geschichte des Kommunbrauwesens in Franken und Thüringen, die Entwicklung des Brauwesens in Erlangen sowie die Erfahrungen mit dem Kauf und der Renovierung des fast verfallenen Kommunbrauhauses in Junkersdorf waren die Hauptthemen, und bei schönen Bilderserien, lebendigen Schilderungen und lebhaften Diskussionen verging die Zeit wie im Flug.

 

12:00 Uhr mittags, und das Ende der Haus- und Hobbybrauertage 2008 wurde eingeläutet. Petrus hatte doch ein Einsehen gehabt und auf die Wettervorhersage gepfiffen. Abgesehen von einem winzig kleinen Schauer war das Wetter hervorragend gewesen, und so war das Fazit einfach:

 

Es war mal wieder eine tolle Veranstaltung, hervorragend organisiert vom VFFB, mit einem interessanten und nahrhaften Programm. Und es war wohl niemand heute Mittag dabei, der sich nicht schon auf die nächsten HHBT freute – also: Auf Wiedersehen 2009 in Bamberg!

 

Bilder: HHBT 2008

 

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HHBT 2009

 

Viel Rauch um nichts?

 

Die Haus- und Hobbybrauertage 2009:

Zu Gast im Rauchbier-Mekka Bamberg

 

Über 200 Haus- und Hobbybrauer fanden im späten September 2009 den Weg nach Bamberg zu den diesjährigen Haus‑ und Hobbybrauertagen und setzten damit eine Rekordmarke, was die Teilnehmerzahl anbelangt. Herrlichstes Spätsommerwetter, die Bamberger Klosterbrauerei als Veranstaltungsort und die Unterstützung durch die Mälzerei Weyermann haben sicherlich dazu beigetragen, dass diese Teilnehmerzahl erreicht wurde, aber ich wage zu behaupten, dass es die Stadt Bamberg selbst war, die Bierhauptstadt Frankens und das Rauchbier-Mekka schlechthin, die uns in Scharen hierher gelockt hat. Und es gab, glaube ich, niemanden, der die teilweise weite Anreise bereut hat.

 

Der „Check-In“ (letztes Jahr hieß es noch „Anmeldung“, aber auch die VHD geht mit der Zeit und wird modern…) im großen Saal der Klosterbräu, der ältesten noch betriebenen Brauerei Bambergs, ging mit gewohnter Routine vonstatten. Die eingereichten Biere wurden mit einer Kennnummer versehen, der Teilnehmerausweis ausgehändigt und eine individuell angepasste Tourbeschreibung ausgedruckt: Während auf die Verkoster ein eher arbeitsreicher Sonnabend warten sollte, durften sich die anderen Teilnehmer auf ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm freuen.

 

Für heute stand aber zunächst eine Führung durch die Klosterbräu an. In kleinen Gruppen wurde uns in etwa 30 Minuten das nagelneue Sudwerk und der nicht minder neue Lagerkeller gezeigt. Die beiden jungen Herrn, die die Führung um 16:30 Uhr übernommen hatten, waren beide keine ausgebildeten Brauer, und obwohl sie sich viel Mühe gaben und mit viel Begeisterung bei der Sache waren, kamen sie bei den spitzfindigen Fragen der Hausbrauer gelegentlich ein bisschen ins Schwimmen. Das tat unserer Begeisterung aber keinen Abbruch, und um ehrlich zu sein, waren die allerletzten Details des angewandten CIP-Verfahrens dann auch nicht mehr wirklich wichtig. Viel wichtiger hingegen war die Möglichkeit, das Pils direkt aus dem Lagertank zu zwickeln und zu verkosten – was wir auch ausgiebig taten!

 

Ein letzter Blick über den idyllischen Biergarten direkt oberhalb der Regnitz, und dann hieß es für die Verkoster und Biereinreicher, sich zum Verkostungsseminar zu versammeln: Fränkisches Braunbier, Helles Bockbier und Bamberger Rauchbier waren im Vorfeld als Kategorien für den Hausbrauwettbewerb vorgegeben worden, und genau diese drei Sorten wollte uns der Vorsitzende des Vereins, Dieter Birk, anhand kommerzieller Beispiele vorstellen, uns die Charakteristika erläutern und so eine einheitliche Verkostung am nächsten Tage sicherstellen – eine Kalibrierung, gewissermaßen, wie einige von uns scherzhaft behaupteten.

 

Leider aber eine Kalibrierung mit Hindernissen, denn obwohl Dieter sich wirklich alle Mühe gab, die Geruchs- und Geschmackscharakteristika der drei Kategorien zu erläutern, und obwohl er mit einer Engelsgeduld auf die Rezens, die Vollmundigkeit, die Bittere, den Gesamteindruck und auf Farbe und Schaum einging, war es von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da die gekauften Biere gerade nicht als Vorbild für die jeweilige Kategorie gelten konnten: Der Kulmbacher Mönchshof Bock war bernsteinfarben statt hell und viel zu karamellig; das Weiherer Rauchbier war nur ganz schwach rauchig und ließ es an Vollmundigkeit vermissen, und das Klosterbräu Braunbier war zu hell und obendrein untergärig statt obergärig.

 

Dieter mühte sich redlich, den aufkommenden Unmut zu bekämpfen, und nach etwas emotionalem Austausch von Argumenten beruhigten sich die Gemüter wieder – schließlich sind wir hier, um ein fröhliches, gemeinsames Wochenende zu verbringen, und nicht, um uns um Dinge zu streiten, die nicht mehr geändert werden können. Dieter versprach Besserung für‘s nächste Jahr, und in friedlicher Harmonie ließen wir uns die drei Biersorten nun dennoch munden.

 

An das Verkostungsseminar schloss sich zunächst ein Imbiss für alle Teilnehmer der Haus‑ und Hobbybrauertage an – die Firma Weyermann hatte es sich nicht nehmen lassen, uns einzuladen. Schade, dass die Organisation in der Klosterbräu von der schieren Anzahl der Kostgänger ein wenig überfordert war – und so begann die Jahreshauptversammlung der VHD mit einer halben Stunde Verspätung. Gesättigt, und den ersten Durst gestillt, saß der Verein und harrte der großen Dinge, die da kommen sollten – hatte Dieter Birk im Vorfeld doch schon klar gemacht, dass er als Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung stünde. Neuwahlen waren also erforderlich.

 

Für die Details der Jahreshauptversammlung verweist der Chronist auf das Protokoll, das allen Vereinsmitgliedern zugesandt wird, und hält an dieser Stelle lediglich fest, dass der neue erste Vorsitzende nun Markus Metzger heißt – ein alter Bekannter, der vor Jahren bereits den Posten des Stellvertretenden Vorsitzenden innehatte.

 

Bei Klosterbräu und interessanten Gesprächen klang die Jahreshauptversammlung aus, und die Mehrheit der Teilnehmer verschwand recht früh im Bett, um Kraft für den morgigen Tag zu tanken.

 

Bamberg weckte uns am 26. September 2009 mit einem strahlend blauen Himmel. In der Innenstadt feilschten die Frühaufsteher auf dem Wochenmarkt, an Main und Regnitz herrschte schon Geschäftigkeit, und aus allen Himmelsrichtungen liefen die Hausbrauer zur Klosterbräu.

 

Für die verschiedenen Gruppen wurde ein jeweils unterschiedliches Programm angeboten – ein Teil begann gleich um neun Uhr früh mit einer kurzweiligen Stadtbesichtigung, während der in etwa zwei Stunden Geschichte und Geschichten von Bamberg in fröhlicher und abwechslungsreicher Form dargeboten wurden. Insbesondere die Damen der Gruppe staunten und schauten ein wenig neidisch, als sie hörten, dass König Heinrich II. seinerzeit die Stadt Bamberg seiner Frau Kunigunde kurzerhand zum Geschenk gemacht hatte.

 

Die Biereinreicher hingegen trafen sich zur Vorverkostung, um in moderierter Form in drei Panels aus den eingereichten Bieren schon einmal diejenigen auszusortieren, die deutliche Geschmacksfehler aufwiesen. Eine fleißige, aber interessante Arbeit, die den frühen Vormittag im Nu verfliegen ließ, uns aber auch deutlich machte, dass fünf Biersorten am frühen Morgen schon eine interessante Wirkung entfalten können, selbst wenn es nur fast homöopathische Mengen waren, die getrunken wurden.

 

Der spätere Vormittag sah zahlreiche Besuchergruppen bei der Betriebsbesichtigung der Weyermann Mälzerei. Bis ins letzte Detail wurde uns der Prozess des Mälzens zunächst an einer Schautafel erklärt, dann aber auch in der Mälzerei gezeigt. Ein hervorragender Einblick in die aufwändigen Verfahren, die für einen wirtschaftlichen Betrieb ein hohes Maß an Koordination und präziser Betriebsführung erfordern. Auch das neue Logistikzentrum mit automatischer Palettierung der Malzsäcke beeindruckte uns sehr. Abgerundet wurde die Betriebsbesichtigung durch einen kurzen Blick in die Verwaltung und das Labor, und danach konnten wir uns noch die Versuchsbrauerei anschauen und drei der bei Weyermanns gebrauten Biere am Durstlöschzug verkosten: Das Weyzen, das Schlotfegerla und das Barley Wine – letzteres mit über neun Prozent Alkohol. Die Firmenchefin Sabine Weyermann ließ es sich nicht nehmen, mit uns am Durstlöschzug zu stehen und zu fachsimpeln, und als wir das Firmengelände – teilweise mit frisch erworbenen Malzsäcken beladen – wieder verließen, waren wir beeindruckt von einem sich hervorragend präsentierenden Mittelstandsbetrieb.

 

Während im Schichtbetrieb nun andere die Führung durch die Altstadt oder die Mälzerei antraten, trafen sich die Verkoster am frühen Nachmittag erneut im Klosterbräu und begannen mit der Hauptverkostung. Jeweils etwa zehn Bock‑, Braun‑ und Rauchbiere wurden konzentriert verkostet und in eine klare Rangfolge gebracht. Wieder sehr spannend und faszinierend, aber auch anstrengend.

 

Parallel dazu (und zum Glück für die Verkoster auch noch bis in den frühen Abend hinein) fand ein Stockwerk höher der Hausbrauermarkt statt, auf dem verschiedene Anbieter ihre Brauprodukte, Sudanlagen, Bücher und sonstiges Zubehör feilboten, auf dem aber auch die Schwalenberger Brauzunft ihre Brauerei und ihre Region vorstellte – sollen doch dort im August 2010 die nächsten Haus‑ und Hobbybrauertage stattfinden. So, wie dort die Werbetrommel gerührt wurde, freuten sich viele schon auf das nächste Treffen – und dabei war das diesjährige doch noch in vollem Gang…

 

Ein Teil der Hobbybrauer fühlte sich von diesem Programm immer noch nicht ausgelastet genug, und so fand sich eine illustre Schar noch am Ufer der Regnitz im Stadtteil „Klein-Venedig“ ein. Bei Life-Musik und Tanz wurde hier ausgelassen gefeiert und getrunken, und so eine hervorragende Grundlage für den Hausbrauerabend ab 20:00 Uhr geschaffen. Vorglühen, nennt man das heutzutage wohl…

 

Beim Hausbrauerabend bogen sich die Tische nur so unter den Spezialitäten des kalten und warmen Büffets, und nachdem wir uns bei Haxen, Braten und reichlich Bier eine gute Grundlage geschaffen hatten, schritt Dieter Birk zur Siegerehrung. Auch dieses Jahr wieder war die Konkurrenz in den verschiedenen Kategorien erheblich gewesen, und so können die Sieger stolz auf ihre Leistung und ihr hervorragendes Bier sein. Mit dem obligatorischen Braupaddel und einem Sack Malz wurden sie belohnt, und mit einem flüssigen Dank an die Verkoster in Form von zwei Litern Hausbräu in Original-VHD-Flaschen ging dann der offizielle Teil des Hausbrauerabends zu Ende.

 

Das ist der Moment, in dem die Hausbrauer wieder zu Hochform auflaufen und ihre Produkte nun außer Konkurrenz in Fässern und Flaschen anbieten… Es wurde noch ein feuchtfröhlicher Abend, bei dem auch weit exotischere Sude, als es die drei Kategorien im Wettbewerb zugelassen hatten, verkostet werden konnten.

 

Wie üblich klangen die Haus‑ und Hobbybrauertage dieses Jahr wieder mit einem theoretischen Teil aus. Am Sonntagvormittag um zehn Uhr, also in gefühlter Herrgottsfrühe nach dem feuchtfröhlichen Abend gestern, hielten Andreas Richter und Ulrich Ferstl von der Weyermann Mälzerei zwei interessante und unterhaltsame Vorträge. Andreas erläuterte uns zunächst die Feinheiten des Mälzens und stellte uns dann eine Reihe von Spezialmalzen nebst Braurezepten zu deren Anwendung vor – eine Reihe von interessanten Anregungen und sicherlich ein Quell der Inspiration für die Anwesenden. Ulrich konzentrierte sich in seinem zweiten Vortrag auf eine knappe Handvoll internationaler Bierspezialitäten, und zwar das Imperial Pale Ale, den Barley Wine, das Baltic Porter und das Pumpkin Ale. Zu jeder dieser Biersorten gab es einen kurzen Abriss der Historie, Tipps zum Brauen und ein detailliertes Rezept.

 

Solchermaßen theoretisch gerüstet für ein weiteres Jahr des Hausbrauens trollten wir uns wieder Richtung Heimat, natürlich nicht, ohne uns gegenseitig wieder zu versichern, dass es nächstes Jahr ein Wiedersehen auf den Haus‑ und Hobbybrauertagen geben werde. Also, in diesem Sinne: Bis zum August 2010 in Schwalenberg, und für dieses Jahr vielen Dank für die Organisation, die Unterstützung und die Spenden an alle Mitwirkenden, von der VHD über die Weyermann-Mälzerei, die Kloster Bräu, die Bamberg Touristik und all die vielen anderen Helfer und Sponsoren.

 

Lebt wohl, und bis dann, wünscht der Chronist.

 

Bilder: HHBT 2009

 

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HHBT 2010

 

Die Haus- und Hobbybrauertage in Schwalenberg

 

In Ostwestfalen, genauer gesagt, in Schieder-Schwalenberg, und noch genauer, im Ortsteil Schwalenberg fanden vom 27. bis zum 29. August 2010 die Haus- und Hobbybrauertage 2010 statt.

 

Ein kleiner Blick zurück in die Geschichte: Im Jahr 2004 begann eine kleine Gruppe Schwalenberger mit der wahrhaft herkulischen Aufgabe, ein kleines, altes und recht ungepflegtes, aber unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in der Nähe des Schwalenberger Friedhofs zu renovieren und als Brauhaus herzurichten. Das Brauen hatte viele Jahrhunderte Tradition in Schwalenberg gehabt, war aber Anfang des letzten Jahrhunderts gewissermaßen ausgestorben. Die Schwalenberger Brauzunft, so nannte sich der frisch gegründete Verein, hatte sich vorgenommen, diese Tradition wieder zu beleben und in dem kleinen Brauhaus tatsächlich wieder Bier zu brauen.

 

Ein paar Jahre harte Arbeit sind seitdem ins Land gegangen, und das Brauhaus steht mittlerweile prächtig da. Regelmäßig finden Brautage statt, und die Schwalenberger Brauzunft hat es zu regionaler Bekanntheit, gar Berühmtheit gebracht.

 

Was lag also näher, als die Haus- und Hobbybrauertage auch einmal hier zu veranstalten?

 

Bereits ein ganzes Jahr vorher verteilten die Brauer aus Schwalenberg ein kleines Heftchen mit einem ausführlichen Programm, und es wurde deutlich, dass hier eine hervorragende Organisation zu arbeiten begonnen hatte. Nicht nur die Brauzunft, sondern der ganze Ort stand hinter der Idee, und neben den Standardveranstaltungen der Haus- und Hobbybrauertage, also der Jahreshauptversammlung und dem Hausbrauwettbewerb, stand eine Reihe weiterer Aktivitäten auf dem Programm. Bis hin zu einem bunten Markttreiben in der Altstadt war an alles gedacht, und aufgrund regionaler Verbundenheit war es der Brauzunft sogar gelungen, den ehemaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier als Schirmherrn zu gewinnen.

 

Was leider auch bei perfekter Planung immer dem Zufall überlassen bleibt, das ist das Wetter. Strömender Regen begleitete die Anreise der Teilnehmer aus ganz Deutschland, und unweit Schwalenbergs war es sogar zu Überschwemmungen gekommen. Der guten Laune der Haus- und Hobbybrauer tat dies zwar keinen Abbruch, aber die Teilhabe der regionalen Bevölkerung am bunten Markttreiben litt unter den Regengüssen doch ein wenig.

 

Im wunderbar renovierten und eindrucksvoll gestalteten historischen Saal des Rathauses hatten die Schwalenberger die Anmeldung eingerichtet. Professionell und zügig bekamen wir unsere Unterlagen und konnten uns dann rasch in das Getümmel auf dem Markt stürzen. Der Vorsitzende der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer, Markus Metzger, der Bürgermeister Schwalenbergs und der Nachtwächter der Stadt wanderten in vollem Ornat über den Markt, um ihn feierlich zu eröffnen, und im Nu füllte sich trotz des Regens die Stadt mit Leben.

 

Neben selbstgebrautem Bier der Schwalenberger, abgefüllt durch Schorsch Lechner mit seinem historischen Flaschenfüller, gab es weitere Biersorten, Kaffee und Kuchen, zahlreiche handwerkliche Produkte, Leckereien, Antiquitäten und – natürlich – auch Brauzubehör und Bierliteratur. Diejenigen, die mit Regenjacke und Schirm bewaffnet über den Markt streiften, bekamen wirklich viel geboten.

 

Für die stärker an der Vereinsarbeit interessierten Besucher begann im historischen Rathaussaal das Verkostungsseminar, bei dem der ehemalige VHD-Vorsitzende Dieter Birk in gewohnt routinierter Weise die Teilnehmer in die geschmacklichen Finessen der in diesem Jahr antretenden Bierstile einwies: Dunkles, westfälisches Landbier, dunkles Bockbier und Imperial Pale Ale.

 

Am frühen Abend dann trafen sich alle vor den Toren der Altstadt in der Schützenhalle. Nach einer kurzen Ansprache wurde zunächst das Büffet gestürmt und sich gestärkt, und danach begann die offizielle Jahreshauptversammlung. Die sonst übliche gemächliche Routine wurde dieses Jahr durch eine hitzige Diskussion über eine geplante Satzungsänderung gestört, und nachdem die Positionen nicht auf die Schnelle unter einen Hut gebracht werden konnten, wurde salomonisch beschlossen, die Entscheidung über die Satzungsänderung auf nächstes Jahr zu vertagen und durch intensive Informationsarbeit und Diskussion im Internet und der Vereinszeitschrift die dann hoffentlich mögliche Entscheidung sorgfältiger vorzubereiten.

 

Die Gemüter kühlten sich nach dem offiziellen Ende der Jahreshauptversammlung rasch wieder ab, und in der Schützenhalle wurde dann bei flotter Musik und Kunststückchen, vorgeführt von einem eigens engagierten Zauberer, bis weit in die Morgenstunden hinein gefeiert.

 

Am Sonnabend früh begann im historischen Rathaussaal die Vorverkostung der eingereichten hausgebrauten Biere, und im Anschluss begannen die Bustouren nach Lemgo und in den Teutoburger Wald.

 

Die erste Station der Lemgoer Bustour war die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Was das mit Bier und Brauen zu tun hat? Eine ganze Menge: In der Fakultät Lebensmitteltechnologie oder – moderner – Life Science Technologies gibt es im Technikum im Keller des Hochschulgebäudes eine kleine, aber feine Lehr- und Versuchsbrauerei, in der die Studenten fleißig vor sich hin brauen dürfen. Eine ausführliche Führung gab es hier für uns, und neben der Brauerei konnten wir auch die sonstigen Elemente des Technikums detailliert besichtigen – insbesondere auch eine kleine Destille.

 

Es war Ehrensache, dass wir die hier produzierten Delikatessen auch verkosten durften, und besonders das Campus-Bier aus der Versuchsbrauerei, gezapft direkt aus dem Lagertank, schmeckte uns ganz ausgezeichnet!

 

Die nächste Station unseres Ausflugs war das Schloss in Brake. Auf den Spuren der ehemals in diesen Gemäuern vorhandenen Brauerei wanderten wir unter fachkundiger Führung durch die Räume und weitläufigen Keller. Plastisch und anschaulich wurde uns das Leben der Schlossherren und ihres Gefolges geschildert, und die eine Stunde, die für die Besichtigung vorgesehen war, verging wie im Fluge.

 

Die nächste und letzte Station war schließlich die Gasthausbrauerei Röhr in Sonneborn. Ein modernes Gebäude, extra für diese Gasthausbrauerei gebaut, beherbergt eine schöne kupferne Sudanlage, und der helle Gastraum ist mit warmen Herbstfarben kontrastierend zu den metallischen und blauen Elementen der Architektur geschmückt. Hier konnten wir das vor Ort gebraute Helle und Dunkle Pils probieren und uns mit dem vorbereiteten Büffet stärken.

 

Leider mussten wir, gerade als Herr Röhr uns die Brauerei im Detail erläutern wollte, schon wieder weiter, denn um fünfzehn Uhr begann – wieder im historischen Rathaussaal in Schwalenberg – die Endrunde der Verkostung. In konzentrierter Arbeit wurden die eingereichten Biere in den drei Kategorien dunkles, westfälisches Landbier, dunkles Bockbier und Imperial Pale Ale verkostet und detailliert bewertet, während die Nicht-Verkoster sich draußen auf dem Marktplatz der Völlerei hingeben konnten.

 

Leider hatte auch heute Nachmittag der Wettergott kein Einsehen. War es während der Bustour nach Lemgo und Umgebung noch angenehm trocken gewesen, entluden sich dicke, graue Regenwolken am Nachmittag über dem Schwalenberger Marktplatz ihrer nassen Fracht. Nur mit Schirm und dicker Regenjacke ausgerüstet konnten die Besucher den Marktständen wirklich etwas abgewinnen. Schade, denn den vielen begeisterten Standbesitzern wäre es wirklich vergönnt gewesen, etwas mehr Umsatz machen zu können.

 

Insofern sammelten sich die meisten Teilnehmer der Haus- und Hobbybrauertage denn auch schon etwas verfrüht in der Schützenhalle zum Hausbrauerabend. Keine Abweichungen zum Ritual sonstiger Jahre gab es zu vermelden. Nach einer Rede des Landrates wurde das Büffet eröffnet, und nachdem der erste Hunger gestillt war, fand die Siegerehrung des Hausbrauwettbewerbs statt. Schöne Urkunden, urige Lederschürzen mit dem Logo des Vereins und große Säcke mit frischem Malz der Mälzerei Weyermann waren die verdiente Belohnung für das jeweils hervorragend gebraute Siegerbier. Und wie immer schleppten unmittelbar nach der Siegerehrung nicht nur die Gewinner und Teilnehmer, sondern fast alle Hausbrauer ihre Biere in den Festsaal. Ob aus Fass, Siphon oder Flasche – es gab wieder eine schier unendliche Zahl hausgebrauter Sorten zu probieren, und die Geschmacksrichtungen gingen von klassisch konservativ bis hin zu experimentell und verrückt. Kaum eine Zutat scheint vor den Hausbrauern sicher zu sein, um nicht in irgendeinem Sud verwendet zu werden, und so wirkte die gestrige Diskussion um die Verankerung des Deutschen Reinheitsgebots in der Vereinssatzung im Nachhinein etwas sonderbar.

 

Es hieß, dass erneut bis weit in die Morgenstunden hinein gefeiert wurde, und wer sich die Gesichter am Sonntagvormittag etwas genauer anschaute, hegte daran auch keine Zweifel.

 

Wer es geschafft hatte, früh genug aus den Federn zu kommen, konnte im historischen Rathaussaal ein paar interessante Vorträge hören. Ein Vertreter der Hochschule Ostwestfalen-Lippe referierte über Bierhefe und über die Möglichkeiten, während des Brauprozesses selber bereits die Haltbarkeit des späteren Biers zu beeinflussen, und danach schilderte uns ein sichtlich bewegter Vorsitzender der Schwalenberger Brauzunft, Frank Ehlert, die Geschichte seines Vereins und des Schwalenberger Brauhauses. Sein Vortrag endete mit der Feststellung, dass nun auch die Haus- und Hobbybrauertage 2010 in Schwalenberg zu Ende gingen, und wer genau aufpasste, der konnte das Rumpeln des Steins hören, der Frank in diesem Moment vom Herzen fiel.

 

Für diejenigen, die es bisher immer noch nicht geschafft hatten, gab es nun noch eine letzte Führung durch das Schwalenberger Brauhaus, und dann hieß es, Abschied nehmen bis zum nächsten Jahr, dann erneut in Deutschlands Norden, aber viel weiter westlich. Nordhorn heißt das Ziel für die Haus- und Hobbybrauertage 2011.

 

Den Brauern und Vereinsmitgliedern in Schwalenberg, aber auch dem gesamten Ort, der wie ein Mann hinter der Brauerzunft stand, ein herzliches Dankeschön für eine hervorragende Organisation und für Haus- und Hobbybrauertage, die uns Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben werden!

 

Bilder: HHBT 2010

 

Und als kleine Ergänzung des obigen Berichts von mir zitiere ich hier ein Interview mit dem Vorsitzenden der Schwalenberger Brauzunft e.V., Frank Ehlert, das auf deren Internetseite veröffentlicht worden ist:

 

Deutsche Brauer genießen Bier in Schwalenberg

 

Initiator Frank Ehlert über die Fachtagung, die am Wochenende in der Malerstadt stattfindet

 

Bierexperten aus ganz Deutschland treffen sich am Wochenende in Schwalenberg. Dass die 15. Haus- und Hobbybrauertage in Südostlippe stattfinden, ist etwas Besonderes, weiß Frank Ehlert.

 

 

Schieder-Schwalenberg. Gerade hat er noch eine Runde auf dem Aufsitzmäher gedreht, jetzt nimmt sich Frank Ehlert Zeit für ein Gespräch mit der LZ. Dem Vorsitzenden der Brauzunft ist es zu verdanken, dass sich die Fachwelt in Schwalenberg trifft.

Herr Ehlert, Sie haben mit Ihrer Brauzunft die 15. Haus- und Hobbybrauertage nach Schwalenberg geholt. Das ist nicht gerade eine Kleinigkeit.

 

Frank Ehlert: Allerdings, wir sind auch stolz, dass wir nach Bamberg und Erlangen den Zuschlag bekommen haben. Und 15 Jahre, das ist ja schon so etwas wie ein kleines Jubiläum. Das passt ganz gut.

 

Wie haben Sie das eigentlich hingekriegt?

 

Ehlert: Die Haus- und Hobbybrauertage haben noch nie in Westfalen stattgefunden und wir sind der einzige Verein, der noch ein altes Westfälisches Brauamt am Leben erhält. Und außerdem haben wir wohl auch mit unserem Deutschlandbier für Furore gesorgt. Darüberhinaus ist unser Schirmherr der ehemalige Außenminister und Botschafter des Bieres Dr. Frank-Walter Steinmeier, auch wenn er nun leider nicht kommen kann.

 

Was genau findet jetzt eigentlich in Schwalenberg statt? Was für Leute kommen und wie viele?

 

Ehlert: Es haben sich etwa 150 Fachleute und Hobby–brauer angekündigt, für die wir neben Fachvorträgen ein Rahmenprogramm auf die Beine gestellt haben. Aber wir hoffen natürlich, dass darüberhinaus viele Interessierte den Weg nach Schwalenberg finden, denn es findet auch Freitag von 16 bis 21 Uhr, Samstag von 14 bis 21 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr ein großer Markt mit mindestens 24 Ständen ums Thema Bier und Brauen statt. Es haben sich renommierte Aussteller angesagt.

 

Was können die Besucher denn am Wochenende in Schwalenberg erwarten?

 

Ehlert: Natürlich viel Literatur und Materialien aus dem Bereich

Brauen. Aber es gibt auch was zu erleben: Unter anderem werden wir eine Einzelflaschenfüllanlage aus dem Brauereimuseum Oelde vor Ort haben. Hier haben die Gäste erstmals die Chance, sich unser Schwalenberger Bier in eine Flasche zu füllen. Außerdem kommt der singende Schmied, wir haben eine Fischräucherei: Es wird auf jeden Fall interessant.

 

Wo bringen Sie die Leute eigentlich alle unter und wie lange bleiben die Bierbrauer?

 

Ehlert: Wir haben hier in Schwalenberg etwa 170 Betten zu bieten, das kommt schon hin. Das Programm startet bereits am morgigen Donnerstag. Einige der angemeldeten Teilnehmer kommen von Freitag bis Sonntag, manche haben sich für eine Woche in Schwalenberg eingemietet.

 

Das heißt, Sie tun was für den Tourismus in der Region. Aber die Schwalenberger Brauzunft ist ja nun ein sehr kleiner Verein. Wie kriegen Sie das hin?

 

Ehlert: Das muss man ganz deutlich sagen: Ohne die Unterstützung der anderen Vereine ginge das gar nicht. Aber alle helfen mit, und das so kurz nach dem Trachtenfest.

 

Wie schätzen Sie eigentlich die Bedeutung dieser Brauertage ein – für Schwalenberg und für die Region?

 

Ehlert: Über den touristischen Aspekt haben wir ja eben schon gesprochen. Darüber hinaus ist dies für uns eine hervorragende Gelegenheit, allen Unterstützern und Sponsoren zu zeigen: Euer Engagement hat sich gelohnt, es trägt schon kurzfristig Früchte und bringt wirklich Nutzen für die Region. Allein die Erfindung des Deutschlandbieres hat uns eine Medienresonanz eingebracht, wie es sie für Schwalenberg noch niemals gegeben hat.

 

Wohin wird die Reise für die Schwalenberger Brauzunft langfristig hingehen?

 

Ehlert: Eines steht fest: So ein Ding kriegen wir kurzfristig nicht wieder hin. Wir sind nur zehn Aktive, und es wird schwer sein, auf lange Sicht die Bierbrautradition zu erhalten. Was ist, wenn die derzeitigen Akteure nicht mehr dabei sind? Wir möchten die Begeisterung fürs das Bierbrauen auch beim Nachwuchs wecken.

 

Was versprechen Sie sich an direktem Nutzen für die Brauzunft?

 

Ehlert: Wir hoffen auf Tipps, wie wir unser Handwerk noch optimieren können. Und wir hoffen, dass unser Bier bei der Bewertung gut abschneidet

 

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HHBT 2011

 

„Brauertag‘ und Sonnenschein,

und ich steh‘ hier im Stau am Rhein…“

 

… so mag mancher, insbesondere der erste Vorsitzende der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer, nach der Melodie der Comedian Harmonists vor sich hin gesummt haben, denn bei herrlichstem Spätsommerwetter und der Aussicht auf ein durch den Tag der Deutschen Einheit verlängertes Wochenende hat sich wohl die Mehrheit der Bevölkerung dazu berufen gefühlt, sich auf einen Kurzurlaub zu begeben. Nordrhein-Westfalen allein rühmte sich am Nachmittag des 30. September 2011 mit einer Gesamtstaulänge von über 300 Kilometern…

 

Aber, und es sei gestattet, den Schluss vorwegzunehmen, trotz Stau in der Republik waren die Haus- und Hobbybrauertage 2011 im hohen Norden, in Nordhorn kurz vor der niederländischen Grenze, am Ende eine runde Sache.

 

Im „Kultur- und Tourismuszentrum“ der Stadt Nordhorn, in der Alten Weberei, hatten die Brauer und Brauerinnen der Nordhorner Vereinsbrauerei die große Halle angemietet, und hier trafen sich rund hundert Mitglieder und Angehörige der VHD zur Jahreshauptversammlung am Freitag. Wie immer gab es als Stärkung vorneweg eine deftige Brotzeit, und genau diese gab uns auch die Pufferzeit, auf die im Stau steckenden Freunde und Kameraden zu warten.

 

In ruhiger und diesmal sehr entspannter Atmosphäre und eingeleitet durch eine kurze Ansprache der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Nordhorn konnte Markus Metzger mit dem Vorstand neben den Routineaufgaben wie Kassenbericht und Entlastung des Vorstandes endlich auch die letztes Jahr bereits vorgestellte Satzungsänderung abschließen. Zwar mussten die Stimmen mehrfach nachgezählt werden, weil nach den vielen Stunden im Stau beim einen oder anderen die Konzentration auf einem Tiefpunkt angelangt war, aber schließlich war es geschafft, und der Verein konnte sich nach dem formalen Programm dem gemütlichen Beisammensein widmen – schließlich hatte man sich ja seit einem Jahr nicht mehr gesehen und dementsprechend viel zu erzählen.

 

Fast schon routinemäßig begann Sonnabend früh das Verkostungs- und Ausflugsprogramm. Zwei große Reisebusse standen für eine Tour durch den Osten der Niederlande bereit, und neben der Besichtigung der riesigen und – beeindruckend! – klinisch sauberen Großbrauerei Grolsch blieb auch noch genug Zeit, über den Markt in Enschede zu bummeln, um sich je nach Gusto mit fangfrischem Hering oder leckerem Käse zu versorgen oder in einem der zahlreichen Cafés im herrlichen Sonnenschein schon das erste Bier zu genießen.

 

Parallel zu diesem Ausflug trafen sich die Verkoster zur morgendlichen Vorverkostung und diskutierten mit Verve und Elan die eingereichten Biere der Kategorien „Norddeutsches Pilsener“, „Grafschafter Kupfer“ und „Rauchweizenbock“. Im Anschluss gab’s eine Planwagenfahrt durch Nordhorn, eine kurze, aber süffige Besichtigung von Jan Hendrik Kochs Sudhaus in der Erikastraße, und ein leckeres Biermenü. Ein kurzer Verdauungsspaziergang durch die Nordhorner Fußgängerzone, in der das Stadtfest „Nordhorner Oktober“ tobte, und am Nachmittag traf man sich erneut in der Konferenzhalle zur Hauptverkostung. Straff und professionell organisiert war sie diesmal, und da die Anzahl der eingereichten Biere auch nicht allzu hoch gewesen war (für die Statistiker: 7 Pils, 12 Kupfer, 15 Rauchweizenbock, also gerade einmal 34 Biere), blieb nach der Verkostung noch genügend Zeit für individuelles Freizeitprogramm. Ein gemütlicher Bummel über das Stadtfest, eine Kneipentour oder eine Bootsrundfahrt über die Vechte und die kleinen Kanäle kreuz und quer durch das Stadtgebiet – auch jetzt musste sich niemand langweilen.

 

Der Hausbrauerabend folgte geschickter Choreographie. Während das Volk durch Brot und Spiele bei Laune gehalten wurde und sich über das Büffet hermachte, schloss der Vorstand die letzten Auswertungen und Vorbereitungen für die Siegerehrung ab, und um kurz vor zehn Uhr fand endlich die ersehnte Kür der Sieger statt. Besonders erwähnenswert der Sieg von Andreas Schwickert in der Kategorie Rauchweizenbock, der damit nun schon zum dritten Mal als Sieger auf der Bühne gestanden hat. Glückwunsch an alle Gewinner und Teilnehmer!

 

Bei Hausbräu aus allen Regionen Deutschlands, aus Flaschen und Fässern, saß man nun noch zusammen, verkostete die exotischsten Kreationen und tauschte bis tief in die Nacht Rezepte und Erfahrungen aus.

 

Der nächste Morgen rundete die diesjährigen Haus- und Hobbybrauertage mit einer Rarität ab: In irgendwelchen Archiven war ein Stummfilm vom Anfang des letzten Jahrhunderts aufgetaucht, ein Reklamefilm der Brauerei Humbser in Fürth. Nahezu eine halbe Stunde lang konnten wir auf den großen Leinwänden verfolgen, wie vor fast hundert Jahren in Fürth Bier gebraut worden war. Fürwahr, ein schöner Abschluss! Und damit: Bis nächstes Jahr! Dank an Jan-Hendrik Koch und seine Vereinskollegen, und auf ein Wiedersehen in Windischeschenbach-Neuhaus im September 2012.

 

Bilder: HHBT 2011

 

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