Brunnenbräu® Hausbrauerei – Das
Original – seit 1997
Haus- und Hobbybrauertage des VHD

Haus- und Hobbybrauertage des VHD
Einmal im Jahr sind die Haus- und
Hobbybrauertage (HHBT) des Vereins der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland
e.V., des VHD, Mittelpunkt der deutschen Hausbrauerwelt. Die Vereinsmitglieder
treffen sich an wechselnden Orten für ein Wochenende, um zum Einen die
jährliche Hauptversammlung des Vereins formal abzuhalten, zum Anderen aber auch
um ein paar schöne Stunden miteinander zu verbringen, um bierbezogene Ausflüge
zu veranstalten, einen feuchtfröhlichen Hausbrauerabend mit leckerem Büffet zu
genießen und nicht zuletzt auch um vorher eingereichtes Hausbräu verkosten zu
lassen. Im Allgemeinen dauern diese Veranstaltungen von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag
und sind immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. Und wenn man es geschickt
anstellt, sind auch Anreise und Rückfahrt schon ein schönes Biererlebnis.
Die Haus- und Hobbybrauertage in Tettnang
Zum ersten Mal nahm ich an den
Haus- und Hobbybrauertagen teil, als diese vom 4. bis zum 6. August 2006 in
Tettnang am Bodensee stattfanden. Am Tag der Anreise, dem Freitag, fanden sich
die Teilnehmer in der Altstadt Tettnangs in einem
Hotel ein, gaben hier ihre selbstgebrauten Biere für den Hausbrauwettbewerb ab
und konnten sich dann noch ein wenig in der Stadt umsehen. Diejenigen, die sich
als Verkoster gemeldet hatten und am Sonnabend die eingereichten Biere
verwerten sollten, trafen sich stattdessen zu einem Verkosterseminar,
bei dem Dieter Birk und Markus Harms, die beiden Vorsitzenden des Vereins, uns
die Charakteristika der entsprechenden Bierstile näher brachten.
Am frühen Abend fuhr dann ein Bus
zum Tettnanger Hopfenmuseum hinaus, in dem die Mitgliederversammlung und ein
erster Imbiss stattfinden sollten.
Nach der Ankunft in diesem
Museum, vielleicht zwei oder drei Kilometer außerhalb der Stadt, hatten wir
noch die Möglichkeit, gemütlich die Ausstellung zu besichtigen, bevor dann bei
einem zünftigen Imbiss die Jahreshauptversammlung begann. Vorträge,
Diskussionen und Wahlen zogen sich ein Weilchen hin, aber es blieb kurzweilig.
Nach dem offiziellen Teil der Mitgliederversammlung blieb noch genügend Zeit,
bei dem einen oder anderen schmackhaften Bierchen der Tag sachte ausklingen zu
lassen.
Der nächste Morgen begann mit ein
wenig Theorie. Im St. Gallus Haus brachte man uns die
Kunst des Hopfenanbaus nahe und auch ein paar Gedanken zur professionellen Gründung
einer eigenen Hausbrauerei fehlten nicht. Ein interessanter und lehrreicher
Start in den Tag.
Bevor die Verkostung beginnen
sollte, blieb noch ein wenig Zeit für einen Spaziergang durch die Altstadt und
den Wochenmarkt. Der interessanteste Stand auf diesem Wochenmarkt war
sicherlich die Hausbrauvorführung – eine Reihe interessierter Besucher fand
sich hier ein und konnte sich die Feinheiten unseres Hobbys am Beispiel nahe
bringen lassen.
Nun wurde es aber höchste Zeit
für die Verkostung. In konzentrierter Arbeit bewerteten wir die eingereichten
Biere und freuten uns nach dieser Anstrengung auf ein Bier, das wir einfach nur
so hinunter zischen konnten. Dies gab es dann während der Brauereibesichtigung
der Brauerei Krone, die sich an die Verkostung anschloss. Direkt in der
Innenstadt befindet sich diese kleine, aber feine Brauerei, und der Chef ließ
es sich nicht nehmen, uns persönlich durch sein Allerheiligstes zu führen.
Wir spürten mittlerweile die
Anstrengungen dieses langen, erlebnisreichen Tages, als wir endlich zum
Hausbrauerabend in die zentrale Gastwirtschaft in Tettnang einrückten. Hier
wartete ein hervorragendes Büffet auf uns, das die Lebenskraft wieder erweckte.
Bei der anschließenden Siegerehrung war von Müdigkeit keine Spur mehr, und die
Stimmung war ausgezeichnet.
Der nächste Morgen, mittlerweile
schon der Sonntag, der 6. August 2006, sah kein formelles Programm für die
Haus- und Hobbybrauer mehr vor – stattdessen bot sich die Möglichkeit, am
diesjährigen Hopfenwandertag teilzunehmen.
Einmal im Jahr findet dieser
Hopfenwandertag in Tettnang statt. Entlang des Hopfenwanderweges von der
Innenstadt zum Hopfenmuseum stehen Stände zahlreicher Brauereien, die für ihr
Bier den Tettnanger Hopfen benutzen. An all diesen Ständen kann man die entsprechenden
Biere verkosten und mit Vertretern der Brauereien fachsimpeln. Zusätzlich waren
dieses Jahr entlang des Weges zahlreiche Hopfensauen ausgestellt –
Kunststoffschweine, die in den vergangenen Monaten bunt angemalt und
künstlerisch verschönert worden waren.
Trotz des starken Regens fanden
sich zahlreiche Bierliebhaber ein und arbeiteten sich von Stand zu Stand die
Hügel hinauf. Oben in der Scheune des Hopfenmuseums wartete der Hausbrauermarkt
auf uns – zahlreiche private und kommerzielle Anbieter von Hausbrauzubehör
boten hier ihre Produkte feil.
Auch hier verging die Zeit viel
zu schnell, und im Nu war es Nachmittag und der Abtrieb der Hopfensau begann:
Die Plastikschweine wurden auf flache Anhänger geladen und mit mehr oder
weniger historischen Treckern ins Tal gefahren. Zwischendrin fuhren
Musikkapellen und die Hopfenköniginnen aus Tettnang und den anderen deutschen
Hopfenanbaugebieten. Trotz des immer noch nieseligen
Wetters ein tolles Erlebnis.
Mit diesem Zug in die Stadt
Tettnang hinein endeten für mich dann auch die diesjährigen Haus- und
Hobbybrauertage. Ein tolles Erlebnis für meine erste Teilnahme, und sicherlich der
Beginn einer hoffentlich möglichst langen Serie von gleichartigen
Veranstaltungen!
Die Haus- und Hobbybrauertage in Cunewalde
Im Jahr 2007 führten uns die
Haus- und Hobbybrauertage in die Lausitz, nach Cunewalde. Den folgenden Text
habe ich für die Vereinszeitung des Vereins der Haus- und Hobbybrauer
in Deutschland e.V., den „Schalander“, geschrieben:
Von Nassau in die
Lausitz und zurück
oder
„Test the West“ und „Kost the Ost“
„Cunewalde? Wo
liegt das denn?“ wird sich im August letzten Jahres so mancher gefragt haben,
als bekannt gegeben wurde, wo 2007 die Haus- und Hobbybrauertage stattfinden
sollten. Ein Blick in den Atlas zeigte uns: So ziemlich am entgegen gesetzten
Ende der Republik – zumindest von uns aus gesehen, aus Sicht der Hausbrauer Nassauer Land. Was uns aber nicht davon
abhielt, trotzdem hinzufahren und Deutschland einmal von West nach Ost und
wieder zurück zu durchmessen!
Natürlich wollten
wir die Gelegenheit auch nutzen, auf Hin- und Rückweg ein paar zufällig am
Wegesrand gelegene Brauereien aufzusuchen und zu testen. Gesagt, getan,
pünktlich zum frühest möglichen Beginn der
Mittagspause um halb zwölf rollten wir in die Erfurter Innenstadt und liefen
zum „Erfurter
Brauhaus“. An unseren Hemden und T-Shirts wurden wir sofort als Hausbrauer
identifiziert, und der Braumeister ließ es sich nicht nehmen, nachdem er eben
schnell noch den Läuterbottich ausgetrebert hatte und
wir das gute Bier probiert hatten (insbesondere das Weißbier war
ausgezeichnet!), uns seine Brauerei samt Lagerkeller in allen Details zu
zeigen. Interessant – na klar, wie immer, aber in diesem Fall auch dahingehend
überzeugend, dass wir uns einig waren, schon lange keine so blitzsaubere
Brauerei mehr gesehen zu haben.
Die nächste Station
legten wir bereits in Chemnitz ein – Karl’s
Brauhaus stand auf dem Plan. Ein wenig unattraktiv in einem schmucklosen
Betongebäude der 60er Jahre gelegen, innen aber urgemütlich. Eine uralt
wirkende Brauanlage, offensichtlich schon lange außer Betrieb. Dachten wir
jedenfalls – aber weit gefehlt! Unter der uralten Kupferhaube wird fleißig
gewerkelt und gesotten, und der Brauer machte stolz mit einer Leuchtreklame auf
seinen 1000. Sud vor wenigen Monaten aufmerksam. Leckeres Bier, preiswertes,
rustikal-leckeres Essen. Und eine schlechte Nachricht, die uns mit auf dem Weg
gegeben wurde: Die Carlsberg-Brauerei hat Karl’s
Brauhaus wegen der angeblichen Ähnlichkeit des Namens verklagt und den
Rechtsstreit gewonnen. Bis Ende des Jahres muss alles umbenannt werden. Ein
Beispiel, wie der mündige Konsument mal wieder von den großen Konzernen für
dumm verkauft wird. Nicht nur die Namen sind deutlich unterschiedlich – auch
die Bierqualität. Der Biertrinker muss erst noch geboren werden, der das
Industriebräu von Carlsberg mit den aromatischen Bieren aus Chemnitz
verwechselt… Schade!
Am frühen Abend
rollten wir dann bei bestem Wetter und ebenso guter Laune vor der Blauen Kugel in Cunewalde aus. Die Haus- und
Hobbybrauer Cunewalder Tal e.V. hatten alles bestens organisiert,
der Saal in der Blauen Kugel war perfekt vorbereitet und einladend eingedeckt,
und so erlebten wir bei leckerem örtlichem Bier (und natürlich auch schon dem
ersten Selbstgebrauten) und kräftiger Brotzeit eine nahrhafte, interessante und
reibungslos ablaufende Jahreshauptversammlung des VHD, bei der der Vorstand
problemlos entlastet werden konnte.
Die Sonne schien am
nächsten Morgen in die erwartungsgemäß etwas verquollenen Gesichter, und
während die Cunewalder ihren Trödel- und Hausbrauermarkt aufbauten, teilte sich
der Rest der Teilnehmer in drei Gruppen auf. Ein Teil fuhr mit zwei Bussen nach
Görlitz um hier die wunderschön renovierte Altstadt
zu erkunden und
dann auf der Landeskrone die nicht minder eindrucksvolle Landskronbrauerei zu besichtigen.
Eine weitere Gruppe
nutzte die Nähe zur sächsischen Landeshauptstadt Dresden und besichtigte das
Elbflorenz – wobei auch hier Bier und Kultur Hand in Hand gingen.
Die dritte Gruppe
schließlich, die Verkoster, besichtigten Cunewalde mit seinem Auto- und
Technikmuseum und der größten Dorfkirche Deutschlands, ließen sich ein leckeres
Schnitzel in der „Kleenen Schänke“ schmecken, um so
eine gute Grundlage für den Rest des Nachmittags zu haben, und machten sich
dann an die Verkostung von insgesamt 29 Dunkelweizen, Export und Porter. Es war
wie jedes Jahr wieder sehr schwierig. Bis auf ein oder zwei Ausreißer waren die
Biere von durchweg hoher Qualität, und die Ergebnisse sprachen für sich:
Zwischen den ersten Plätzen und den unglücklichen Nicht-Platzierten lagen nur
wenige Bewertungspunkte.
Nach der Verkostung
konnten wir noch die Gelegenheit nutzen, auf dem Trödel- und Hausbrauermarkt
das eine oder andere Schnäppchen zu machen und sowohl das Czorne-Biel-Bräu
der Cunewalder als auch das Mönchswalder Klosterbier aus dem Nachbarort zu
trinken.
Beim
Hausbrauerabend in der Blauen Kugel bogen sich die Tischplatten unter der Last
des herrlichen Kalt-Warmen-Büffets. Das Bier floss in Strömen, die Stimmung war
prima, und die Siegerehrung geriet zu einer fröhlichen Party. Den Siegern in
den drei Kategorien einen herzlichen Glückwunsch, und auch allen anderen vielen
Dank für’s Mitmachen.
Nach so viel Feiern
folgte am Sonntagvormittag noch etwas für die Bildung. Fachvorträge zu den
Themen „Geschichte der Braukunst“, „Erfahrungen mit zylindrokonischen
Gärtanks“, „Geschichte der Brauereien in Dresden und Ostsachsen“ und
„Brauereisterben in Ostdeutschland nach der Wende“ weiteten unseren Horizont,
und wir konnten mal wieder mit Fug und Recht behaupten, dass neben Brauen,
Essen und Trinken die Weiterbildung auf den Haus- und Hobbybrauertagen nicht zu
kurz kommt.
Nun folgte ein
rascher, aber doch etwas wehmütiger Abschied. Schließlich lagen noch einige
hundert Kilometer vor uns – die erneut mit Brauereibesuchen unterbrochen und
aufgelockert werden sollten.
Im Erfurter Waldkasino
genossen wir die
warme Spätsommersonne im Biergarten mit Blick über Erfurt bei rustikalem Essen,
ordentlichem Hausbräu und riesengroßen Eisbechern, und eine letzte
Erfrischungspause legten wir ein im Brauhaus Obermühle
in Braunfels, wo
nach Schließung der kommerziellen Brauerei im Nachbargebäude eine kleine, aber
urige Brauereigaststätte aufgemacht hat, die mit flotten Sprüchen und netter
Einrichtung auf sich und auf das hier gebraute Schlawinerbier aufmerksam macht.
An dieser Stelle
sei den Cunewalder Brauern von ganzem Herzen gedankt – Ihr habt uns Haus- und
Hobbybrauertage mit Herz und Seele organisiert. Ich kann mir nicht vorstellen,
dass auch nur einer dabei war, der sich in dieser warmen und freundlichen
Atmosphäre nicht von Freitag Nachmittag bis Sonntag
Mittag wohl und rundum versorgt gefühlt hat! Super gemacht, liebe
Freunde aus dem „fernen Osten“ – die weite Anreise hat sich gelohnt!
Für die Hausbrauer
Nassauer Land:
Volker
R. Quante (cbo@brunnenbraeu.de
– http://www.brunnenbraeu.de)
Auszug aus dem Schalander Nr. 4 – Dezember 2007
Soweit also der Bericht aus dem
Schalander. Und unten geht es zu den Fotos, die ich während dieser Reise
gemacht habe.
Damit aber noch nicht genug, denn
die Haus- und Hobbybrauertage in Cunewalde erregten
auch bei den Presseagenturen ein gewisses Echo. Hier ein Bericht vom ddp vom 13. September 2007:
Kühles Blondes
trifft cremiges Dunkles
Cunewalde (ddp-lsc).
Viel Zubehör wird eigentlich nicht benötigt. Zwei Einkochkessel, der eine oder
andere Topf und eine Windel seien erforderlich, um die Geheimnisse des Bieres
zu ergründen, sagt der Vorsitzende der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in
Deutschland (VHD), Dieter Birk. Ein Kühlschrank wäre auch nicht schlecht - zum
Lagern des Frischgebrauten. «Und mit ein bisschen
Geduld kann jeder seinen eigenen Gerstensaft kreieren», fügt Birk hinzu. Am
Wochenende treffen sich die Vereinsmitglieder zu den 12. Brautagen in Cunewalde im Landkreis Bautzen.
Im Gepäck haben die
120 Teilnehmer des bundesweit größten Treffens dieser Art ihre selbstgebrauten
Biere. «Es können drei Sorten - Export, Porter und Weizenbier - eingereicht werden»,
sagt Birk. Eine Jury wird die rund 50 Hopfen-Malz-Mischungen verkosten und
bewerten. Gute Chancen bei diesem Wettstreit um die besten kühlen Blonden und
cremigen Dunklen rechnen sich die Ausrichter des Treffens aus, der Verein der
Haus- und Hobbybrauer Cunewalder Tal.
«Wir feiern in
diesem Jahr unser zehnjähriges Bestehen und wollten unsere Braufreunde einmal
in unsere Region einladen», sagt der Vereinsvorsitzende Mathias Pech. Die
Ostsachsen nahmen vor knapp fünf Jahren erstmals Kontakt mit dem Hobbybrauer-Verband
auf. Damals seien sie die ersten Interessierten aus dem Osten Deutschlands
gewesen, sagt Pech. Und daran habe sich noch nicht viel verändert. «Die meisten
Mitglieder kommen aus Franken und Norddeutschland, einige wenige aus Thüringen.
Relativ schwach vertreten sich dagegen das Ruhrgebiet und der Osten», sagt der
VHD-Vorsitzende Birk.
Der Chef der Cunewalder Hobbybrauer verweist darauf, dass der
Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Sachsen höher ist als in Bayern. "Hier gibt
es rund 50, dort über 600 Brauereien», sagt Pech. Ihr Entschluss, eigene
Gerstensäfte zu produzieren, entstand am Stammtisch, als sie feststellten, dass
immer weniger regionale Biere angeboten werden. «Gerade dieses Getränk hat doch
Heimat», sagt der zweite Vorsitzender der Cunewalder
Hobbybrauer, Burkhard Weiß.
In der Zwischenzeit
haben die 24 braufreudigen Sachsen, zu denen ein Diplombraumeister zählt, schon
so manchen Sud angesetzt. Allerdings schmeckte bislang kein Bier wie das andere
- mit einer Ausnahme. Gemeinsam mit einer Brauerei in Löbau
entwickelten sie nach eigener Rezeptur ihre Marke: das «Czorne-Biel-Bräu».
Dieses Bier gibt es bei den meisten Getränkehändlern in Cunewalde,
und es wird nach Einschätzung der Vereinsmitglieder gern getrunken.
Selbstverständlich
geht es den Vereinsmitgliedern auch um Genuss. «Aber eben nicht nur. Eigentlich
sind wir wie ein Modelleisenbahnclub - wir basteln immer an unserer
Brauereianlage und würden uns nie etwas Fertiges kaufen», sagt Pech und freut
sich schon auf die Zeit nach dem großen Treffen. Dann beginnen die Hobbybrauer
nämlich in ihrem Vereinshaus mit dem Bau einer größeren Apparatur.
«Wir wollen der
Bevölkerung die Kunst des Bierbrauens nahe bringen. Unsere Treffen dienen
außerdem dazu, dass sich die Mitglieder aus allen Regionen einmal persönlich
austauschen können», sagt der Birk. Der VHD hat knapp 500 Mitglieder. Einen
typischen Hobbybrauer gebe es aber nicht, sagt Birk. Zu den Aktivisten gehören
Schüler genauso wie Rentner, Ärzte oder Arbeiter. Sie alle führe eine Gemeinsamkeit
zusammen, sagt Birk: «Alle sind es leid, ein Massenprodukt aus dem Supermarkt
zu trinken.»
Die Haus- und Hobbybrauertage im
Frankenland
oder
Petrus hatte ein Einsehen
Mit großem Aufwand hatte der
Verein zur Förderung der Fränkischen Braukultur e.V. (VFFB), allen voran die
Hausbrauer vom Vierbräu und aus Junkersdorf, in diesem Jahr die Haus- und
Hobbybrauertage (HHBT) vorbereitet, und dann drohte die Wettervorhersage mit
Dauerregen in Franken…
Das ganze Dorf Langensendelbach schien trotzdem am 3. Oktober 2008 fest in
der Hand von Hausbrauern zu sein, als wir aus dem Westerwald anreisten. Im
Gasthof Zametzer standen buchstäblich Heerscharen vor
dem Meldekopf, an der Theke und im Schankraum; gegenüber auf dem Parkplatz und
in den Garagen des Gasthofs fand der Hausbrauermarkt statt; und wenige Meter
weiter in einer Scheune war die Vereinigung des Haus- und Hobbybrauer in
Deutschland e.V., die VHD, präsent. Vor der Scheune dichte Rauchschwaden vom Fasspichen,
und überall eine fröhliche, wuselige Stimmung.
Doch gemach, bringen wir ein
wenig Struktur in die Berichterstattung:
Bereits am Vortag, dem 2.
Oktober, waren die ersten Hausbrauer aus ganz Deutschland angereist und hatten
sich im Ort im Gasthof Zametzer einquartiert. Nach
ein paar ersten interessanten Gesprächen (und leckeren Bieren) traf man sich am
nächsten Morgen zu einer Brauereiwanderung in Aufseß.
Es war zwar frisch, aber trocken und größtenteils sonnig, so dass sich
wesentlich mehr als die ursprünglich geplanten 25 Wanderer einfanden. Ich
selber war nicht dabei, aber die, die mitgelaufen waren, waren hochzufrieden –
einige sogar so sehr, dass sie in der letzten Station, dem Rother Bräu, noch
ein wenig hängen blieben und beinahe versackt wären.
In Langensendelbach
begann derweil gegen Mittag des 3. Oktober der Hausbrauermarkt, und
gleichzeitig kamen aus allen Himmelsrichtungen die noch fehlenden Teilnehmer
an. Wie jedes Jahr war die Mälzerei Weyermann mit ihrem Löschzug angereist,
schenkte leckeres Bier aus und verkaufte alle nur denkbaren Sorten Spezialmalz.
In den Garagen nebenan wurden Brauanlagen und sonstiges Zubehör präsentiert –
die Brau-Eule, der Speidel-Braumeister und die Wengert-Mini waren nur einige
der Anlagen, die hier zu sehen waren. Die Hausbrauer Nassauer Land
präsentierten ihre Braugruppe mit Fotoalben und Faltblättern, Braupartner Klaus
Kling hatte seinen Stand aufgebaut, der Bierbuch-Fachverlag Hans Carl war
präsent, und zahlreiche weitere, kleinere und größere Stände zogen die
Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.
Da dieses Gelände viel zu klein
für alle war, hatte ein weiterer Teil von uns nur hundert Meter weiter in einer
alten Scheune Platz gefunden. Hier stand der offizielle Stand der VHD, Kurt
Maria Adler vom Junkersdorfer Kommunbrauhaus schenkte
Bier vom VHD-Sud aus, das wir Nassauer zusammen mit den Junkersdorfern
vor fünf Wochen gebraut hatten, Egon Meister aus Thüringen zeigte, wie Fässer
gepicht werden – und spätestens jetzt wurde klar, dass für jeden irgend etwas
Interessantes dabei war.
Gegen 17:00 Uhr begann im Gasthof
Zametzer, parallel zum weiter laufenden
Hausbrauermarkt, das Verkosterseminar, und nachdem wir uns hier intensiv in den
Biersorten hatten schulen lassen, die am Sonnabend verkostet werden sollten,
gab es auch schon eine deftige Brotzeit. Eine ordentliche Grundlage für die
dann folgende Jahreshauptversammlung.
Die üblichen Berichterstattungen
über die Kassenlage, die Medienpolitik des Vereins, die weiteren geplanten
Haus- und Hobbybrauertage in den kommenden Jahren – rasch und unaufgeregt
wurden die Programmpunkte abgearbeitet. Anschließend konnten wir noch lange
gemütlich beieinander sitzen – aber angesichts des umfangreichen
Verkostungsprogramms morgen zogen es die meisten doch vor, rechtzeitig zu Bett
zu gehen.
Der zweite Tag, der Sonnabend,
sah traditionsgemäß ein schönes Ausflugsprogramm vor. Während also die Masse
der Teilnehmer der HHBT mit Reisebussen in Richtung Erlangen aufbrach, hatten
die Verkoster vor ihrem Ausflug noch ihre Pflicht zu erfüllen. Erstmals gab es
in diesem Jahr eine Vorverkostung, an der nicht nur die „üblichen Verdächtigen“
teilgenommen haben, also die, die eigentlich jedes Jahr beim Verkosten dabei
sind, sondern auch alle, die überhaupt ein Bier eingereicht haben. Auch wenn
sie noch über keinerlei Erfahrung mit dem Verkosten verfügten. Ich selber saß
in der Gruppe für Weizenbock und erfreute mich an ein paar wirklich
interessanten Bieren, aber auch von den Nachbartischen, die Helles und
Fränkisches Kellerbier verkosteten, hörte man viel Positives.
Mit anderthalb Stunden
„Verspätung“ brachen nun auch wir Verkoster zu unserer Bustour auf. Zunächst
ging es zur Mälzerei „Klostermalz Wirth GmbH“ in Frauenaurach,
wo wir mit viel Liebe zum Detail und mitreißender Begeisterung in die
Geheimnisse des Mälzens eingeweiht wurden und anschließend bei Brezeln und
einem Fass Festbier von der Vierbräu ausführlich fachsimpeln konnten.
Die nächste Station war dann die
Steinbach Bräu in Erlangen, ein kleiner Betrieb, der in seiner Frühgeschichte
als Mälzerei mit Brauerei betrieben worden war, dann aus
betriebswirtschaftlichen Gründen Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Brauerei
verzichtete, im Jahr 1995 nach vielen Jahrzehnten als „Nur-Mälzerei“ aber doch
wieder begann, das eigene Malz zu wesentlichen Teilen selbst zu verbrauen. Die
jetzige, seit 13 Jahren bestehende Gasthausbrauerei mit 20-hl-Sudwerk braut
ganzjährig ein Helles, das so genannte „Storchenbier“, und daneben in stetem
Wechsel immer ein anderes Sonderbier – heute konnten wir das aus Whiskymalz
gebraute und leicht rauchige „Scotty“ verkosten und hatten die einmalige
Chance, vom jungen Weizenbock, der erst in drei Wochen in den Verkauf kommen
soll, eine winzige Probe aus dem Lagertank zu zwickeln.
Obwohl wir mit einer wirklich großen
Gruppe hier eingefallen waren, klappte die Bewirtung mit den leckeren Bieren
und dem genauso guten Essen absolut hervorragend, und der Juniorchef der
Brauerei ließ es sich nicht nehmen, uns auch noch durch das Brauereimuseum zu
führen. Ein toller Programmpunkt, aber leider mahnte uns der Terminkalender zum
Aufbruch – schließlich stand ja noch der zweite Teil der Verkostung auf dem
Programm.
Erneut setzten wir uns zur
Verkostung zusammen, und im Unterschied zu heute morgen, wo jedes Bier intensiv
diskutiert wurde, kam es nun darauf an, individuell und konzentriert die
verschiedenen eingereichten Proben zu bewerten. Schweigen erfüllte den Raum.
Diesmal in die Gruppe „Fränkisches Kellerbier“ eingeteilt, konnte ich
feststellen, dass es doch einen breiten Ermessens- und Interpretationsspielraum
für diese Biersorte gibt – es war interessant, zu sehen, zu riechen und zu
schmecken, was es alles für hausgebraute Kellerbiere gibt.
Nach der Verkostung war Pause
angesagt – und sie war auch dringend nötig, bevor um halb acht der
Hausbrauerabend begann. Ein gewaltiges kalt-warmes Büffet war vom Gasthof Zametzer aufgebaut worden, dazu floss Selbstgebrautes in
Strömen. Die Siegerehrung der Verkostung geriet denn auch zu einer
feucht-fröhlichen Feier, und schön war es, zu sehen, wie alte VHD-Hasen wie
Thomas Lill sich genauso wie gerade erst in den Verein eingetretene
Neumitglieder wie Rolf Benkel über den Sieg in ihrer
Kategorie freuen konnten.
Bis spät in den Abend hinein
dauerte die Feier, aber trotzdem waren am Sonntag morgen alle wieder fit, als
uns in einer Reihe interessanter Vorträge die fränkische Braukultur näher
gebracht wurde. Die Geschichte des Kommunbrauwesens
in Franken und Thüringen, die Entwicklung des Brauwesens in Erlangen sowie die
Erfahrungen mit dem Kauf und der Renovierung des fast verfallenen
Kommunbrauhauses in Junkersdorf waren die Hauptthemen, und bei schönen
Bilderserien, lebendigen Schilderungen und lebhaften Diskussionen verging die
Zeit wie im Flug.
12:00 Uhr mittags, und das Ende
der Haus- und Hobbybrauertage 2008 wurde eingeläutet. Petrus hatte doch ein
Einsehen gehabt und auf die Wettervorhersage gepfiffen. Abgesehen von einem
winzig kleinen Schauer war das Wetter hervorragend gewesen, und so war das
Fazit einfach:
Es war mal wieder eine tolle
Veranstaltung, hervorragend organisiert vom VFFB, mit einem interessanten und
nahrhaften Programm. Und es war wohl niemand heute Mittag dabei, der sich nicht
schon auf die nächsten HHBT freute – also: Auf Wiedersehen 2009 in Bamberg!
Viel Rauch um nichts?
Die Haus- und Hobbybrauertage
2009:
Zu Gast im Rauchbier-Mekka
Bamberg
Über 200 Haus- und Hobbybrauer
fanden im späten September 2009 den Weg nach Bamberg zu den diesjährigen Haus‑
und Hobbybrauertagen und setzten damit eine Rekordmarke, was die Teilnehmerzahl
anbelangt. Herrlichstes Spätsommerwetter, die Bamberger Klosterbrauerei als
Veranstaltungsort und die Unterstützung durch die Mälzerei Weyermann haben
sicherlich dazu beigetragen, dass diese Teilnehmerzahl erreicht wurde, aber ich
wage zu behaupten, dass es die Stadt Bamberg selbst war, die Bierhauptstadt
Frankens und das Rauchbier-Mekka schlechthin, die uns in Scharen hierher
gelockt hat. Und es gab, glaube ich, niemanden, der die teilweise weite Anreise
bereut hat.
Der „Check-In“ (letztes Jahr hieß
es noch „Anmeldung“, aber auch die VHD geht mit der Zeit und wird modern…) im
großen Saal der Klosterbräu, der ältesten noch betriebenen Brauerei Bambergs,
ging mit gewohnter Routine vonstatten. Die eingereichten Biere wurden mit einer
Kennnummer versehen, der Teilnehmerausweis ausgehändigt und eine individuell
angepasste Tourbeschreibung ausgedruckt: Während auf die Verkoster ein eher
arbeitsreicher Sonnabend warten sollte, durften sich die anderen Teilnehmer auf
ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm freuen.
Für heute stand aber zunächst
eine Führung durch die Klosterbräu an. In kleinen Gruppen wurde
uns in etwa 30 Minuten das nagelneue Sudwerk und der nicht minder neue
Lagerkeller gezeigt. Die beiden jungen Herrn, die die Führung um 16:30 Uhr
übernommen hatten, waren beide keine ausgebildeten Brauer, und obwohl sie sich
viel Mühe gaben und mit viel Begeisterung bei der Sache waren, kamen sie bei
den spitzfindigen Fragen der Hausbrauer gelegentlich ein bisschen ins
Schwimmen. Das tat unserer Begeisterung aber keinen Abbruch, und um ehrlich zu
sein, waren die allerletzten Details des angewandten CIP-Verfahrens dann auch
nicht mehr wirklich wichtig. Viel wichtiger hingegen war die Möglichkeit, das
Pils direkt aus dem Lagertank zu zwickeln und zu verkosten – was wir auch
ausgiebig taten!
Ein letzter Blick über den
idyllischen Biergarten direkt oberhalb der Regnitz, und dann hieß es für die
Verkoster und Biereinreicher, sich zum Verkostungsseminar zu versammeln:
Fränkisches Braunbier, Helles Bockbier und Bamberger Rauchbier waren im Vorfeld
als Kategorien für den Hausbrauwettbewerb vorgegeben worden, und genau diese
drei Sorten wollte uns der Vorsitzende des Vereins, Dieter Birk, anhand
kommerzieller Beispiele vorstellen, uns die Charakteristika erläutern und so
eine einheitliche Verkostung am nächsten Tage sicherstellen – eine
Kalibrierung, gewissermaßen, wie einige von uns scherzhaft behaupteten.
Leider aber eine Kalibrierung mit
Hindernissen, denn obwohl Dieter sich wirklich alle Mühe gab, die Geruchs- und
Geschmackscharakteristika der drei Kategorien zu erläutern, und obwohl er mit
einer Engelsgeduld auf die Rezens, die Vollmundigkeit, die Bittere, den
Gesamteindruck und auf Farbe und Schaum einging, war es von Anfang an zum
Scheitern verurteilt, da die gekauften Biere gerade nicht als Vorbild für die
jeweilige Kategorie gelten konnten: Der Kulmbacher Mönchshof Bock war
bernsteinfarben statt hell und viel zu karamellig; das Weiherer
Rauchbier war nur ganz schwach rauchig und ließ es an Vollmundigkeit vermissen,
und das Klosterbräu Braunbier war zu hell und obendrein untergärig statt
obergärig.
Dieter mühte sich redlich, den
aufkommenden Unmut zu bekämpfen, und nach etwas emotionalem Austausch von
Argumenten beruhigten sich die Gemüter wieder – schließlich sind wir hier, um
ein fröhliches, gemeinsames Wochenende zu verbringen, und nicht, um uns um
Dinge zu streiten, die nicht mehr geändert werden können. Dieter versprach
Besserung für‘s nächste Jahr, und in friedlicher
Harmonie ließen wir uns die drei Biersorten nun dennoch munden.
An das Verkostungsseminar schloss
sich zunächst ein Imbiss für alle Teilnehmer der Haus‑ und
Hobbybrauertage an – die Firma Weyermann hatte es sich nicht nehmen lassen, uns
einzuladen. Schade, dass die Organisation in der Klosterbräu von der schieren
Anzahl der Kostgänger ein wenig überfordert war – und so begann die
Jahreshauptversammlung der VHD mit einer halben Stunde Verspätung. Gesättigt,
und den ersten Durst gestillt, saß der Verein und harrte der großen Dinge, die
da kommen sollten – hatte Dieter Birk im Vorfeld doch schon klar gemacht, dass
er als Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung stünde. Neuwahlen waren also
erforderlich.
Für die Details der
Jahreshauptversammlung verweist der Chronist auf das Protokoll, das allen
Vereinsmitgliedern zugesandt wird, und hält an dieser Stelle lediglich fest,
dass der neue erste Vorsitzende nun Markus Metzger heißt – ein alter Bekannter,
der vor Jahren bereits den Posten des Stellvertretenden Vorsitzenden innehatte.
Bei Klosterbräu und interessanten
Gesprächen klang die Jahreshauptversammlung aus, und die Mehrheit der
Teilnehmer verschwand recht früh im Bett, um Kraft für den morgigen Tag zu
tanken.
Bamberg weckte uns am 26.
September 2009 mit einem strahlend blauen Himmel. In der Innenstadt feilschten
die Frühaufsteher auf dem Wochenmarkt, an Main und Regnitz herrschte schon
Geschäftigkeit, und aus allen Himmelsrichtungen liefen die Hausbrauer zur
Klosterbräu.
Für die verschiedenen Gruppen
wurde ein jeweils unterschiedliches Programm angeboten – ein Teil begann gleich
um neun Uhr früh mit einer kurzweiligen Stadtbesichtigung, während der in etwa
zwei Stunden Geschichte und Geschichten von Bamberg in fröhlicher und
abwechslungsreicher Form dargeboten wurden. Insbesondere die Damen der Gruppe
staunten und schauten ein wenig neidisch, als sie hörten, dass König Heinrich
II. seinerzeit die Stadt Bamberg seiner Frau Kunigunde kurzerhand zum Geschenk
gemacht hatte.
Die Biereinreicher hingegen
trafen sich zur Vorverkostung, um in moderierter Form in drei Panels aus den
eingereichten Bieren schon einmal diejenigen auszusortieren, die deutliche
Geschmacksfehler aufwiesen. Eine fleißige, aber interessante Arbeit, die den
frühen Vormittag im Nu verfliegen ließ, uns aber auch deutlich machte, dass
fünf Biersorten am frühen Morgen schon eine interessante Wirkung entfalten
können, selbst wenn es nur fast homöopathische Mengen waren, die getrunken
wurden.
Der spätere Vormittag sah
zahlreiche Besuchergruppen bei der Betriebsbesichtigung der Weyermann Mälzerei.
Bis ins letzte Detail wurde uns der Prozess des Mälzens zunächst an einer
Schautafel erklärt, dann aber auch in der Mälzerei gezeigt. Ein hervorragender
Einblick in die aufwändigen Verfahren, die für einen wirtschaftlichen Betrieb
ein hohes Maß an Koordination und präziser Betriebsführung erfordern. Auch das
neue Logistikzentrum mit automatischer Palettierung der Malzsäcke beeindruckte
uns sehr. Abgerundet wurde die Betriebsbesichtigung durch einen kurzen Blick in
die Verwaltung und das Labor, und danach konnten wir uns noch die
Versuchsbrauerei anschauen und drei der bei Weyermanns gebrauten Biere am Durstlöschzug
verkosten: Das Weyzen, das Schlotfegerla
und das Barley Wine –
letzteres mit über neun Prozent Alkohol. Die Firmenchefin Sabine Weyermann ließ
es sich nicht nehmen, mit uns am Durstlöschzug zu stehen und zu fachsimpeln,
und als wir das Firmengelände – teilweise mit frisch erworbenen Malzsäcken
beladen – wieder verließen, waren wir beeindruckt von einem sich hervorragend
präsentierenden Mittelstandsbetrieb.
Während im Schichtbetrieb nun
andere die Führung durch die Altstadt oder die Mälzerei antraten, trafen sich
die Verkoster am frühen Nachmittag erneut im Klosterbräu und begannen mit der
Hauptverkostung. Jeweils etwa zehn Bock‑, Braun‑ und Rauchbiere
wurden konzentriert verkostet und in eine klare Rangfolge gebracht. Wieder sehr
spannend und faszinierend, aber auch anstrengend.
Parallel dazu (und zum Glück für
die Verkoster auch noch bis in den frühen Abend hinein) fand ein Stockwerk
höher der Hausbrauermarkt statt, auf dem verschiedene Anbieter ihre
Brauprodukte, Sudanlagen, Bücher und sonstiges Zubehör feilboten, auf dem aber
auch die Schwalenberger Brauzunft ihre Brauerei und
ihre Region vorstellte – sollen doch dort im August 2010 die nächsten Haus‑
und Hobbybrauertage stattfinden. So, wie dort die Werbetrommel gerührt wurde,
freuten sich viele schon auf das nächste Treffen – und dabei war das
diesjährige doch noch in vollem Gang…
Ein Teil der Hobbybrauer fühlte
sich von diesem Programm immer noch nicht ausgelastet genug, und so fand sich
eine illustre Schar noch am Ufer der Regnitz im Stadtteil „Klein-Venedig“ ein.
Bei Life-Musik und Tanz wurde hier ausgelassen gefeiert und getrunken, und so
eine hervorragende Grundlage für den Hausbrauerabend ab 20:00 Uhr geschaffen.
Vorglühen, nennt man das heutzutage wohl…
Beim Hausbrauerabend bogen sich die
Tische nur so unter den Spezialitäten des kalten und warmen Büffets, und
nachdem wir uns bei Haxen, Braten und reichlich Bier eine gute Grundlage
geschaffen hatten, schritt Dieter Birk zur Siegerehrung. Auch dieses Jahr
wieder war die Konkurrenz in den verschiedenen Kategorien erheblich gewesen,
und so können die Sieger stolz auf ihre Leistung und ihr hervorragendes Bier
sein. Mit dem obligatorischen Braupaddel und einem Sack Malz wurden sie
belohnt, und mit einem flüssigen Dank an die Verkoster in Form von zwei Litern
Hausbräu in Original-VHD-Flaschen ging dann der offizielle Teil des
Hausbrauerabends zu Ende.
Das ist der Moment, in dem die
Hausbrauer wieder zu Hochform auflaufen und ihre Produkte nun außer Konkurrenz
in Fässern und Flaschen anbieten… Es wurde noch ein feuchtfröhlicher Abend, bei
dem auch weit exotischere Sude, als es die drei Kategorien im Wettbewerb
zugelassen hatten, verkostet werden konnten.
Wie üblich klangen die Haus‑
und Hobbybrauertage dieses Jahr wieder mit einem theoretischen Teil aus. Am Sonntagvormittag
um zehn Uhr, also in gefühlter Herrgottsfrühe nach dem feuchtfröhlichen Abend
gestern, hielten Andreas Richter und Ulrich Ferstl
von der Weyermann Mälzerei zwei interessante und unterhaltsame Vorträge.
Andreas erläuterte uns zunächst die Feinheiten des Mälzens und stellte uns dann
eine Reihe von Spezialmalzen nebst Braurezepten zu deren Anwendung vor – eine
Reihe von interessanten Anregungen und sicherlich ein Quell der Inspiration für
die Anwesenden. Ulrich konzentrierte sich in seinem zweiten Vortrag auf eine
knappe Handvoll internationaler Bierspezialitäten, und zwar das Imperial Pale
Ale, den Barley Wine, das
Baltic Porter und das Pumpkin Ale. Zu jeder dieser
Biersorten gab es einen kurzen Abriss der Historie, Tipps zum Brauen und ein
detailliertes Rezept.
Solchermaßen theoretisch gerüstet
für ein weiteres Jahr des Hausbrauens trollten wir uns wieder Richtung Heimat,
natürlich nicht, ohne uns gegenseitig wieder zu versichern, dass es nächstes
Jahr ein Wiedersehen auf den Haus‑ und Hobbybrauertagen geben werde.
Also, in diesem Sinne: Bis zum August 2010 in Schwalenberg,
und für dieses Jahr vielen Dank für die Organisation, die Unterstützung und die
Spenden an alle Mitwirkenden, von der VHD über die Weyermann-Mälzerei, die Kloster
Bräu, die Bamberg Touristik und all die vielen anderen Helfer und Sponsoren.
Lebt wohl, und bis dann, wünscht
der Chronist.
Die Haus- und Hobbybrauertage in Schwalenberg
In Ostwestfalen, genauer gesagt,
in Schieder-Schwalenberg, und noch genauer, im
Ortsteil Schwalenberg fanden vom 27. bis zum 29.
August 2010 die Haus- und Hobbybrauertage 2010 statt.
Ein kleiner Blick zurück in die
Geschichte: Im Jahr 2004 begann eine kleine Gruppe Schwalenberger
mit der wahrhaft herkulischen Aufgabe, ein kleines, altes und recht
ungepflegtes, aber unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in der Nähe des Schwalenberger Friedhofs zu renovieren und als Brauhaus
herzurichten. Das Brauen hatte viele Jahrhunderte Tradition in Schwalenberg gehabt, war aber Anfang des letzten
Jahrhunderts gewissermaßen ausgestorben. Die Schwalenberger
Brauzunft, so nannte sich der frisch gegründete Verein, hatte sich vorgenommen,
diese Tradition wieder zu beleben und in dem kleinen Brauhaus tatsächlich
wieder Bier zu brauen.
Ein paar Jahre harte Arbeit sind
seitdem ins Land gegangen, und das Brauhaus steht mittlerweile prächtig da.
Regelmäßig finden Brautage statt, und die Schwalenberger Brauzunft hat es zu regionaler Bekanntheit,
gar Berühmtheit gebracht.
Was lag also näher, als die Haus-
und Hobbybrauertage auch einmal hier zu veranstalten?
Bereits ein ganzes Jahr vorher
verteilten die Brauer aus Schwalenberg ein kleines
Heftchen mit einem ausführlichen Programm, und es wurde deutlich, dass hier
eine hervorragende Organisation zu arbeiten begonnen hatte. Nicht nur die
Brauzunft, sondern der ganze Ort stand hinter der Idee, und neben den
Standardveranstaltungen der Haus- und Hobbybrauertage, also der
Jahreshauptversammlung und dem Hausbrauwettbewerb, stand eine Reihe weiterer
Aktivitäten auf dem Programm. Bis hin zu einem bunten Markttreiben in der
Altstadt war an alles gedacht, und aufgrund regionaler Verbundenheit war es der
Brauzunft sogar gelungen, den ehemaligen Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier als Schirmherrn zu gewinnen.
Was leider auch bei perfekter
Planung immer dem Zufall überlassen bleibt, das ist das Wetter. Strömender
Regen begleitete die Anreise der Teilnehmer aus ganz Deutschland, und unweit Schwalenbergs war es sogar zu Überschwemmungen gekommen.
Der guten Laune der Haus- und Hobbybrauer tat dies zwar keinen Abbruch, aber
die Teilhabe der regionalen Bevölkerung am bunten Markttreiben litt unter den
Regengüssen doch ein wenig.
Im wunderbar renovierten und
eindrucksvoll gestalteten historischen Saal des Rathauses hatten die Schwalenberger die Anmeldung eingerichtet. Professionell
und zügig bekamen wir unsere Unterlagen und konnten uns dann rasch in das
Getümmel auf dem Markt stürzen. Der Vorsitzende der Vereinigung der Haus- und
Hobbybrauer, Markus Metzger, der Bürgermeister Schwalenbergs
und der Nachtwächter der Stadt wanderten in vollem Ornat über den Markt, um ihn
feierlich zu eröffnen, und im Nu füllte sich trotz des Regens die Stadt mit
Leben.
Neben selbstgebrautem Bier der Schwalenberger, abgefüllt durch Schorsch Lechner mit seinem
historischen Flaschenfüller, gab es weitere Biersorten, Kaffee und Kuchen,
zahlreiche handwerkliche Produkte, Leckereien, Antiquitäten und – natürlich –
auch Brauzubehör und Bierliteratur. Diejenigen, die mit Regenjacke und Schirm
bewaffnet über den Markt streiften, bekamen wirklich viel geboten.
Für die stärker an der
Vereinsarbeit interessierten Besucher begann im historischen Rathaussaal das
Verkostungsseminar, bei dem der ehemalige VHD-Vorsitzende Dieter Birk in
gewohnt routinierter Weise die Teilnehmer in die geschmacklichen Finessen der
in diesem Jahr antretenden Bierstile einwies: Dunkles, westfälisches Landbier,
dunkles Bockbier und Imperial Pale Ale.
Am frühen Abend dann trafen sich
alle vor den Toren der Altstadt in der Schützenhalle. Nach einer kurzen
Ansprache wurde zunächst das Büffet gestürmt und sich gestärkt, und danach
begann die offizielle Jahreshauptversammlung. Die sonst übliche gemächliche
Routine wurde dieses Jahr durch eine hitzige Diskussion über eine geplante
Satzungsänderung gestört, und nachdem die Positionen nicht auf die Schnelle
unter einen Hut gebracht werden konnten, wurde salomonisch beschlossen, die
Entscheidung über die Satzungsänderung auf nächstes Jahr zu vertagen und durch
intensive Informationsarbeit und Diskussion im Internet und der
Vereinszeitschrift die dann hoffentlich mögliche Entscheidung sorgfältiger
vorzubereiten.
Die Gemüter kühlten sich nach dem
offiziellen Ende der Jahreshauptversammlung rasch wieder ab, und in der
Schützenhalle wurde dann bei flotter Musik und Kunststückchen, vorgeführt von
einem eigens engagierten Zauberer, bis weit in die Morgenstunden hinein
gefeiert.
Am Sonnabend früh begann im
historischen Rathaussaal die Vorverkostung der eingereichten hausgebrauten
Biere, und im Anschluss begannen die Bustouren nach Lemgo und in den
Teutoburger Wald.
Die erste Station der Lemgoer
Bustour war die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Was das mit Bier und Brauen zu
tun hat? Eine ganze Menge: In der Fakultät Lebensmitteltechnologie oder –
moderner – Life Science Technologies gibt es im Technikum im Keller des
Hochschulgebäudes eine kleine, aber feine Lehr- und Versuchsbrauerei, in der
die Studenten fleißig vor sich hin brauen dürfen. Eine ausführliche Führung gab
es hier für uns, und neben der Brauerei konnten wir auch die sonstigen Elemente
des Technikums detailliert besichtigen – insbesondere
auch eine kleine Destille.
Es war Ehrensache, dass wir die
hier produzierten Delikatessen auch verkosten durften, und besonders das
Campus-Bier aus der Versuchsbrauerei, gezapft direkt aus dem Lagertank,
schmeckte uns ganz ausgezeichnet!
Die nächste Station unseres Ausflugs
war das Schloss in Brake. Auf den Spuren der ehemals in diesen Gemäuern
vorhandenen Brauerei wanderten wir unter fachkundiger Führung durch die Räume
und weitläufigen Keller. Plastisch und anschaulich wurde uns das Leben der
Schlossherren und ihres Gefolges geschildert, und die eine Stunde, die für die
Besichtigung vorgesehen war, verging wie im Fluge.
Die nächste und letzte Station
war schließlich die Gasthausbrauerei Röhr in Sonneborn.
Ein modernes Gebäude, extra für diese Gasthausbrauerei gebaut, beherbergt eine
schöne kupferne Sudanlage, und der helle Gastraum ist mit warmen Herbstfarben
kontrastierend zu den metallischen und blauen Elementen der Architektur
geschmückt. Hier konnten wir das vor Ort gebraute Helle und Dunkle Pils
probieren und uns mit dem vorbereiteten Büffet stärken.
Leider mussten wir, gerade als
Herr Röhr uns die Brauerei im Detail erläutern wollte, schon wieder weiter,
denn um fünfzehn Uhr begann – wieder im historischen Rathaussaal in Schwalenberg – die Endrunde der Verkostung. In
konzentrierter Arbeit wurden die eingereichten Biere in den drei Kategorien
dunkles, westfälisches Landbier, dunkles Bockbier und Imperial Pale Ale
verkostet und detailliert bewertet, während die Nicht-Verkoster sich draußen
auf dem Marktplatz der Völlerei hingeben konnten.
Leider hatte auch heute
Nachmittag der Wettergott kein Einsehen. War es während der Bustour nach Lemgo
und Umgebung noch angenehm trocken gewesen, entluden sich dicke, graue
Regenwolken am Nachmittag über dem Schwalenberger
Marktplatz ihrer nassen Fracht. Nur mit Schirm und dicker Regenjacke
ausgerüstet konnten die Besucher den Marktständen wirklich etwas abgewinnen.
Schade, denn den vielen begeisterten Standbesitzern wäre es wirklich vergönnt
gewesen, etwas mehr Umsatz machen zu können.
Insofern sammelten sich die
meisten Teilnehmer der Haus- und Hobbybrauertage denn auch schon etwas verfrüht
in der Schützenhalle zum Hausbrauerabend. Keine Abweichungen zum Ritual
sonstiger Jahre gab es zu vermelden. Nach einer Rede des Landrates wurde das
Büffet eröffnet, und nachdem der erste Hunger gestillt war, fand die
Siegerehrung des Hausbrauwettbewerbs statt. Schöne Urkunden, urige
Lederschürzen mit dem Logo des Vereins und große Säcke mit frischem Malz der
Mälzerei Weyermann waren die verdiente Belohnung für das jeweils hervorragend
gebraute Siegerbier. Und wie immer schleppten unmittelbar nach der Siegerehrung
nicht nur die Gewinner und Teilnehmer, sondern fast alle Hausbrauer ihre Biere
in den Festsaal. Ob aus Fass, Siphon oder Flasche – es gab wieder eine schier
unendliche Zahl hausgebrauter Sorten zu probieren, und die Geschmacksrichtungen
gingen von klassisch konservativ bis hin zu experimentell und verrückt. Kaum
eine Zutat scheint vor den Hausbrauern sicher zu sein, um nicht in irgendeinem
Sud verwendet zu werden, und so wirkte die gestrige Diskussion um die
Verankerung des Deutschen Reinheitsgebots in der Vereinssatzung im Nachhinein
etwas sonderbar.
Es hieß, dass erneut bis weit in
die Morgenstunden hinein gefeiert wurde, und wer sich die Gesichter am
Sonntagvormittag etwas genauer anschaute, hegte daran auch keine Zweifel.
Wer es geschafft hatte, früh
genug aus den Federn zu kommen, konnte im historischen Rathaussaal ein paar
interessante Vorträge hören. Ein Vertreter der Hochschule Ostwestfalen-Lippe
referierte über Bierhefe und über die Möglichkeiten, während des Brauprozesses
selber bereits die Haltbarkeit des späteren Biers zu beeinflussen, und danach
schilderte uns ein sichtlich bewegter Vorsitzender der Schwalenberger
Brauzunft, Frank Ehlert, die Geschichte seines Vereins und des Schwalenberger Brauhauses. Sein Vortrag endete mit der
Feststellung, dass nun auch die Haus- und Hobbybrauertage 2010 in Schwalenberg zu Ende gingen, und wer genau aufpasste, der
konnte das Rumpeln des Steins hören, der Frank in diesem Moment vom Herzen
fiel.
Für diejenigen, die es bisher
immer noch nicht geschafft hatten, gab es nun noch eine letzte Führung durch
das Schwalenberger Brauhaus, und dann hieß es,
Abschied nehmen bis zum nächsten Jahr, dann erneut in Deutschlands Norden, aber
viel weiter westlich. Nordhorn heißt das Ziel für die Haus- und Hobbybrauertage
2011.
Den Brauern und
Vereinsmitgliedern in Schwalenberg, aber auch dem
gesamten Ort, der wie ein Mann hinter der Brauerzunft stand, ein herzliches
Dankeschön für eine hervorragende Organisation und für Haus- und
Hobbybrauertage, die uns Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben werden!
Und als kleine Ergänzung des
obigen Berichts von mir zitiere ich hier ein Interview mit dem Vorsitzenden der
Schwalenberger Brauzunft e.V., Frank Ehlert, das auf
deren Internetseite veröffentlicht worden ist:
Deutsche Brauer
genießen Bier in Schwalenberg
Initiator Frank
Ehlert über die Fachtagung, die am Wochenende in der Malerstadt stattfindet
Bierexperten aus
ganz Deutschland treffen sich am Wochenende in Schwalenberg.
Dass die 15. Haus- und Hobbybrauertage in Südostlippe stattfinden, ist etwas
Besonderes, weiß Frank Ehlert.
Schieder-Schwalenberg. Gerade hat er noch eine Runde auf dem
Aufsitzmäher gedreht, jetzt nimmt sich Frank Ehlert Zeit für ein Gespräch mit
der LZ. Dem Vorsitzenden der Brauzunft ist es zu verdanken, dass sich die
Fachwelt in Schwalenberg trifft.
Herr Ehlert, Sie
haben mit Ihrer Brauzunft die 15. Haus- und Hobbybrauertage nach Schwalenberg geholt. Das ist nicht gerade eine Kleinigkeit.
Frank Ehlert:
Allerdings, wir sind auch stolz, dass wir nach Bamberg und Erlangen den
Zuschlag bekommen haben. Und 15 Jahre, das ist ja schon so etwas wie ein
kleines Jubiläum. Das passt ganz gut.
Wie haben Sie das
eigentlich hingekriegt?
Ehlert: Die Haus-
und Hobbybrauertage haben noch nie in Westfalen stattgefunden und wir sind der
einzige Verein, der noch ein altes Westfälisches Brauamt
am Leben erhält. Und außerdem haben wir wohl auch mit unserem Deutschlandbier
für Furore gesorgt. Darüberhinaus ist unser
Schirmherr der ehemalige Außenminister und Botschafter des Bieres Dr.
Frank-Walter Steinmeier, auch wenn er nun leider nicht kommen kann.
Was genau findet
jetzt eigentlich in Schwalenberg statt? Was für Leute
kommen und wie viele?
Ehlert: Es haben
sich etwa 150 Fachleute und Hobby–brauer angekündigt,
für die wir neben Fachvorträgen ein Rahmenprogramm auf die Beine gestellt
haben. Aber wir hoffen natürlich, dass darüberhinaus
viele Interessierte den Weg nach Schwalenberg finden,
denn es findet auch Freitag von 16 bis 21 Uhr, Samstag von 14 bis 21 Uhr und
Sonntag von 11 bis 18 Uhr ein großer Markt mit mindestens 24 Ständen ums Thema
Bier und Brauen statt. Es haben sich renommierte Aussteller angesagt.
Was können die
Besucher denn am Wochenende in Schwalenberg erwarten?
Ehlert: Natürlich
viel Literatur und Materialien aus dem Bereich
Brauen. Aber es
gibt auch was zu erleben: Unter anderem werden wir eine
Einzelflaschenfüllanlage aus dem Brauereimuseum Oelde vor Ort haben. Hier haben
die Gäste erstmals die Chance, sich unser Schwalenberger
Bier in eine Flasche zu füllen. Außerdem kommt der singende Schmied, wir haben
eine Fischräucherei: Es wird auf jeden Fall interessant.
Wo bringen Sie die
Leute eigentlich alle unter und wie lange bleiben die Bierbrauer?
Ehlert: Wir haben
hier in Schwalenberg etwa 170 Betten zu bieten, das
kommt schon hin. Das Programm startet bereits am morgigen Donnerstag. Einige
der angemeldeten Teilnehmer kommen von Freitag bis Sonntag, manche haben sich
für eine Woche in Schwalenberg eingemietet.
Das heißt, Sie tun
was für den Tourismus in der Region. Aber die Schwalenberger
Brauzunft ist ja nun ein sehr kleiner Verein. Wie kriegen Sie das hin?
Ehlert: Das muss
man ganz deutlich sagen: Ohne die Unterstützung der anderen Vereine ginge das
gar nicht. Aber alle helfen mit, und das so kurz nach dem Trachtenfest.
Wie schätzen Sie
eigentlich die Bedeutung dieser Brauertage ein – für Schwalenberg
und für die Region?
Ehlert: Über den
touristischen Aspekt haben wir ja eben schon gesprochen. Darüber hinaus ist
dies für uns eine hervorragende Gelegenheit, allen Unterstützern und Sponsoren
zu zeigen: Euer Engagement hat sich gelohnt, es trägt schon kurzfristig Früchte
und bringt wirklich Nutzen für die Region. Allein die Erfindung des
Deutschlandbieres hat uns eine Medienresonanz eingebracht, wie es sie für Schwalenberg noch niemals gegeben hat.
Wohin wird die
Reise für die Schwalenberger Brauzunft langfristig
hingehen?
Ehlert: Eines steht
fest: So ein Ding kriegen wir kurzfristig nicht wieder hin. Wir sind nur zehn
Aktive, und es wird schwer sein, auf lange Sicht die Bierbrautradition zu
erhalten. Was ist, wenn die derzeitigen Akteure nicht mehr dabei sind? Wir
möchten die Begeisterung fürs das Bierbrauen auch beim Nachwuchs wecken.
Was versprechen Sie
sich an direktem Nutzen für die Brauzunft?
Ehlert: Wir hoffen
auf Tipps, wie wir unser Handwerk noch optimieren können. Und wir hoffen, dass
unser Bier bei der Bewertung gut abschneidet
„Brauertag‘ und Sonnenschein,
und ich steh‘ hier im Stau am Rhein…“
… so mag mancher, insbesondere der
erste Vorsitzende der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer, nach der Melodie
der Comedian Harmonists vor
sich hin gesummt haben, denn bei herrlichstem Spätsommerwetter und der Aussicht
auf ein durch den Tag der Deutschen Einheit verlängertes Wochenende hat sich wohl
die Mehrheit der Bevölkerung dazu berufen gefühlt, sich auf einen Kurzurlaub zu
begeben. Nordrhein-Westfalen allein rühmte sich am Nachmittag des 30. September
2011 mit einer Gesamtstaulänge von über 300 Kilometern…
Aber, und es sei gestattet, den
Schluss vorwegzunehmen, trotz Stau in der Republik waren die Haus- und
Hobbybrauertage 2011 im hohen Norden, in Nordhorn kurz vor der niederländischen
Grenze, am Ende eine runde Sache.
Im „Kultur- und Tourismuszentrum“
der Stadt Nordhorn, in der Alten Weberei, hatten die Brauer und Brauerinnen der
Nordhorner Vereinsbrauerei die große Halle angemietet, und hier trafen sich
rund hundert Mitglieder und Angehörige der VHD zur Jahreshauptversammlung am
Freitag. Wie immer gab es als Stärkung vorneweg eine deftige Brotzeit, und
genau diese gab uns auch die Pufferzeit, auf die im Stau steckenden Freunde und
Kameraden zu warten.
In ruhiger und diesmal sehr
entspannter Atmosphäre und eingeleitet durch eine kurze Ansprache der
stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Nordhorn konnte Markus Metzger mit
dem Vorstand neben den Routineaufgaben wie Kassenbericht und Entlastung des
Vorstandes endlich auch die letztes Jahr bereits vorgestellte Satzungsänderung
abschließen. Zwar mussten die Stimmen mehrfach nachgezählt werden, weil nach
den vielen Stunden im Stau beim einen oder anderen die Konzentration auf einem
Tiefpunkt angelangt war, aber schließlich war es geschafft, und der Verein
konnte sich nach dem formalen Programm dem gemütlichen Beisammensein widmen –
schließlich hatte man sich ja seit einem Jahr nicht mehr gesehen und
dementsprechend viel zu erzählen.
Fast schon routinemäßig begann
Sonnabend früh das Verkostungs- und Ausflugsprogramm. Zwei große Reisebusse
standen für eine Tour durch den Osten der Niederlande bereit, und neben der
Besichtigung der riesigen und – beeindruckend! – klinisch sauberen Großbrauerei
Grolsch blieb auch noch genug Zeit, über den Markt in
Enschede zu bummeln, um sich je nach Gusto mit fangfrischem Hering oder
leckerem Käse zu versorgen oder in einem der zahlreichen Cafés im herrlichen
Sonnenschein schon das erste Bier zu genießen.
Parallel zu diesem Ausflug trafen
sich die Verkoster zur morgendlichen Vorverkostung und diskutierten mit Verve
und Elan die eingereichten Biere der Kategorien „Norddeutsches Pilsener“,
„Grafschafter Kupfer“ und „Rauchweizenbock“. Im Anschluss gab’s eine
Planwagenfahrt durch Nordhorn, eine kurze, aber süffige Besichtigung von Jan
Hendrik Kochs Sudhaus in der Erikastraße, und ein leckeres Biermenü.
Ein kurzer Verdauungsspaziergang durch die Nordhorner Fußgängerzone, in der das
Stadtfest „Nordhorner Oktober“ tobte, und am Nachmittag traf man sich erneut in
der Konferenzhalle zur Hauptverkostung. Straff und professionell organisiert
war sie diesmal, und da die Anzahl der eingereichten Biere auch nicht allzu
hoch gewesen war (für die Statistiker: 7 Pils, 12 Kupfer, 15 Rauchweizenbock,
also gerade einmal 34 Biere), blieb nach der Verkostung noch genügend Zeit für
individuelles Freizeitprogramm. Ein gemütlicher Bummel über das Stadtfest, eine
Kneipentour oder eine Bootsrundfahrt über die Vechte
und die kleinen Kanäle kreuz und quer durch das Stadtgebiet – auch jetzt musste
sich niemand langweilen.
Der Hausbrauerabend folgte
geschickter Choreographie. Während das Volk durch Brot und Spiele bei Laune
gehalten wurde und sich über das Büffet hermachte, schloss der Vorstand die
letzten Auswertungen und Vorbereitungen für die Siegerehrung ab, und um kurz
vor zehn Uhr fand endlich die ersehnte Kür der Sieger statt. Besonders
erwähnenswert der Sieg von Andreas Schwickert in der Kategorie Rauchweizenbock,
der damit nun schon zum dritten Mal als Sieger auf der Bühne gestanden hat.
Glückwunsch an alle Gewinner und Teilnehmer!
Bei Hausbräu aus allen Regionen
Deutschlands, aus Flaschen und Fässern, saß man nun noch zusammen, verkostete
die exotischsten Kreationen und tauschte bis tief in die Nacht Rezepte und
Erfahrungen aus.
Der nächste Morgen rundete die
diesjährigen Haus- und Hobbybrauertage mit einer Rarität ab: In irgendwelchen
Archiven war ein Stummfilm vom Anfang des letzten Jahrhunderts aufgetaucht, ein
Reklamefilm der Brauerei Humbser in Fürth. Nahezu
eine halbe Stunde lang konnten wir auf den großen Leinwänden verfolgen, wie vor
fast hundert Jahren in Fürth Bier gebraut worden war. Fürwahr, ein schöner
Abschluss! Und damit: Bis nächstes Jahr! Dank an Jan-Hendrik Koch und seine
Vereinskollegen, und auf ein Wiedersehen in Windischeschenbach-Neuhaus
im September 2012.