Brunnenbräu® Hausbrauerei – Das
Original – seit 1997
Die Tour de Bier

Die Tour de Bier
Die Tour de Bier – eine Bierreise
der ganz besonderen Art.
Bierfreunde, -kenner und
-liebhaber treffen sich einmal jährlich, um gemeinsam dem Hobby zu frönen.
Brauereibesichtigungen, Besuche von Biermuseen oder sonstigen Einrichtungen,
die mit dem Hobby im Zusammenhang stehen, bilden den Dreh- und Angelpunkt der
Reisen, aber auch Bildung und Kultur kommen nicht zu kurz.
Ins Leben gerufen von Klaus Kling (klaus.kling@die-tour-de-bier.de)
und unterstützt vom Verein
der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V. (www.hausgebraut.de)
und der Kampagne
für Gutes Bier Deutschland (www.kgbier.de),
findet sie seit 2004 regelmäßig statt und erfreut sich einer stetig wachsenden
Teilnehmerzahl.
Und seit 2008 sind auch weitere
Tourmodelle hinzu gekommen: Die Städtetour de Bier und die Wandertour de Bier.
Basierend auf der gleichen Idee, aber mit leicht anderen Schwerpunkten, bringen
sie uns ebenfalls die Bier- und Brauereikultur nahe.
Die Tour de Bier 2004 (Windischeschenbach)
Die Tour de Bier 2005 (Memmelsdorf)
Die Tour de Bier 2006 (Miltenberg)
Die Tour de Bier 2007 (Weißenburg)
Die Städtetour de Bier 2008 (Wien)
Die Tour de Bier 2008 (Amberg)
Die Städtetour de Bier 2009 (Wien)
Die Tour de Bier 2009 (Mainburg)
Die Städtetour de Bier 2010 (Wien, Brünn)
Die Tour de Bier 2010 (Seßlach)
Die Wandertour de Bier 2010 (Hirschaid, Buttenheim, Hallerndorf)
Die Städtetour de Bier 2011 (Wien, Bratislava)
Die Tour de Bier 2011 (Kelheim)
Die erste „Tour de Bier“ führte
uns Ende April / Anfang Mai 2004 nach Windischeschenbach – der Stadt des Zoigl-Biers (www.zoiglbier.de).
Hier in Windischeschenbach steht
ein Kommunbrauhaus – die Bewohner der Altstadt
haben das Recht, in diesem Kommunbrauhaus ihr Bier zu brauen und die Bierwürze
nach Haus zu transportieren, um sie dort zu fertigem Bier zu vergären.
Gleichzeitig haben sie das Recht (und wohl auch die Pflicht…), das Bier, wenn
es trinkfertig gereift ist, auszuschenken. Zu diesem Zweck wird ein Symbol, der
so genannte „Zoigl“, vor das Haus gehängt, um zu signalisieren, das hier für
wenig Geld ein leckeres und süffiges, vollmundiges und naturtrübes Zoigl-Bier
ausgeschenkt wird.
Neben einer ausführlichen
Besichtigung des Kommunbrauhauses ließen wir uns die Gelegenheit nicht
entgehen, einige der verschiedenen Zoigl-Biere zu verkosten. Ebenfalls im
Programm war eine Busrundfahrt durch die schöne Oberpfalz mit Besuch der Privatbrauerei Hösl in Mitterteich (www.hoeslbraeu.de)
und des Klosters „Waldsassen“, und einige von uns nutzten auch die Gelegenheit,
das tiefste Loch der Welt, die Bohrstelle des „Kontinentalen Tiefbohrprogramms“
(KTB) zu besichtigen.
Treffpunkt, Unterkunft und
zentraler Ausgangspunkt der „Tour de Bier“ des Jahres 2005 war der Brauerei-Gasthof Drei Kronen (www.drei-kronen-memmelsdorf.de)
in Memmelsdorf bei Bamberg.
Direkt nach der Ankunft und einem
kleinen Bier zur Stärkung besichtigten wir unter Hans-Ludwig Straubs Führung
die Brauerei und machten uns anschließend mit dem Linienbus auf nach Bamberg,
wo wir uns das Fränkische Brauereimuseum (www.brauereimuseum.org)
im Rahmen einer interessanten Führung anschauten und anschließend die
Gelegenheit nutzten, beim Handwerkermarkt auf dem Bamberger Marktplatz nahezu
alle Bamberger Biere probieren zu können. Die Bamberger Brauereien hatten einen
Stand aufgebaut, an dem für wenig Geld ihre hervorragend gezapften Biere zu
verkosten waren. Der Abend des ersten Tages klang im „Drei Kronen“ aus, wo wir
uns ein spezielles Biermenü schmecken ließen, das durch die dazu passenden
Biere abgerundet wurde.
Der Sonnabend führte uns mit
einem Reisebus zunächst nach Staffelstein,
wo wir nicht nur das Kloster
Vierzehnheiligen
besichtigten, sondern auch im Brauhaus der Brauerei Trunk (vierzehnheiligen.brauereien.bierland-oberfranken.de)
direkt nebenan einen Frühschoppen zu uns nehmen konnten. Im nahe gelegenen Uetzing besuchten wir anschließend die Büttnerei Weis (www.buettnerei-weis.de),
wo noch in guter, alter Handarbeit Holzfässer produziert werden, wo aber auch
nahezu jedes moderne Bierfass instand gesetzt und renoviert werden kann. Nur
ein paar Häuser weiter kocht Metzger Reichert
(braupartner.de/hausuhobbybrauer/hausbrauerwhoiswho/manfredreichert.html)
in seinem Wurstkessel nicht nur leckere Wurst, sondern braut dort auch ein
exzellentes Hausbier, das er in seinem Metzgerladen verkauft.
Weiter führte uns die Tour bei
herrlichem Sonnenschein durch ein wunderschön gelegenes Tal bis zum Hübner-Bräu (www.huebner-braeu.de)
in Steinfeld, wo wir uns beim Original der
Brauerei, Otto, das Bier schmecken ließen.
Auf der Rückreise nach Memmelsdorf genossen wir erneut das
wunderbare Wetter und die schöne fränkische Natur, bevor wir dann direkt neben
den „Drei Kronen“ im Brauereigasthof
Höhn
(www.gasthof-hoehn.de)
das „Görchla-Fest“ besuchten und das leckere Görchla-Bier genossen.
Am nächsten Morgen hatte der eine
oder andere, dem das „Görchla-Fest“ gar zu gut gefallen hatte, kleine Augen,
was aber niemanden davon abhielt, trotzdem mit Interesse an der Besichtigung
der Brauerei des Brauereigasthofs „Höhn“ teilzunehmen.
Ein letzter kleiner Schluck des vorzüglichen
Bieres rundete die „Tour de Bier 2005“ ab, bevor sich die Teilnehmer wieder auf
den Weg in Richtung Heimat machten.
Im Jahr 2006 war Miltenberg am Main der Ausgangspunkt unserer
mittlerweile schon zur Tradition gewordenen „Tour de Bier“. Wir trafen uns vor
dem Rathaus der Stadt Miltenberg und begannen die Tour ausnahmsweise nicht
schon mit dem ersten Bier, sondern zunächst mit einer spannenden Stadtführung
durch die malerische Altstadt Miltenbergs.
Um so größer waren Vorfreude und
Bierdurst, als wir am späten Nachmittag die Brauerei „Faust“ (www.faust.de) besichtigten. Kein Winkel der Brauerei
wurde uns vorenthalten – selbst die offenen Gärbottiche durften wir anschauen
und hoch oben von den Lagerbehältern den Blick auf die Stadt und den Fluss
genießen. Anschließend saßen wir im Bräustüble der Faust-Brauerei bei einem Brauer-Büffet und ließen den ersten Tag ausklingen.
Der zweite Tag bot, wie immer,
eine Bustour – diesmal zunächst zum Schloss Erbach.
Nach der Besichtigung der sehenswerten Innenräume und Sammlungen ging es weiter
nach Michelstadt zur Brauerei
„Dörr“,
wo uns die Chefin persönlich herzlich und liebevoll mit einer Brotzeit empfing
und uns die Brauerei zeigte.
Weiter ging es mit dem Bus durch
Odenwald und Spessart bis zur versteckt im Räuberwald gelegenen Gasthausbrauerei „Hohe Wart“ (www.hohewart-haus.de/html/s_hohewartbrau.html) nicht
weit von Mespelbrunn. Der Konstrukteur der Brauerei persönlich erklärte uns
sein Werk, und anschließend ließ uns der Brauer seine auf dieser Anlage produzierten
Köstlichkeiten probieren. Natürlich gab es dazu auch ein leckeres Essen, das
uns für den Besuch des historischen Spuk- und Wasserschlosses Mespelbrunn
stärkte.
Zurück in Miltenberg gab es im Hotel „Brauerei Keller“ (www.brauerei-keller.de)
nicht nur das Abendessen, sondern auch einen höchst interessanten Vortrag über
studentisches Brauchtum und insbesondere die Regeln des Bierkonvents in
schlagenden Verbindungen.
Nach all diesen weltlichen
Erlebnissen durfte auch das Geistliche nicht zu kurz kommen, und so konnten wir
am Sonntag morgen auf dem „Engelberg“
das Kloster (www.franziskaner-engelberg.de) besuchen – die
Tapfersten unter uns gingen den Kreuzweg mit mehreren hundert Stufen zu Fuß
hinauf und verdienten sich das leckere Klosterbier zum Abschluss der
diesjährigen „Tour de Bier“ redlich.
Weißenburg in Bayern war im Jahr 2007 das Ziel der
„Tour de Bier“. Der Brauereigasthof
„Zur Kanne“
(www.schneider-bier.de)
war Treffpunkt und Ausgangspunkt unseres schon obligatorischen Stadtrundgangs
am ersten Tag. Herrliches Sommerwetter begleitete uns durch die alten Mauern
der Römerstadt. Schon recht durstig besichtigten wir anschließend die Brauerei
„Schneider-Bräu“, bevor wir uns dann – endlich! – am leckeren hier gebrauten
Bier laben durften. Auch eine ganz besondere Spezialität durften wir kosten –
die Original Leipziger
Gose
(www.gose.de), die
in Leipzig gebraut, aber auch hier in Weißenburg ausgeschenkt wird. Ein
Biererlebnis der besonderen Art!
Am nächsten Morgen trafen wir uns
am alten Rathaus und fuhren mit dem Bus zur Hopfenverwertungsgesellschaft in
Spalt
(http://www.deutscher-hopfen.de/contentserv/hopfenpflanzerverband.de/index.php?StoryID=2152).
Das hochmoderne Lagerhaus und die Hopfengärten besichtigten wir unter
fachkundiger Führung und nutzten dann die Gelegenheit, in der Hopfenstadt Spalt nicht nur die Altstadt zu besichtigen,
sondern auch im Gasthof
„Krone“
das leckere Spalter Bier zu verkosten.
Der Bus brachte uns anschließend
nach Ellingen zum Schloss und zum Fürstlichen Brauhaus (www.fuerst-carl.de).
Hier zeigte uns der Braumeister, Herr Besler junior, die fürstliche Brauerei
und ließ uns sein Bier verkosten, während uns der Bus gleichzeitig im
Pendelverkehr in kleinen Grüppchen zum Privathaus seines Vaters, Herrn Besler
senior, in Massenbach brachte, wo wir dessen in liebevoller Detailarbeit
gebaute und selbstverständlich voll funktionsfähige Miniaturbrauerei
besichtigen konnten. Ein herrliches Erlebnis, das die Hausbrauer unter uns mit
großen, begeisterten Augen neidisch erblassen ließ.
Aber auch das Schloss Ellingen selber konnten wir besichtigen
und uns so auch kulturell weiterbilden.
Und damit der Kultur nicht genug:
Zurück in Weißenburg besuchten wir im „Luna-Theater“
in der „Silbermühle“ vor den Toren der Stadt (www.lunatheater.de)
eine eigens für uns inszenierte Vorstellung von Thomas Hausner und seiner
Kollegin.
Beim anschließenden gemütlichen
Beisammensein ließen wir uns erneut das Schneider-Bräu schmecken. Die ganz Harten
unter uns nutzten die kurze Pause zwischen den Programmpunkten sogar noch für
einen kleinen Abstecher zur Brauerei „Sigwart“ (www.brauerei-sigwart.de),
um auch das dortige Bier zu verkosten.
Als Abschluss der diesjährigen
„Tour de Bier“ fand am Sonntag vormittag vor dem Brauereigasthof „Zur Kanne“
noch eine kleine Bierophilia-Tauschbörse statt, wo Bierdeckel, Biergläser und -seidel
und andere interessante Dinge rund ums Bier getauscht oder erworben werden
konnten.
Städte Tour de Bier
2008 (Wien – Bier erleben)
Zur Beschreibung dieser Tour
handle ich umweltfreundlich und betreibe ein Artikel-Recycling. Der folgende
Text basiert auf einem Bericht, den ich für die Vereinszeitschrift der Vereinigung der Haus- und
Hobbybrauer Deutschlands und für die Netzrepräsentanz der „Tour de Bier“
geschrieben habe:
Seit 2004 gibt es die „Tour de Bier“
nun – und für dieses Jahr hatte Hans Rolf Linke vom Feuerhofer
Kellerbräu die Idee, diese Standard-Tour für den, na, sagen
wir mal „harten Kern“ der Bierreisenden durch eine etwas längere, etwas weitere
(und leider auch etwas teurere…) Tour zu ergänzen. Heraus kam: Die „Städte Tour
de Bier“ unter dem Motto „Wien 2008 – Bier erleben“.
Zwölf Bierliebhaber der Vereinigung der Haus- und
Hobbybrauer Deutschlands, der Kampagne für Gutes Bier Deutschland und dem Bierclub.de trafen
sich am 27. Februar nachmittags in einer der bekanntesten Gasthausbrauereien
Österreichs, dem 7 Stern Bräu.
Hier erwarteten uns auch schon ein paar Mitglieder der österreichischen Kampagne für Gutes
Bier, die uns bei der Planung und Vorbereitung unterstützt
hatten und die eine oder andere Station unserer Tour auch begleiten wollten.
Wir begannen mit einer
Besichtigung des Sudwerks und der Lagerräume des 7 Stern Bräus. Stolz zeigte
uns der tschechische Braumeister Vlado Sedmak seinen Arbeitsplatz und ließ uns
sogar von seinen noch nicht ausgegorenen, für uns direkt aus dem Lagertank
gezwickelten Spezialitäten, dem Oster-Rauchbock und dem fantastisch mit Magnum-
und Cascade-Hopfen verfeinerten India-Pale-Ale, kosten.
7 Stern – der Name ist Programm.
Sieben verschiedene Biere waren von uns anschließend noch zu verkosten – und
wir ließen uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Aber halt – es waren
heute nur sechs Sorten, eine war kurz vorher schlicht ausgetrunken worden… Im
Angebot scheinen wohl das Helle, das Märzen, das Dunkle und ein Chilibier immer
fest verfügbar zu sein, die anderen Sorten variieren je nach Saison.
Insbesondere das Chilibier ist wirklich eine Besonderheit, und der Brauer hat
es vermocht, die Balance zwischen „zu fad“ und „zu scharf“ nahezu perfekt zu
finden.
Bei gemütlicher Fachsimpelei
klang so der erste Abend aus.
Wien zeigte sich am nächsten
Morgen von seiner besten Seite – strahlend blauer Himmel und frühlingshafte
Temperaturen schon im Februar!
Wir starteten unser Programm in
der Ottakringer
Brauerei, Wiens einziger Großbrauerei. Beziehungsweise
starteten wir erstmal nicht, weil unsere Straßenbahn sich bemüßigt fühlte,
unterwegs ein Taxi zu rammen…
Mit ein wenig Verspätung begannen
wir aber doch noch die Führung durch die Brauerei und waren positiv überrascht
darüber, dass auch in einer größeren Brauerei eine Führung mit Herz stattfinden
kann. Viele Details des über die Jahre gewachsenen und daher etwas
zusammengewürfelt wirkenden Sudhauses wurden uns gezeigt und mit Liebe zum
Detail erläutert. Gebraut wird mit zwei Sudstraßen und einer Kapazität von 500
hl/Sud. Bei Maximalauslastung im Sommer kann im Dreischichtbetrieb alle drei
Stunden ein Sud angesetzt werden. Das Brauwasser stammt aus einem eigenen
Brunnen aus einer Tiefe von 120 m und wird zum Brauen von 28° dH auf 5° bis 13°
dH enthärtet. Das Bier gärt und reift in Außenlagertanks mit Kapazitäten
zwischen 1.000 hl und 2.700 hl. Leider nicht auf dem Programm stand bei dieser
Führung der alte Lagerkeller mit Holzfässern, der bis in die 80er Jahre des
letzten Jahrhunderts im Betrieb war. Der Name des Bieres „Goldfassl“ leitet
sich von der Lagerung in diesen Fässern ab.
Es schloss sich eine fachkundig
begleitete Verkostung im historischen Gerstenboden an, und recht spät ging es
zum Mittagessen in die neben der Brauerei gelegene Gaststätte Bierfink, bevor
wir dann den zur freien Verfügung stehenden Nachmittag individuell in Wien und
seinen Kaffeehäusern verbrachten.
Noch eine zweite Brauerei stand
heute auf dem Programm – die Stadtbrauerei Schwarzenberg. Erst knapp zwei Jahre alt
faszinierte sie uns mit einem winzigen, aber hochtechnisierten, einschließlich
der Gärtanks voll computergesteuerten 5-hl-Sudwerk der Firma Alfred Gruber GmbH
& Co. KG. Und mit fünf übereinander liegenden Tanks, die den in Teilzeit
beschäftigten Brauer Andreas Hartl regelmäßig zu fast schon halsbrecherischen
Klettereien nötigen…
Schlusspunkt des heutigen Tages
war eine Bierverkostung, die Britta Dolenc und Dietmar Eder von der
österreichischen Kampagne für Gutes Bier für uns ausrichteten. In der für ihre
große Auswahl auch an belgischen Bieren bekannten Kneipe „Känguruh“
verkosteten wir 21 verschiedene österreichische Biere unterschiedlicher
Qualität und diskutierten ihre geschmacklichen Merkmale. Vom uninteressanten
Märzen über Bio-, Hanf- und Mehrkornbiere bis zu einigen hervorragenden und
exklusiven Starkbieren war alles dabei. Schade eigentlich nur, dass wir
anschließend von der umfangreichen Bierkarte des „Känguruh“ fast nichts mehr
probieren konnten oder wollten…
Der Freitag begann erneut mit
einer Großbrauerei – der Schwechater Brauerei vor den Toren der Stadt.
Die zweitgrößte Braustätte
Österreichs empfing uns bei etwas trübem, leicht regnerischen Wetter, was die
langen Wege zwischen den Brauereigebäuden etwas ungemütlich werden ließ.
Trotzdem war es eine eindrucksvolle Brauereiführung. Gemaischt wird in einem
supermodernen Ziemann-Sudwerk in zwei Maischbottichen mit einer Kapazität von
je 300 hl. Das Wasser stammt aus eigenen Brunnen und wird vor dem Brauen von
25° dH auf 9° bis 10° dH enthärtet. Nach dem Abmaischen versammeln sich die
Inhalte der beiden Maischbottiche in einer Sudpfanne zum Kochen, es können so
bis zu zwölf Sude im Dreischichtbetrieb durchgeführt werden. Insbesondere die
gigantische Dosenabfüllung (Ökofreaks hören jetzt besser mal weg) mit 70.000
Dosen in der Minute läuft locker unter der Überschrift „Faszination Technik“
und hinterließ einen bleibenden Eindruck. In Österreich werden Aluminiumdosen
verwendet, und auch ohne Dosenpfand beträgt die Recyclingquote immerhin etwa 70%.
Nach dem Rundgang nahm sich der
Leiter der Qualitätssicherung, Herr Dr. Andreas Urban, die Muße, mit uns eine
professionelle Verkostung der Schwechater Biere durchzuführen – zwar ein wenig
unter Zeitdruck, aber dennoch mit viel Herzblut. Und mit der Bereitschaft, an
der einen oder anderen Stelle doch ein wenig mehr über die Markenstrategie von
Heineken und der Brau-Union zu erzählen, als es der „normale“ Konsument aus den
Medien erfährt.
Solcherart mit Informationen
gesättigt, gönnten wir uns noch ein gehaltvolles Mittagessen im brauereieigenen
Restaurant, bei dem wir allerdings unseren ersten Ausfall zu verzeichnen
hatten: Der Star unseres Bremer Teams gab nach einem Anfall von Übersättigung
auf und trank Almdudler Kräuterlimonade!
Wir brachen dann mit der S-Bahn
in Richtung „1516 Brewing
Company“ auf.
Um es gleich auf den Punkt zu
bringen: Die 1516 Brewing Company werte ich als die bis dato mit Abstand
„hopfigste Brauerei“, die ich besucht habe. Alle sieben Biersorten, die wir
hier verkostet haben, strotzten nur so vor Hopfenaroma. Die edelsten Sorten wie
zum Beispiel Cascade werden hier in verschwenderischer Menge dem Bier zugesetzt
– am herbsten wohl im Hop Devil India Pale Ale, am aromatischsten im Yankee
Sticke. Der Hop Devil basiert übrigens auf einem Rezept von Bill Covaleski, dem
Braumeisters der Victory Brewing Company aus Downingtown, Pennsylvania.
Unsere Gastgeber von der KGBier
gönnten uns aber nach den hier verkosteten Bieren keine Verschnaufpause,
sondern führten uns direkt ins „Krah Krah“, eine Bierkneipe mit sehr guter Auswahl an
Fass- und Flaschenbieren, in der wir die Zeit bis zur nächsten Fix-Station
unserer Reise kurzweilig überbrückten.
Eben diese nächste Fix-Station
war die „Stiegl Ambulanz“.
Im alten, ehemaligen Wiener Krankenhaus, der Ambulanz, hat die Salzburger Stieglbrauerei
ein kleines Brauhaus eingerichtet.
Ein weitläufig großer, mit seiner
violetten Beleuchtung ein wenig kühl und tendenziell eher ungemütlich wirkender
Schankraum empfing uns, an seinem Rande eine blitzblank glänzende
Caspary-Brauanlage, und dahinter ein urgemütliches Kaminzimmer mit dicken
Lederfoteuils und einem prasselnden offenen Feuer. Das angebotene Monatsbier,
ein Alt, war recht lecker, das dauerhaft angebotene Paracelsus Hausbier eher
ein uninteressantes Allerweltsbier, aber auch nicht schlecht. Das Essen war allerdings
wirklich nichts Dolles.
Der Vollständigkeit halber war's
gut, dass wir hier waren, wir waren auch nicht unzufrieden, aber wenn wir nicht
gekommen wären, hätte es auch nicht geschadet...
Insofern fiel uns auch der
Entschluss nicht schwer, erneut die Straßenbahn zu entern und noch eine weitere
Brauerei, die vierte am heutigen Tage, zu erkunden.
Am Rande des Schloss Belvedere,
noch inmitten uralten Gemäuers, befindet sich das Salmbräu – eine gar
nicht mal so kleine Gasthausbrauerei, die sich aber so verwinkelt über mehrere
Gaststuben und bis in den alten Gewölbekeller, den so genannten Klosterkeller,
erstreckt, dass man gar nicht merkt, wie viele andere Gäste hier ebenfalls ihr
Bier genießen. Es sei denn, man muss zur Toilette – dann macht man sich auf den
weiten, durch alle Räume mäandrierenden Weg, der einen an allen Schanktheken
und an der blitzblank polierten Sudanlage vorbeiführt. Eine anlassbezogene
Brauereibesichtigung gewissermaßen, die dabei durchgeführt wird.
Wir genossen zu inzwischen recht
später Stunde unsere gemütliche Ecke im Klosterkeller, die guten und großen
Essensportionen und natürlich das excellente, elegante und erfrischend gebraute
Bier. Und auch die Bedienung war, trotz ihres etwas herben, unnahbaren „Wiener
Charmes“ schon soweit in Ordnung.
Und zum krönenden Abschluss des
Tages genossen wir noch, dass das Salmbräu mit öffentlichen Verkehrmitteln
(Straßenbahnhaltestelle unmittelbar am Eingang) gut zu erreichen ist: Drei
Schritte, und schon saßen wir in der Tram und schaukelten erschöpft unserem
Hotel entgegen.
Der nächste Morgen – verflixt, es
ist ja schon Sonnabend – empfing uns zunächst mit einer Sturmwarnung, von der
wir uns in unserem Tatendrang aber nicht abhalten ließen. Als erstes stand die Eipeltauer
Brauerei auf dem Plan.
Ein Erlebnis der Extraklasse –
ein Braumeister, der vor Begeisterung über seinen Beruf geradezu überschäumt,
gute Biere und eine einmalig liebenswert chaotische Brauerei. Schwer zu finden
inmitten eines Industriegebietes, versteckt in einer hässlichen Lagerhalle,
aber dann mit einigen wirklich leckeren, aromatischen und charaktervollen
Bieren – Hell, Märzen, Dunkel, Honigbier und Bock.
Christian Eipeltauer, der Brauer
und Besitzer, hat im August 2007 seinen Traum Realität werden lassen und vom
Computerfachmann zum Brauer umgesattelt, oder wie er selber sagt, gewechselt
von Nullen und Einsen zu Null-Drei und Null-Fünf.
In der einigermaßen
überdimensionierten Lagerhalle stehen Sudanlage, Gär- und Lagerbehälter und
alles Sonstige herum und vermitteln schon durch ihre pure Positionierung das
Gefühl von umtriebiger Geschäftigkeit. Wie dem auch sei, lecker waren die
Biere, alle Erklärungen und Erläuterungen brannten vor Begeisterung, und auch
die Verpflegung war in Ordnung.
Also nochmal: Einfach
Extraklasse!
Jetzt tat sich für uns ein noch
nicht verplantes Zeitfenster auf – fünf Stunden ohne Programm. Irgendeiner
hatte die außerordentlich originelle Idee, der Fast-Vollständigkeit halber doch
auch noch das Wiedenbräu und das Medl-Bräu heimzusuchen.
Widerspruch? Keiner.
Beziehungsweise zwecklos.
Also Blitzstopp im Wiedenbräu.
Schnell hinein, von jeder der fünf Biersorten ein kleines Gläschen, und weiter.
Gerade lang genug, um zu sehen, dass das Wiedenbräu früher eine normale
Gastwirtschaft gewesen sein muss, in die jetzt eine kleine Salm-Anlage
eingebaut worden war, die zwar hübsch anzusehen ist, aber in der eher
historisch-bürgerlichen Umgebung doch ein wenig wie ein Fremdkörper wirkt.
Trotzdem schön – und die
Bedienung zeigte auch keine Unzufriedenheit, dass wir aufgrund der „Happy Hour“
zwar viel Spül, aber nur wenig Umsatz produziert hatten.
Also ging's rasch weiter zum Medl-Bräu recht
weit außerhalb von Wiens Altstadt – ein Weilchen mit der Straßenbahn in
Richtung Westen. Es grüßt die mittlerweile recht vertraut aussehende Brauanlage
der Firma Salm, hier hinter sehr schönen schmiedeeisernen Gittern, die sie vom
Schankraum trennen. Eingebettet in ein holzdominiertes Ambiente macht sie einen
guten Eindruck – und auch die drei Biersorten (Hell, Märzen und Dunkel) waren
excellent.
Die Fachkenntnis der Bedienungen
aber nicht. Als wir erfuhren, dass ab morgen ein Bockbier ausgeschenkt werden
soll, fragten wir natürlich, ob wir es nicht heute schon probieren könnten. –
Nein, das ginge nicht. – Auch nicht inoffiziell? – Nein, das Bier gäbe es noch
nicht, das würde erst noch gebraut!
Bis morgen?
Na, danke, lieber Inhaber,
Betreiber oder Geschäftsführer des Medl-Bräu, veräppeln können wir uns schon
selber. Wenn’s wirklich vorher noch nicht ausgeschenkt werden soll, dann sei es
(wenn auch schweren Herzens) akzeptiert, aber eine Begründung, die uns für dumm
verkauft? Bitte nicht!
Wir zogen es also vor, rasch
wieder aufzubrechen und zurück in die inneren Stadtbezirke zu fahren.
Samstag Abend in Wien – die Stadt
platzt aus allen Nähten, alle Kneipen und Restaurants sind brechend voll,
Musik, Zigarettenrauch (ja – hier ist es noch nicht verboten, zu rauchen),
Gesang und Geschrei. Auch das Fischerbräu machte hier keine Ausnahme.
Der Brauer aber schon. Mit Ruhe
und sichtlichem Vergnügen zeigte er uns seine etwas unkonventionell in das
Gemäuer gezwängte Anlage. Wegen fehlender Bauhöhe wird in ein Auffangbecken
ausgetrebert, dann der Treber mit einer Schnecke wieder aufwärts gefördert, um
dann endlich durch ein Rohr abgeleitet werden zu können.
Gutes und reichhaltiges Essen,
vor allem aber sehr leckere Biere konnten wir hier probieren, auch ein
bananiges, kremiges Weizen, wie man es nur selten findet. Und einen Osterbock,
der noch reifen musste, bekamen wir heimlich gezwickelt – danke, Osmani, lieber
Brauer, für diese Gelegenheit! Wie verraten’s auch keinem!
Nun, so langsam ging die Tour an
dieser Stelle ihrem Ende entgegen. Britta Dolenc und Dietmar Eder von der
Kampagne für Gutes Bier Österreich gaben uns jedem noch ein von ihnen
signiertes Exemplar des Österreichischen Bierführers von Conrad Seidl als
Erinnerung mit und sorgten so für einen herzlichen Abschluss der Reise. Euch
beiden, aber natürlich auch Hans Rolf Linke vielen Dank für Eure Unterstützung
und die viele Zeit, die Ihr aufgewendet habt, diese Reise zu einem herrlichen
Biererlebnis gemacht zu haben.
Hoffentlich bis bald, wünscht
sich Volker R. Quante, der CBO vom Brunnenbräu®
Städtetour de Bier 2008 – Wien
Artikel zur Städtetour de Bier 2008 – Wien
Tour de Bier – die Fünfte
Am 16. Mai 2008 gegen Mittag
trafen sich über vierzig Bier-Enthusiasten und Hausbrauer zur mittlerweile
fünften Tour de Bier – dieses Jahr für zweieinhalb Tage in Amberg in der
Oberpfalz.
Herrliches, sonniges Wetter
begrüßte uns zunächst in Sulzbach-Rosenberg, dem Nachbarort, auf dem Hof der
dortigen Mälzerei IREKS. In einer kurzweiligen und sehr interessanten Führung
zeigte uns der Betriebsleiter, Herr Karlauf, die Mälzerei entlang des Weges der
Gerstenkörner – von der Annahme der Gerste über die Lagersilos, die Weiche, die
Keimkästen, die Darre bis hin zu den Lagersilos des fertigen Malzes bekamen wir
alles im Detail erklärt und – mit Ausnahme der laufenden Darre, dort wäre es
etwas zu heiß gewesen – auch zu sehen.
Parallel dazu konnte ein Teil der
Tourteilnehmer auch schon eine interessante Stadtführung durch die historische
Altstadt Ambergs genießen, bevor wir uns dann am späteren Nachmittag an der
Schiffsbrücke alle gemeinsam zur Plättenfahrt einfanden. Auf zwei Plätten –
historischen, sehr flachen Transportschiffen – fuhren wir eine Stunde lang über
die Vils, genossen wunderschöne Natur, das herrliche Wetter und die
Bordverpflegung in Form von einigen Fläschchen Zwicklbier und ein wenig
Mineralwasser.
Den Abend verbrachten wir im
Schloderer-Bräu, einer kleinen, aber sich gut präsentierenden Gasthausbrauerei.
Der Inhaber, Herr Trautner, dem es an Selbstbewusstsein, aber auch an
internationaler Brauer-Erfahrung wahrlich nicht mangelte, spendierte uns zwei
Fässer Bier und führte uns in kleinen Gruppen nach und nach alle durch seine
Brauerei. Daneben konnten wir uns auch einen sehr interessanten Vortrag von
Herrn Jakob Schmidt über die Bier- und Brauereigeschichte Ambergs anhören, der
leider ein kleines bisschen darunter litt, dass er im Schankraum an einigen
Plätzen nur sehr schlecht zu verstehen war.
Trotzdem war es ein schöner Abend
und ein feiner Auftakt für die Tour de Bier 2008.
Am Sonnabend früh trafen wir uns
in Amberg am Busbahnhof zur schon traditionellen Bustour durch die Region.
Diesmal fuhren wir zunächst zur Brauerei Orth-Bräu „Zum Fuchsbeck“ in
Sulzbach-Rosenberg. „Fuchsbeck“ ist der Hofname, eine Tradition, die sich in
der Oberpfalz bis heute gehalten hat. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte das
Anwesen einem Bäcker mit Namen Fuchs.
Die Brauerei war Anfang des
Jahres nur knapp dem Schicksal entgangen, das sonst kleine Familienbetriebe so
oft ereilt. Die Inhaber waren kinderlos geblieben, konnten die Brauerei selbst
nicht mehr weiterführen, und Geier in Form großer Brauereien standen schon
bereit, den Betrieb aufzukaufen, zu fleddern und dann zu schließen.
Hier war es zum Glück anders
gekommen. Armin Ertel, ein Metzgermeister aus dem Ort, ließ sich zum Brauer
ausbilden und übernahm das „Orth-Bräu“ im Einvernehmen mit den alten Besitzern,
die froh waren, dass die Brauerei weiter existieren konnte. Zusammen mit
Freundin, Mutter und Schwester und zwei weiteren Brauern wird der Betrieb nun
fortgesetzt – und, wie wir uns vor Ort überzeugen konnten, mit Begeisterung,
gutem Service, leckeren Spezialitäten (Saure Bratwürste, hm!) und natürlich
ausgezeichnetem Bier.
Die nächste Station unserer
Bustour war das Hopfenmuseum in Illschwang. Ein alter Hopfenstadel, der nach
dem Willen einiger Bürger schon längst abgerissen gehört hätte, war in
liebevoller Kleinarbeit renoviert und zu einem kleinen Museum der örtlichen
Hopfengeschichte umgebaut worden. Ergänzt durch einen winzigen, aber gepflegten
Hopfengarten mit gerade mal 100 Pflanzen bot uns das Museum einen sehens- und
liebenswerten Einblick in die regionale bäuerliche Kultur, und Herr Nägerl sen.
brachte uns nicht nur das Museum mit seinen lebendigen Schilderungen nahe,
sondern er kredenzte uns auch einen leckeren Hopfenschnaps, den hiesigen
„Hopfentropf“.
Mit Illschwanger Hopfen aus eben
diesem winzigen Hopfengarten würzt Arno Diener das Bier seiner genauso winzigen
Hausbrauerei „Am Sudhang“ in Amberg, die wir als nächste Station besuchten. Als
reiner Hobbybrauer hatte er begonnen, aber dann 1985 den Schritt zur
kommerziellen Brauerei gemacht. Seitdem stellt er für Nachbarn, Freunde und
einen kleinen Kundenkreis sein Hausbier regelmäßig her. Als Arno Diener uns
seine Brauerei zeigte, merkten wir, dass hier nicht nur sein Herz für das Bier
schlägt, sondern die ganze Familie ebenfalls hinter der Sache steht. Welche
Ehefrau lässt denn sonst zu, dass der Familienvater für sein Hobby mal eben hier
einen Mauerdurchbruch macht, mal eben dort das Haus ein wenig umbaut, um mehr
Bier und mehr Flaschen lagern zu können, im Garten und auf der Terrasse Hopfen
anbaut, die Garage als Malzlager benutzt und, und, und…
Wir wurden im Garten des Hauses
mit leckerer Hausmannskost bewirtet – Wurst, Gurken, Brot, aber auch Kaffee und
Krapfen, und dazu floss das leckere Sudhang-Märzen in Strömen. Frau, Töchter
und Besucher – alle schleppten sie einen Zwei-Liter-Siphon nach dem anderen aus
dem Keller.
Ein herrlicher Nachmittag, den
nichts trüben konnte – nicht einmal das Gewitter, das uns ins Haus hineintrieb.
So drängelten wir uns denn mit fast vierzig Personen in das Wohn- und das
Esszimmer – und unsere Gastgeber verwöhnten uns weiter!
Der spätere Abend sah uns wieder
im Schloderer-Bräu – erneut ließ der Gastgeber dort je ein Fässchen Helles und
Dunkles springen, und wir futterten uns fleißig durch die Speisekarte. Als
hätten wir vorher am Sudhang nichts bekommen…
Viel zu schnell war es schon
wieder Sonntag, und das Ende der Tour nahte…
Um zehn Uhr morgens trafen wir
uns aber zunächst noch zu einem Rundgang durch die mittelalterliche Geschichte
der Stadt Amberg. Während uns eine nette Stadtführerin Episoden aus dem Leben
des örtlichen Henkers erzählte (und mit durchaus spürbarer Liebe zum Detail
grausige Einzelheiten aus dessen Berufsleben vor unserem geistigen Auge
auferstehen ließ…), führte sie uns an die verschiedenen Stätten seines Wohnens
und Wirkens. Plötzlich sprangen Schauspieler in Originalkostümen hinter Haus-
und Mauerecken hervor und spielten uns Szenen aus der damaligen Zeit vor,
banden uns auch selbst mit ein, und waren genauso plötzlich wieder wie vom
Erdboden verschluckt.
An der nächsten Stelle waren sie
wieder da, standen mitten unter uns, und schon bald hatten wir das Gefühl,
tatsächlich Jahrhunderte in der Zeit rückwärts gereist zu sein und mitten im
mittelalterlichen Amberg zu stehen.
Ein eindrückliches Erlebnis, von
dem wir noch lange während des leckeren, reichhaltigen Mittagessens in der Brauerei
Brückmüller zehrten, wo wir unsere diesjährige Tour langsam ausklingen ließen.
Noch einmal verkosteten wir örtliche Bierspezialitäten im herrlichen Ambiente
einer Brauerei, die das Glück hat, in historischen Mauern in einem ehemaligen
Franziskanerkloster untergebracht zu sein.
Ein würdiger Abschluss – und mir
bleibt an dieser Stelle als Chronist nur noch die ehrenvolle Pflicht, Hans Rolf
Linke und Arno Diener im Namen aller Tourteilnehmer von ganzem Herzen zu danken
für die Organisation einer Reise, die mit Sicherheit einen Höhepunkt des
Bierjahres 2008 für uns alle darstellte!
Städte Tour de Bier
2009 (Wien – Bier erleben)
Im Jahre 2008 hatte sich eine
Gruppe von knapp zehn Bierenthusiasten zu einer „Städtetour de Bier“ in Wien
getroffen – organisiert von Hans Rolf Linke und unterstützt von der „Kampagne
für Gutes Bier Österreich“ wurden mehr als ein halbes Dutzend Brauereien besucht
und besichtigt, eine Verkostung typisch österreichischer Bierspezialitäten
veranstaltet, und nicht zuletzt kamen auch Geschichte und Kultur nicht zu kurz.
Die Teilnehmer waren sich schnell einig: Das sollten wir wiederholen, und so
kam es vom 18. bis zum 22. März 2009 zu einer Neuauflage der „Städtetour de
Bier“ in Wien.
Start der diesjährigen
„Städtetour der Bier“ (www.tour-de-bier.de)
war die Stadtbrauerei Schwarzenberg (www.stadtbrauerei.at)
in der Wiener Schellinggasse. Ab sechzehn Uhr tröpfelten die Teilnehmer nach
und nach ein – großes Hallo, als wieder viele bekannte Gesichter dabei waren.
Brauer Andreas Hartl nahm sich gerne die Zeit, die zwölf Tourteilnehmer in
aller Ruhe und mit viel Liebe zum Detail in seine Sudanlage und den Lagerkeller
einzuweisen. Beides steht für das Publikum gut sichtbar und zugänglich mitten
im Schankraum, und während des Sudes kann jedermann dem Brauer über die
Schulter schauen. Natürlich gehörte auch eine Verkostung des Jungbieres aus dem
Gärtank dazu – wenn auch der eine oder andere skeptische Blick der
Tourteilnehmer etwas Unsicherheit ob der noch trüben „Hefebrühe“ ausdrückte.
Anschließend wandten wir uns dem
ausgereiften Bier zu und genossen das kräftig herbe Helle, das runde und
würzige Dunkle sowie das ausdrucksstarke Weizen. Und als Zugeständnis an die
Wiener Bierkultur gab es auch noch ein „Gemischtes“ – ein Panaché aus Hellem
und Dunklem. Ungewohnt für uns, aber durchaus schmackhaft. Und wenn sich auch
wieder Skepsis zeigte – besser, man mischt helles und dunkles Bier als dass man
Bier mit Cola, Limonade oder sonstigen Zutaten verfremdet! Die rustikale und
nahrhafte Küche der Stadtbrauerei Schwarzenberg tat ihr Übriges dazu, dass der
erste Abend einen erfolgreichen Einstieg in die Tour darstellte.
Der Donnerstag begann mit einer
etwas längeren Bahnfahrt, die die Gruppe vor die ostwärtigen Tore der Stadt
führte, nach Untersiebenbrunn. Manfred Bauer hat sich hier in den Jahren 2003
und 2004 einen Traum erfüllt und eine kleine Brauerei, das Marchfelder Storchenbräu
(www.bauersbier.at) aus dem Nichts
geschaffen. Ohne auf einer gewachsenen Tradition aufzubauen und vor allem ohne
Gastronomiebetrieb, das heißt, nicht als Gasthausbrauerei, sondern als
Brauerei, die in Flaschen und Fässern liefert, war das sicherlich ein mutiges
Unterfangen – aber ein erfolgreiches, wie wir heute sahen.
Mit viel Begeisterung zeigte uns
Manfred Bauer die Sudanlage, die Lagertanks und die sonstigen Gegebenheiten der
Brauerei – eine übersichtliche und zweckmäßige Blockanlage mit integrierten,
festen Leitungen und einer Lagerkapazität von 160 hl. Neben verschiedenen
Sorten Bier (Märzen, Pils, Bio-Bier, heller und dunkler Bock, Weizen) werden
hier auch Alcopops und Limonaden hergestellt und – wie das Bier auch – auf
einer eigenen Anlage abgefüllt, und an einer anderen Stätte stellt Manfred
Bauer auch verschiedene Bier- und Obstbrände her.
Wie er uns bei der anschließenden
Bierverkostung und leckeren Brotzeit erzählte, platzt die gerade erst sechs
Jahre alte Halle aus allen Nähten, und es gibt schon Pläne, einen Neubau im
gleichen Dorf, aber an anderer Stelle zu errichten – dann aber mit genügend
Platz, um bei Bedarf die Kapazität noch weiter ausbauen zu können.
Manfred Bauers Begeisterung für
seine Brauerei begleitete uns in Gedanken noch ein Stück des Weges, als wir uns
wieder in Richtung S-Bahn trollten. Während wir an dem einsamen Haltepunkt
Untersiebenbrunn im Schneetreiben auf den Zug warteten, wirkte es immer noch
ein wenig unwirklich, dass wir ausgerechnet hier, am gefühlten Ende der Welt,
in einem mit Verlaub völlig verschlafenen Dörfchen auf eine so erfolgreiche,
aufstrebende Brauerei gestoßen sind.
Der frühe Nachmittag bot uns nun
ein kleines Zeitfenster, individuellen Interessen nachzugehen, und während es
einen Teil der Gruppe nach Kaffee und Kuchen dürstete, drängte ein harter Kern,
die Gasthausbrauereiszene Wiens auf eigene Faust weiter zu erkunden. Wir fuhren
also ins Einkaufszentrum Brigitta-Passage, um das Brigitta-Bräu (www.brigittabraeu.at) zu besuchen.
Welch herbe Enttäuschung. Die
zwar hübsche junge Dame, die hier bediente, zeigte sich kurz angebunden und
uninteressiert am Umsatz und servierte uns lustlos jedem ein Glas des hier
gebrauten Bieres, eines sehr blumig riechenden und etwas unausgewogen, fast
schon leicht dumpf schmeckenden Hellen. Trotz groß beschrifteter
Schiefertafeln, die Anderes versprachen, gab es keine weiteren Sorten zu
verkosten, weder das Dunkle, noch das Weizen oder das Bockbier, und der doch ein
wenig schmuddelig wirkende Zustand der Brauanlage versprach auch nicht
wirklich, dass sich daran bald etwas ändern würde. Irgendwie konnten wir uns
des Eindrucks nicht erwehren, dass hier hinter den Kulissen schon längst die
Entscheidung gefallen war, die Brauerei zu schließen und den Gastbetrieb
langsam auslaufen zu lassen. Verstohlen sahen wir uns um, ob entsprechende
Mitteilungen schon in den Fenstern hingen.
Ob der Eindruck trog oder nicht –
wir werden versuchen, es im Internet zu verfolgen.
Nach diesem etwas frustrierenden
Erlebnis waren wir fast nicht mehr motiviert, auf dem Wege per U-Bahn auch noch
im Brauhaus „The Highlander“ (www.the-highlander.at)
vorbeizuschauen, aber wir rissen uns zusammen…
Zum Glück!
Welch ein Gegensatz zur
vorherigen Lokation! Eine junge, gut gelaunte und hübsche Dame bot an, die hier
auf dem kleinen 5 hl Sudwerk produzierten vier Biere in zweckmäßiger
Reihenfolge und in kleinen Gläsern auszuschenken – vom milden zum kräftigen
Bier, so dass wir auch sorgfältig verkosten konnten. Vom Lager über das Weizen
und das Märzen bis zum Stout sollte die geschmackliche Reise gehen.
Frohgemut begannen wir, aber
schnell wurden wir ein wenig nachdenklich ob des wunderlichen, aber nicht
unangenehmen Geschmacks des Lagers – und sofort hub wilde Spekulation an: „Das
ist der Hopfen!“ – „Seltsame Hefe verwendet!“ – „Vielleicht ein bisschen
umgeschlagen?“
Des Rätsels Lösung war viel
einfacher. Mit einem liebenswerten Lächeln kam die Bedienung und sagte: „Ich
glaube, ich habe mich verzapft – das war das Weizen!“
Nachdem wir dergestalt wieder auf
den Boden der Realität zurückgeholt worden waren, wollten wir natürlich mehr
über das Bier wissen, und bekamen angeboten: „Ich rufe einfach den Chef an. Der
ist hier in der Nähe, der kommt bestimmt gerne vorbei und erklärt Ihnen alles!“
Und genau so war es: Kaum fünf Minuten später stand Ulrich Schneider, der
Brauer, vor uns. Wir unterhielten uns angeregt und freuten uns, dass hier
jemand vor uns stand, der dem Brauen realistisch begegnete. Er mache kein
großes Hokuspokus, sondern braue einfach nach den Rezepten, die ihm schmeckten.
Und natürlich sei er sich dessen bewusst, dass bei geringerem Konsum das Bier
im Lagertank langsam weiterreife und so stetig seinen Charakter leicht
verändere. Aber das sei ja gerade das Schöne an seiner kleinen
Gasthausbrauerei, dass der Kunde Bier wieder als ein lebendiges Naturprodukt
kennenlerne.
Was konnten wir anderes, als
Ulrich aus vollstem Herzen zuzustimmen – die gerade getrunkenen Biere
(vielleicht mit Ausnahme des Stout, das ein kleines Bisschen unharmonisch
wirkte und noch nicht ganz ausgereift schien – obwohl es durchaus schon gut
schmeckte) hatten ja mit ihrem wunderbaren und individuellen Geschmack kräftig
zu dieser Überzeugung beigetragen! Und die Gäste am Nachbartisch sahen es wohl
genauso, denn im Nu waren wir mit ihnen in eine fröhliche Bierdiskussion
verwickelt und begannen, die Wiener Bierszene von allen Seiten zu beleuchten.
Die Zeit verflog, und wir waren
mittlerweile völlig aus unserem Zeitplan herausgefallen… Im Wiedenbräu (www.wieden-braeu.at) saßen die anderen
schon seit einer Stunde und warteten auf uns, Kaffee und Kuchen waren schon
lange vorbei…
Wir eilten durch die Stadt und
kamen natürlich zu spät zur Brauereibesichtigung, die der junge Brauer, Herr
Czirnich, durchgeführt hatte. Aber noch nicht zu spät, um eine leckere
Kleinigkeit (jedenfalls hatte die junge Dame, die uns bediente, die riesigen
Portionen als „Kleinigkeit“ bezeichnet…) zu essen und die fünf angebotenen
Bierspezialitäten zu verkosten: Märzen, Osterbier, Hell, Alt und Dunkel. Wenn auch
das Alt viel zu hell und damit nicht ganz stilecht war, waren doch alle fünf
Biere lecker und interessant. Schade nur, dass wir so schnell trinken mussten
und wenig Zeit für ausgiebigen Genuss blieb…
…denn inzwischen waren die
anderen schon vorausgefahren zur berühmten Bierkneipe „Känguruh“ (www.känguruh-pub.at) , wo Britta Dolenc
und Dietmar Eder von der „Kampagne für Gutes Bier Österreich“ (www.kgbier.at) mit einer Bockbierverkostung
schon auf uns warteten.
Als wir endlich nachkamen, konnte
es beginnen. Sieben interessante, individuelle und charaktervolle Bockbiere
warteten auf uns. Vom blumigen, fast schon parfümartigen Weihnachtsbock über
einen runden, fruchtigen Weizenbock oder ein Tripel mit belgischem Charakter
bis hin zum wohl berühmtesten Bockbier, dem Samichlaus mit 14% Alkohol, war
alles vertreten – Dietmar und Britta erläuterten uns die verschiedenen Biere
und freuten sich mit uns über die Vielfalt der Aromen und Geschmackserlebnisse.
Wir waren dicht dran an unserer
individuellen Belastungsgrenze, als wir den heutigen Tag nach insgesamt 25
verkosteten Bieren, vier Brauereien und einer Bierkneipe beendeten…
Der Freitag sah uns gleichwohl
wieder in alter Frische. Der strahlende Sonnenschein und der frische Wind taten
ihr Übriges, uns wieder wach zu rütteln.
Erste Station war heute das
Wirtschaftsmuseum (www.wirtschaftsmuseum.at),
in dem uns das Mitglied der „Kampagne für Gutes Bier Österreich“, Herr Gerhard
Halusa, eine Führung bot, die Ihresgleichen sucht. Gerhard Halusa ging mit uns
auf eine Zeitreise zurück ins alte Wien vor über hundert Jahren, in die „Gute,
alte Zeit“, und er bewies uns, dass sie so gut wohl gar nicht war und viele
Dinge in Verklärung falsch wahrgenommen werden. Interessante Ausstellungsstücke
und farbige, fast schon drastische Schilderungen ließen uns am Leid und Elend
der Arbeiterklasse vor hundert Jahren teilhaben.
Für die Interessierten unter uns
wartete dann noch ein Kaffeemuseum im gleichen Gebäude auf uns (die Ausstellung
nennt sich nicht ohne Humor „Kaffee Kompetenz Zentrum“) und eine
Sonderausstellung über Dr. Carl Auer von Welsbach, den berühmten Wiener Sohn,
Erfinder, Naturwissenschaftler und Gründer der Firma „Osram“.
Mittlerweile war der Vormittag
schon weit vorangeschritten, und so schritten auch wir – nämlich durch den Park
von Schloss Schönbrunn, zum Eichhörnchen füttern. Nun, das war zwar nicht sehr
bierbezogen, kam aber beim weiblichen Teil unserer Gruppe gleichwohl
hervorragend an.
Es hatten aber nun nicht nur die
Eichhörnchen Hunger, sondern die Brauer und Bierfanatiker ebenfalls – und so
kehrten wir im „Brandauer‘s Schlossbräu“ (www.bierig.at)
zum Mittagessen ein. Der Name „Schlossbräu“ ist ein wenig irreführend, denn
hier wird gar nicht selber gebraut. Thomas Brandauer betreibt insgesamt vier
Biergaststätten in Wien, für die er bei der Brau Union Österreich ein Hausbier
produzieren lässt. Und daneben bietet er immerhin die stolze Zahl von sieben
weiteren gepflegten Fassbieren an. Wir waren also nicht unzufrieden und
kosteten uns durch die Reihe der Biere, vom Hausbier über das Zwickel, das
Original und das Dunkle der Zwettler Brauerei, aber auch die Puntigamer
Brauerei mit ihrem Panther und Gösser mit der Spezialabfüllung waren vertreten.
Der Zufall wollte es, dass wir
auch mit Thomas Brandauer selbst ins Gespräch kamen – durch unsere Fahne mit
dem Logo der „Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer Deutschlands e.V.“ (www.hausgebraut.de) auf uns aufmerksam
geworden, lud er uns für den nächsten Tag in sein Lokal „Brandauer‘s Bierbögen“
(www.bierig.at) ein und „köderte“ uns
zusätzlich mit dem Versprechen, jedem ein Glas mit den Logo dieses gerade erst
frisch eröffneten Lokals zu schenken.
Wir nahmen das Angebot gerne an
und fügten unserem Programm für Sonnabend eine weitere Station hinzu – der
freie Nachmittag fiel dem zum Opfer…
Nachdem wir die herrliche
Atmosphäre im klassisch-schön geschmückten Schlossbräu ausgiebig genossen
hatten und uns lang genug mit dem freundlich-frechen Kellner geneckt hatten,
fuhren wir zum Mariahilfer Bräu (www.mariahilferbrau.com-a.googlepages.com)
in der gleichnamigen Straße im gleichnamigen Stadtbezirk. Auch hier keine echte
Brauerei, aber ein Hausbier (origineller Weise natürlich auch „Mariahilfer“
genannt…), serviert in netter Atmosphäre. Hier trafen wir auch wieder auf
Britta Dolenc und Dietmar Eder von der KGBier, die für den Rest des Tages nun
auch die Führung übernahmen.
Nach der Verkostung des
Mariahilfer und der hier ebenfalls angebotenen Paracelsus der Stieglbrauerei (www.stieglbrauerei.at) liefen wir durch
die Gassen zum Bauernbräu (www.bauernbraeu.com)
im Arik Brauer Haus (de.wikipedia.org/wiki/Arik-Brauer-Haus).
Das durch seine Architektur und seinen Stil berühmte Gebäude beherbergt im
Innern eine Bierbar, in der ein Bier aus der Steiermark ausgeschenkt wird –
drei interessante Sorten, das „Hausbier“, das „Bauernbier“ und „Das Dunkle“.
Jedes für sich interessant, wenn wir uns auch ein wenig unsicher waren, welchem
Stil wir das jeweilige Bier zuordnen sollten. Alle drei Biere wirkten, als
hätte der Brauer „einfach drauflos gebraut“ – aber wir wollen dies nicht
negativ sehen, denn geschmeckt haben die Produkte unzweifelhaft! Und darauf
kommt es an.
Die nächste Station war die
Feuerstein-Bar (www.feuerstein-bar.net),
ein kleines und gemütliches Biercafé, das wir mit 14 Personen ziemlich füllten.
Drei interessante Kärntner Biere, und zwar das „Schnaitl“, das „Villacher
Zwickel“ und das „Piestinger Schneeberglandbier“ – letzteres mit Sicherheit
Kandidat für die Kür zum Bier mit dem poetischsten Namen unserer Tour.
Den Abschluss für den heutigen
Tag bildete das Siebensternbräu (www.7stern.at)
in der gleichnamigen Gasse. Hier hatten wir im letzten Jahr unsere Tour mit
einer detaillierten Brauereibesichtigung begonnen, so dass wir uns in diesem
Jahr auf das Verkosten und das leckere Essen konzentrieren konnten. Der Name
Siebenstern ist Programm, und so kämpften wir uns durch sieben verschiedene
Biere: Osterbock, Bamberger Rauchbier, Märzen, Prager Dunkles, Hanfbier und
Chilibier. Gerade die letzten beiden Biere verdienen gesonderte Erwähnung. Das
Hanfbier, weil es im Gegensatz zu vielen anderen Hanfbieren nicht zu blumig und
fast schon parfümiert wirkt, sondern einen kräftigen, herben und gleichzeitig
sanft hanfaromatischen Geschmack hat. Sehr ausgewogen. Und das Chilibier, weil
es einfach die Krönung des Abends darstellte. Richtig schön scharf. Gerade an
der Grenze dessen, was noch „schön scharf“ und gerade noch nicht „zu scharf“
ist. Ein waghalsiger Balanceakt am Rande des Zumutbaren, den der Brauer aber offensichtlich
souverän beherrscht. Neben der Schärfe blieb noch Raum für ein feines
Chiliaroma – was will man mehr?
Bis Mitternacht hockten wir hier fest. Die
Gespräche mäandrierten durch die Welt des Bieres, durch die Wiener, die
Österreicher, die deutsche und durch die globale Bierszene –
naturwissenschaftlich exakt oder eher pragmatisch rustikal – vom
temperaturabhängigen Isomerisierungsgrad der α-Säure bis zur Menge des
trinkbaren Bieres pro Person und Zeiteinheit waren alle Themen vertreten und
die Zeit verflog im Nu.
Für den Sonnabend hatte die Reiseleitung in Person
des Hans Rolf Linke ein Erbarmen und setzte den ersten Treffpunkt erst um elf
Uhr an. So konnten wir doch ein wenig ausschlafen und uns erholen, bevor wir
uns aufmachten zum Christian Eipeltauer (www.eipeltauerbier.at).
Wäre der Ausdruck durch die Boulevard-Presse nicht
schon so arg abgenutzt, würde ich nun von einem „Urgestein“ sprechen – wie
anders soll man den die Energie, den Elan und den nicht zu stoppenden Humor des
Christian Eipeltauer beschreiben? Er hatte uns bereits bei der letzten Tour
2008 geradezu überrollt mit seinem Schwung und seiner Begeisterung, und bereits
da war klar gewesen, dass wir hier wieder herkommen würden.
Und auch heute wieder riss er uns mit, zeigte, was
er seit letztem Jahr alles umgebaut hat, servierte uns eine leckere Brotzeit
und ließ uns seine Bierspezialitäten verkosten: Ein leckeres Märzen, ein
bombiges Vienna Bitter Ale und ein experimentierfreudiges Zimtbier.
Zwischendurch lustige Sprüche und Geschichten vom letzen Konzert und Christians
sonstigen Aktivitäten. Seien es die wöchentlichen Livekonzerte, die jeden
Donnerstag Abend hier stattfinden und enorm davon profitieren, dass hier im
Industriegebiet keine Anwohner sind, die sich von der Musik und dem Geschrei
gestört fühlen könnten, oder seien es Events wie der Bierbus, als Christian
Eipeltauer einen Bus der städtischen Linien mit Schankanlage ausstattete,
Livemusik an Bord organisierte und kreuz und quer durch Wien tourte.
Immer unter Dampf, immer voller neuer Ideen – für
uns ist der Eipeltauer eine Erlebnisbrauerei vom Feinsten. Und unausgesprochen
war klar: Sollte es 2010 wieder zu einer Städtetour de Bier nach Wien kommen,
diese Station gilt als gesetzt. Vielleicht sogar auf den Donnerstag Abend, um
beim Konzert dabei sein zu können?
Uns schwirrte noch der Kopf, als wir die wenigen
hundert Meter zu den Brandauer’s Bierbögen liefen. Hier fanden wir ein wenig
Ruhe (die auch dringend nötig war), leckere Biere, interessante Gespräche,
reichlich Süßspeisen (die Palatschinken waren eine Wucht) und eine
beeindruckende Innenarchitektur, die in die achtzehn Meter hohen Bögen, auf
denen die Schnellbahn fährt, geschmackvoll eingepasst ist – moderne
Designelemente und Farben sind kombiniert mit dem alten Originalgemäuer und
laden das Auge zum Umherwandern ein. Wobei unsere Augen immer an dem
eindrucksvollen Bierregal verweilten – anderswo findet man den Brockhaus oder
Mayer’s Konversationslexikon, hier stehen Bierflaschen in ähnlicher
Präsentation aufgereiht…
Zum Abschluss löste Thomas Brandauer, der zwar
nicht vor Ort sein konnte, aber sein freundliches und schnelles Personal
entsprechend informiert hatte, sein Versprechen ein und schenkte jedem von uns
ein Glas mit dem Brandauer Logo.
Bis zum Abendprogramm hatten wir nun wieder etwas
Zeit, individuell etwas zu unternehmen, und kamen auf die Idee, mit der
Straßenbahn nach Grinzing zu fahren. Nein, natürlich nicht zu den Heurigen, wie
der geneigte Leser jetzt meinen mag… Nein, hier gibt es eine Wirtschaft, das
Grinzinger Bräu (www.grinzingerbraeu.at),
das drei eigene Biere ausschenkt, die zwar nicht im Lokal selbst gebraut werden
(die kleine Sudanlage, die im Eingangsbereich der Wirtschaft steht, hat leider
nur musealen Charakter und ist außer Betrieb), aber echte Hausbiere sind.
Wir setzten uns an einen großen Tisch (denn aus
der individuellen Unternehmung hatte sich ergeben, dass doch die ganze Gruppe
hier hochgefahren war) und freuten uns daran, dass in eben diesen Tisch eine
Zapfanlage mit Zählwerk eingebaut war, mithilfe derer wir unser Bier selber
hätten zapfen können. Da wir aber so viel Zeit nun auch nicht mitgebracht
hatten und auch lieber die Sortenvielfalt genießen wollten, statt ein einziges
Bier in größeren Mengen zu trinken, ließen wir diese Chance ungenutzt
verstreichen – sehr zum Bedauern des einen oder anderen.
Trotzdem war es ein nahrhafter und durststillender
Nachmittag. Obwohl, hatte wirklich noch jemand Durst? Oder war es doch nur
wieder das unstillbare Verlangen nach weiteren, interessanten Biererlebnissen?
Die letzte Station für heute, das Kadlez-Bräu (www.kadlez.at), begann mit einer leichten
Verspätung – die Fahrerei mit Straßen- und U-Bahn dauerte doch ein wenig länger
als vorgesehen. Kaum hatten wir aber Platz genommen, kam ein junger Mann zu uns
an den Tisch: „Grüß Gott! Ich bin der Christian Schneider. Wenn’s Bier
schmeckt, bin ich verantwortlich, wenn nicht, dann such‘ ich den Fehler in der
Anlage!“
Und mit der gleichen Fröhlichkeit und dem gleichen
Humor begleitete uns Christian nun den ganzen Abend. Er zeigte uns alle Details
seiner Brauerei, erzählte uns über die Geschichte des Betriebes, die Herkunft
des Namens „Kadlez“ und seine Pläne, die Brauerei weiter zu entwickeln. Unter
dem Motto „Bier 21“ hat Christian persönlich einen neuen Markenauftritt
kreiert, der uns in Bezug auf grafische Gestaltung und Farbgebung überzeugt
hat. Dezente Eleganz, gedeckte, aber trotzdem nicht altbacken wirkende Farben –
sehr ansprechend!
Und auch zu jedem seiner Biere wusste Christian
Schneider etwas zu erzählen, ob es nun das Zwickel, das Pils oder das
Alt-Wiener Märzen war. Krönung war dann die Verkostung eines Bockbieres aus dem
Vorjahr, von dem Christian noch einige, wenige Liter für wahre Bierkenner in
der Hinterhand hatte – ein brauner Bock mit Lakritz- und
Schwarze-Johannisbeer-Aromen, der förmlich über die Zunge schmolz.
Britta und Dietmar von der „Kampagne für Gutes
Bier“ waren inzwischen wieder zu uns gestoßen, und so verging der Abend bei
Fachsimpeleien, bis uns die letzte Straßen- und U-Bahn vor der Nase weggefahren
war und wir mit dem Taxi zurück ins Hotel mussten. Aber diesen zusätzlichen
Preis war uns der Abend heute wert gewesen – unterhaltsam, lehrreich und
nahrhaft.
Offiziell hatte damit die diesjährige „Städtetour
de Bier“ ihr Ende gefunden. Inoffiziell trafen sich diejenigen, deren Flieger
erst am späteren Nachmittag ging, noch zum Frühschoppen im Bierfink (www.bierfink.at) in Ottakring, direkt neben
der Brauerei, und ließen die vergangenen Tage bei einem Abschlussbier noch
einmal Revue passieren.
Wien – eine Stadt, die man aus
deutscher Perspektive nicht zuallererst als Biermetropole identifizieren würde.
Aber auch die diesjährige „Städtetour de Bier“ hat wieder bewiesen, dass sich
hinter den Mauern dieser vordergründig eher dem Wein zugewandten Stadt
einzigartige Kleinodien der Braukunst finden lassen und dass in den kleinen
Gassen und Kneipen eine Bierkultur lebt, die in ihrer Vielfalt und Farbigkeit,
in ihrer Experimentierfreude und Unvoreingenommenheit durchaus vorbildlich
genannt werden kann.
Also, auf ein Neues in 2010?
Städtetour de Bier 2009 – Wien
Vor fünf Jahren hatte die erste
Tour de Bier stattgefunden, mit einem kleinen Häufchen Bierbegeisterter, und
über die Jahre hinweg wurden es mehr und mehr Teilnehmer. Im Jahr 2009, als das
Städtchen Mainburg im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stand, waren es schon an
die 50 alte und neue Gesichter, die sich am 8. Mai um 14:45 Uhr im Gasthof
Seidlbräu für ein Bierwochenende in Mainburg und Umgebung trafen.
Herr Willi Mitter von der Firma
Steiner-Hopfen begrüßte uns in Mainburg und nahm uns zunächst mit auf eine etwa
anderthalbstündige Wanderung durch Wiesen, Hopfengärten und Wälder. Bei
herrlichem Sonnenschein erzählte er uns über die Geschichte des Hopfens in der
Region, über die wechsel- und zum Teil auch leidvolle Geschichte der Familie
Steiner, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung in der Zeit des III. Reichs in
die Vereinigten Staaten übersiedelte und dort die Firma Hopsteiner gründete,
und auch über den Pfarrer Augustin Wagner, der kurz vor Ende des Zweiten
Weltkriegs auf dem Kirchturm die weiße Flagge gehisst hatte. Zwar rettete er
dadurch den Ort Ebrantshausen vor unnötiger Zerstörung, aber zur Strafe wurde
er im Wald von den SS-Schergen ermordet. Zu seinem Gedenken wurde eine Kapelle
errichtet, die wir besuchten und in deren Gästebuch wir uns auch eintrugen.
Gegen 16:45 Uhr erreichten wir
der Hof der Familie Bogenrieder, einem der Hopfenbauern, die für die Firma
Steiner Hopfen anbauen und liefern. Herr Bogenrieder baute mit uns geschwind
einige Biertische und –bänke inmitten des Hopfengartens auf. Im Nu war ein
Lagerfeuer entfacht, und bei zwei Fässern Ziegler-Bräu konnten wir
Steckerlwürste am Lagerfeuer grillen und uns an frischem Bauernbrot erfreuen.
Die Zeit verflog nur so, und erst ein herannahendes Gewitter konnte uns aus dem
Hopfengarten vertreiben.
Für den eigentlich geplanten
Besuch der Ziegler-Brauerei war es nun schon zu spät geworden, und so
besichtigten wir stattdessen die Kirche in Ebrantshausen, bevor uns Herr
Bogenrieder zurück nach Mainburg fuhr.
Bei Brotzeit und – leider nur
kommerziellem – Bier aus Münchner Großbrauereien klang dann der erste Tag im
Schankraum des Seidlbräu aus. Erinnerungen und Fotos der letzten Touren wurden
ausgetauscht und auch das eine oder andere Hausbräu fand seinen Weg in die
durstigen Kehlen der Bierliebhaber.
Der Sonnabend früh begann ruhig.
Erst gegen 09:45 Uhr stand der Bus vor dem Seidlbräu und brachte uns zunächst
zur Firma Steiner-Hopfen.
Herr Mitter, der uns gestern
schon begleitet hatte, und Herr Joachim Gehde stellten uns die Firmenstruktur
und die Produktpalette in Form einer kurzen Präsentation vor – für eine
ausführliche Besichtigung des Betriebes selbst sah unser Programm aber leider
keine Zeit vor. Wir nahmen also nur eine Nase voll Hopfenaroma mit, als wir
wieder in den Bus stiegen und zur Lampl-Bräu in Larsbach fuhren.
Die Lampl-Brauerei ist erst vor
etwa zehn Jahren entstanden und konzentriert sich abgesehen von saisonalen
Bieren im Wesentlichen auf drei Sorten – ein Weißbier, ein mildes
Hopfenzupferbier und auf ein richtig knackig gehopftes Pilsener. Die Sudanlage,
so erläuterte uns der Eigentümer, Herr Gerhard Stanglmayr, sei im Wesentlichen
von ihm selber geplant und mit viel Eigenarbeit auch in weiten Teilen selbst
gebaut worden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die kleine, aber schmucke
Anlage war picobello, und auch in den Nebenräumen – dort, wo sonst oft weniger
Ehrgeiz auf Ordnung und Originalität gelegt wird – war alles ordentlich und
ansprechend hergerichtet. Insbesondere die Treppengeländer wirkten originell,
waren sie doch aus Platten eines Plattenkühlers geschweißt.
Nach dem Rundgang nutzten wir
noch die Gelegenheit, die Biere vor Ort zu verkosten und entdeckten dabei im
Garten des Herrn Stanglmayr einen Grill, des aus einem alten 150 l Bierfass
geschweißt war – die Hobbybrauer und Wochenendgriller sammelten sich in Scharen
dort und waren begeistert…
Inzwischen war es bereits später
Vormittag, und als nächste Station wartete das Mekka der Bierbrauer auf uns:
Die Staatsbrauerei Weihenstephan und die Fakultät für Brauwesen! Der Bus
brachte uns bis fast vor den Eingang des Bräustüberls, und wir ließen uns
zunächst ein ordentliches Mittagessen schmecken. Das Essen war prima, die
Bierkarte sehr umfangreich, und so konnten wir hier einige leckere Biere vom
Fass verkosten. Und zusätzlich aus der Flasche einen hervorragenden Weizenbock,
den Vitus.
Wir hatten das Glück, dass wir
von einer aufmerksamen und blitzschnellen jungen Dame bedient wurden
(Herzlichen Dank, Barbara!), denn in anderen Bereichen herrschte offensichtlich
ein recht unorganisiertes Treiben. Die Terrasse, obwohl noch lange nicht voll
besetzt, wurde mit der Begründung, es wäre überfüllt, geschlossen, und eine
Kellnerin erdreistete sich sogar, einen Reisebus aus Slowenien wieder
fortzuschicken – es gäbe keine Plätze mehr.
In Wirklichkeit war das
Bräustüberl bei weitem nicht ausgereizt – wohl aber die Organisation der
Bedienung. Ein heilloses Durcheinander herrschte, und wenn zum wiederholten Mal
von unterschiedlichen Kellnern am gleichen Tisch gefragt wird, ob man schon
bestellt habe, zeugt das von zwar motivierten Kellnern, aber wirklich
schlechtem Management.
Nun, wir hatten ja, wie gesagt,
mit Fräulein Barbara Glück gehabt und wandten uns nach dem Essen der Fakultät
für Brauwesen zu.
Für zweieinhalb Stunden öffneten
sich unter der Leitung von Herrn Josef Englmann die Türen ins Allerheiligste.
Wir konnten alle Labors, Hörsäle, Lagerräume und Besprechungsräume
besichtigten, und zu jedem Raum, zu jedem Gerät, zu jeder Ausstattung konnte
Herr Englmann Geschichte und Geschichten erzählen. Vielen von uns war bisher
wohl gar nicht bewusst gewesen, wie viel Wissenschaft hinter unserem
Lieblingsgetränk stehen kann, wie viel Forschung betrieben wird, um die
Effizienz der Bierproduktion zu steigern, wie viel wissenschaftliche
Detektivarbeit nötig ist, um den Ursachen für einen Geschmacksfehler auf die
Spur zu kommen, und wie viel Ehrgeiz und Geduld investiert wird, um die Gründe
für ganz banale Probleme herauszufinden.
Ein Beispiel, dass sich durch fast
alle Erzählungen zog, war das sogenannte „Gushing“, also das unkontrollierte
Überschäumen des Bieres kurz nach dem Öffnen der Flasche. Vom Verbot der
Quecksilberbeize auf den Weizenfeldern über bestimmte Pilzsorten und deren
Wachstum im Getreidekorn bis hin zu physikalisch-chemischen Abläufen gibt es
immer noch zahlreiche Faktoren, die weiter zu erforschen sind – und der exakte biochemische
Mechanismus, wie es zum „Gushing“ kommt, ist immer noch nicht klar.
Als wir gegen 17:00 Uhr wieder
zum Bus mussten, hatten wir nur einmal hinein geschnuppert in die Welt der
Bier-Wissenschaft, aber die Begeisterung von Josef Englmann hatte uns schon
angesteckt. Ein eindrucksvolles Erlebnis.
Nach so viel Theorie stand nun
aber wieder die sensorische Praxis auf dem Plan, das heißt, wir fuhren zur
Ziegler-Brauerei in Mainburg und machten es uns dort auf der Terrasse bei
Weißbier, Hellem und Kellerbier gemütlich. Ein eigens für uns engagierter
Musiker spielte auf, und diejenigen, die von der Theorie immer noch nicht genug
hatten, machten mit Wolfgang Randeltshofer eine Brauereibesichtigung.
Durch Anbauten an den Altbau,
Erweiterungen und Umbauten ist die Brauerei zu einem wahren Labyrinth geworden.
Zahlreiche Räume, Keller, Türen, Stiegen und Treppen ließen uns Besucher rasch
die Orientierung verlieren. Hinter jeder Öffnung eine neue Überraschung. Hier
noch ein paar Gärtanks, hier ein Plattenfilter, hier ein paar Lagertanks. Ach ja,
dort das Limonadenlager, aber da auch noch die Flaschenabfüllung. Und um die
Ecke auch noch mal ein Gärtank, diesmal für das Obergärige. Außer dem Brauer
selber kennt hier wohl niemand mehr alle Ecken…
Aber es war ein schönes Erlebnis,
geprägt von der Begeisterung Wolfgang Randeltshofers für seinen Beruf.
Zurück auf der Terrasse wurde nun
wieder dem Gerstensaft zugesprochen, und bei guter Laune, lustigen Sprüchen und
recht schrägem Gesang verflog der Abend, bis ein Gewitter uns in die
überdachten Bereiche des Biergartens trieb.
Sonntag, der 10. Mai, und das
Ende der Tour de Bier nahte schon wieder. Die ersten mussten sich nach dem
Frühstück schon verabschieden, aber ein Teil der Gruppe konnte den Vormittag
noch für einen Stadtbummel durch das nette Zentrum Mainburgs nutzen.
Insbesondere der Mainburger Eisenmarkt, der heute bei strahlendem Sonnenschein
stattfand, bot noch die Möglichkeit für Kurzweil und – falls für den einen oder
anderen in den Tagen vorher immer noch nicht ausreichend… – für kulinarische
Erlebnisse unterschiedlichster Art.
Und selbstverständlich kam die
Bierkunde selbst am letzten Tag nicht zu kurz, beherbergt doch die ehemalige
Mainburger Knabenschule inzwischen das „Hopfen- und Heimatmuseum“ der Stadt
Mainburg – ein interessanter Programmpunkt des Sonntagvormittages.
Mit einer kurzen erneuten Einkehr
beim Zieglerbräu, während der die Organisatoren die Gelegenheit nutzten,
Wolfgang Randeltshofer für seine Unterstützung zu danken, ging dann die
diesjährige Tour de Bier endgültig zu Ende – definitiv aber in dem Bewusstsein,
dass es auch im nächsten Jahr eine Neuauflage geben wird.
Städtetour de Bier 2010 (Wien /
Brünn)
Prolog
Zum dritten Mal fand heuer, also
im Jahr 2010, die „Städtetour de Bier“ statt – und zum dritten Mal trafen wir
uns an einem Mittwochnachmittag in einer Wiener Brauerei. Das „Highlander“ am
Sobieski-Platz war es diesmal, das als Ausgangspunkt unserer viertägigen
Exkursion dienen sollte.
Mittwoch, 17. März 2010
Groß war das Hallo, als am 17.
März 2010 gegen 17:30 Uhr die altbekannten Gesichter sich wieder gegenüber
saßen, und bei leckerem Hellen, Märzen, Weizen und Stout wurden die Geschichten
und Geschichtchen ausgetauscht, die sich seit der letzten Tour ereignet hatten.
Erstmalig dieses Jahr dabei war Karl Prochazka von der österreichischen
Kampagne für Gutes Bier, der uns für Donnerstag ein besonderes Schmankerl
angeboten hat: Eine Tour nach Brünn / Brno in Tschechien und ein Besuch bei den
dortigen Brauereien und Brauhäusern.
Doch gemach, für heute galt es
erst, die kleine, aber feine 5-hl-Sudanlage im „Highlander“ näher in
Augenschein zu nehmen. Eine Sudanlage der Firma „Bier-Lilly“ aus Wien, die vor
zehn Jahren hier in der Gaststube installiert worden war und seitdem klaglos
ihren Dienst verrichtet. Klaglos – glücklicherweise, denn die
Installationsfirma „Bier-Lilly“ gibt es schon seit einer geraumen Weile nicht
mehr, und jeder kleine Schaden könnte sich dadurch schnell zu einem etwas
größeren Aufwand entwickeln.
Mit viel Begeisterung zeigte uns
Ulrich Schneider die Anlage und seinen Gär-und Lagerkeller, und wir merkten
schnell, dass hier jemand braut, der zwar nicht aus Passion, aber doch aus
einem guten und angemessenen Zugang zu unser aller Lieblingsgetränk heraus
ordentliche und solide Biere für den Alltagskonsum in seiner gemütlichen Kneipe
schafft.
Ein kleines Abendessen noch, und
dann ließen wir es für heute aber auch schon gut sein – schließlich sollte es
am nächsten Tag in aller Frühe am Bahnhof Praterstern schon wieder los gehen.
Donnerstag, 18. März 2010
Der Donnerstag begann, wie
geplant – wenige Minuten vor neun Uhr am Bahnsteig 1. Verstärkt durch eine
Delegation der KGBier bestiegen wir den Eurocity in Richtung Brünn. Anderthalb
Stunden Fahrt vergingen im Flug, weil uns Karl mit viel Liebe zum Detail und
einer gehörigen Portion Wiener Humors allerlei Wissenswertes zu der Gegend und
den Orten, durch die wir fuhren, nahebrachte. Eisenbahnen,
Industrieentwicklung, österreichische, slowakische und tschechische Geschichte
– die Palette an dargebotenen Informationen war vielfältig und bunt. Und noch
bunter war die sich dann anschließende Bierverkostung mit ein paar Bieren der
Breznak Brauerei aus Vyskov.
Gegen halb elf erreichten wir
Brünn, fuhren noch schnell drei oder vier Stationen mit der Straßenbahn, und
dann waren wir auch schon direkt an der altehrwürdigen Brauerei „Starobrno“.
Obwohl – rasch sollte sich herausstellen, dass es mit der Altehrwürdigkeit
nicht mehr so weit her ist. Hatte die Brauerei die Jahrzehnte des Kommunismus
noch weitgehend gut überstanden und anschließend für einige wenige Jahre ihre
neugewonnene Freiheit und Unabhängigkeit genossen, war sie dann doch vor einigen
Jahren vom Heineken-Konzern übernommen worden. Ein gnadenloses
Modernisierungsprogramm rollte über die Brauerei hinweg, und riesige
Edelstahl-Sudkessel und zylindrokonische Gärbehälter zeugen von neuer
Effizienz.
Originalität und Eigenständigkeit
der hier produzierten Biere blieben dabei auf der Strecke – und nicht nur
alteingesessene Brünner Bürger klagen, dass das Bier früher um Größenordnung
charaktervoller geschmeckt habe. Schlecht schmeckt es auch heute nicht, dafür
steht die perfekte Qualitätskontrolle eines Großkonzerns, aber individuell halt
auch nicht mehr. Ob nun Starobrno auf der Flasche steht, Heineken oder was auch
immer – was bleibt, sind helle Lager und schlanke Dunkelbiere für den
Massengeschmack. Angesichts einer Jahreskapazität von einer Million Hektolitern
nur konsequent.
Der netten Dame, die uns mit Herz
und Begeisterung auf Deutsch durch die Brauerei geführt hat, sei an dieser
Stelle trotzdem herzlich Danke gesagt – hat sie uns doch durch ihre freundliche
und geduldige Art zwischendurch immer wieder vergessen gemacht, dass wir uns
nicht in einer kleinen Regionalbrauerei sondern in einer Bierfabrik eines
Weltkonzerns befanden.
Die sich im Restaurant
anschließende Bierverkostung eines Hellen und eines Dunklen und der kurze Blick
in den Souvenirladen der Brauerei (Ja, was ist das denn? Clausthaler?) rundeten
unseren Besuch ab, und wir wandten uns neuen Aufgaben und Zielen zu.
Als da zunächst die
Orientierungsaufgabe war: Wo sind wir? Wo ist die Gasthausbrauerei „Pegas“? Und
wie kommen wir da am schnellsten hin?
Karl Prochazka erwies sich auch
hier wieder als hervorragender Führer. Wir sausten durch die Gassen des
frühlingswarmen Brünns und erreichten das „Pegas“ pünktlich zur reservierten
Zeit. In einem Seitenraum setzten wir uns an einen großen Tisch und ließen uns
nicht nur die vier Biersorten (Hell, Weizen, Schwarzbier und Goldener Bock)
schmecken, sondern auch hervorragende Beispiele bodenständiger und trotzdem
gewitzter böhmischer Küche. Angesichts des Massenbetriebes hier ein lautes „Hut
ab!“ an die Küchenbrigade, die das Essen blitzschnell, appetitlich dekoriert
und angerichtet und vor allem außerordentlich schmackhaft auf den Tisch
brachte.
Die Biere hingegen überraschten
uns – zwar ist Diacetyl bei tschechischen Bieren sicher kein Qualitätsmangel,
aber in dieser Intensität, wie sie das Helle und der Goldene Bock aufwiesen,
war es doch schon gewöhnungsbedürftig. Und dass das frische, fruchtige Weizen
leider mit einer Zitronenscheibe serviert wurde, war auch eine Überraschung –
leider der negativen Art, denn das hervorragende Bier hätte dieser Art des
geschmacklichen Aufpeppens nicht bedurft. Und so gipfelte der Unmut darob auch
in der giftigen Bemerkung: „Ich habe ein Weizenbier bestellt, und keinen
Obstsalat mit Bierdressing!“
Trotzdem fühlten wir uns wohl,
und in der Summe schmeckte es ja auch hervorragend. Einer der Geschäftsführer
nahm sich noch die Muße und zeigte uns die Sudanlage und den Lagerkeller, und
fasziniert stellten wir fest, dass es sich bei dem Sudhaus – vermutlich, weil
es eine Art Pioniertat gewesen sein muss, als die Pegas-Brauerei Anfang der
90er Jahre gegründet worden war – um ein einzigartiges Gemeinschaftswerk der
drei Konkurrenten Caspary, Kaspar Schulz und Ziemann handelt. Stolz war diese
Kollaboration auf dem Typenschild der Brauerei vermerkt.
Zum wiederholten Male war die
Zeit viel zu schnell verflogen. Ein Spaziergang durch die sonnenbeschienene
Brünner Fußgängerzone brachte uns zurück zum Bahnhof, und der Eurocity fuhr uns
zuverlässig zum Wiener Praterstern. Schnell noch in die S-Bahn umgestiegen, und
nach wenigen Minuten waren wir in Floridsdorf.
Auf dem Bahnhofsvorplatz die
Überraschung für uns Deutsche: In Wien gibt es eine Reihe von Ostermärkten – so
auch hier. Ganz ähnlich wie die Weihnachtsmärkte auch, nur offensichtlich mit
Eierlikör statt Glühwein. Was die Frage aufwirft, welches von beiden wohl die
stärkeren Kopfschmerzen verursacht?
Wir hielten uns nicht lange mit
derartigen philosophischen Fragen auf und wanderten weiter zum kadlez-Bräu.
Statt der wie sonst üblichen Feier zum St. Patrick’s Day mit grün gefärbtem
Bier gab es hier bei Christian Schneider einen Tag später das Motto „The Day
after“, also der Tag nach dem St. Patrick’s Day – und konsequenterweise auch
nicht mit grünem Bier, sondern mit einem erdbeerrot leuchtenden Red Ale. Dieses
war allerdings nicht gefärbt, sondern durch geschickte Kombination
verschiedener Malze, darunter Melanoidinmalz und Wiener Malz, dunkelrot
eingebraut.
Christian ließ es sich auch in
diesem Jahr nicht nehmen, eine Weile bei uns zu sitzen, trotz rappelvollem
Lokal. Bei erneut kräftigem Essen und bei reichlich Red Ale verbrachten wir
hier einen fröhlichen Abend, angereichert durch irische Tanzeinlagen und immer
wieder neu gefüllte, riesige Pitcher Red Ale.
Freitag, 19. März 2010
Der Freitag begann etwas
gemächlicher: Wir trafen uns erst gegen Mittag in der Gösser Bierklinik in der
Wiener Innenstadt. So war etwas Zeit, um in den wärmenden Strahlen der
Frühlingssonne durch die Gassen Wiens zu bummeln, vor dem Caféhaus den einen
oder anderen Braunen zu genießen und die Menschen zu beobachten.
In der Bierklinik, einem
gemütlichen Traditionsrestaurant, ließen wir uns das Mittagessen gut schmecken
und verkosteten uns durch die überraschend vielen verschiedenen Fassbiere der
Gösser Brauerei. Obwohl aus einer Großbrauerei, schmeckten sie doch
überraschend individuell und waren, wie man so schön sagt, „gut gepflegt“. Der
Kellner hatte eine Reihe von flotten, fast schon frechen Sprüchen drauf, und so
verging die Mittagszeit rasch und in bester Stimmung.
Nach einem Bummel über den
Ostermarkt an der Freyung, bei dem der eine oder andere der Versuchung nicht
wiederstehen konnte, sich mit mehr oder weniger kitschigen Souvenirs
einzudecken, trafen wir uns erneut – diesmal im Biergarten des „Zattl“. Pilsner
Urquell wurde hier vom Fass angeboten, aber wir hatten zum Mittagessen dem
Gösser schon so reichlich zugesprochen, dass die Helden dann doch erst mal den
Kaffee bevorzugten, um wieder Kräfte zu sammeln.
Frisch gestärkt ging es nun
strammen Schrittes am Parlament vorbei in ein kleines und unscheinbares
Gasthaus, das „Gasthaus Franz Blauensteiner“. Hier scheint die Zeit vor vielen
Jahren stehen geblieben zu sein. Schmucklos und zweckmäßig im Stil vom Beginn
des letzten Jahrhunderts, aber gerade dadurch schon wieder etwas Besonderes.
Britta Dolenc von der Kampagne für Gutes Bier erklärte uns, dass bei der
letzten Renovierung bewusst darauf geachtet worden war, die Originalität in
ihrer Schlichtheit zu erhalten und eben keine auf den ersten Blick
attraktivere, aber unechte Fassade aufzubauen.
Wir fühlten uns wohl an den
klapprigen Holztischen und genossen das Hubertus Lager frisch vom Fass. Das
zweite angebotene Fassbier, das Keltenbier, enttäuschte uns allerdings ein
wenig. Dumpf, muffelig gar, kam es daher und ließ die Gesichter schon ein wenig
länger werden.
Zeit also für eine nächste
Station, und nach wenigen Kilometern mit der Straßenbahn standen wir in
Ottakring vor dem „Schwarzen Raben“. Unsere vom Keltenbier noch langen
Gesichter wurden noch ein wenig länger, als wir sahen, dass erst um achtzehn
Uhr geöffnet würde – 50 Minuten, die es noch zu überbrücken galt.
Mangels Alternative in der
unmittelbaren Umgebung ließen wir uns auf den Tiefpunkt der diesjährigen Tour
de Bier ein und kehrten in einem kleinen, recht schäbigen Imbiss, dem
„Hasi-Imbiss“, auf eine schnelle Cola ein. Zu mehr als zum Warten auf das
Öffnen des „Schwarzen Raben“ taugte es hier beim besten Willen nicht…
Als wir um achtzehn Uhr frohgemut
wieder vor dem „Raben“ standen, sollte es sich aber noch recht umständlich
gestalten, bis wir wirklich ein Bier bekamen. Zunächst war kein Kellner dort,
nur der Koch ließ uns missmutig wissen, dass er auch nicht wisse, wo das
Personal sei, er sei nur der Koch und könne und dürfe uns nichts servieren. Und
rein lassen auch nicht.
Nach ein paar Minuten bekam er
aber mit uns Wartenden ein wenig Mitleid und öffnete die Tür. Das nächste
Hindernis: Er hatte keine Ahnung, wo die Lichtschalter des Schankraums seien,
und Bierzapfen könne er auch nicht, stellte er fest – weder mit, noch ohne
Licht.
So saßen wir denn im Dunkeln, bis
endlich eine junge Dame, die Kellnerin, kam, den Lichtschalter fand und uns ein
„Rabenbräu“ zapfte. Leider kein hier vor Ort gebrautes – die Tanks waren leer,
man hatte schon länger nicht mehr gebraut, und so kam das „Rabenbräu“ als
Spezialsud aus der Brauerei in Villach. Uns schmeckte es trotzdem, und wir
konnten die kleine „Brau-Lilly“ Anlage wenigstens bestaunen, wenn wir auch
wussten, dass sie schon lange nicht mehr benutzt worden war.
Moment mal – „Brau-Lilly“? Hatte
uns Ulrich Schneider vom „Highlander“ vorgestern nicht erzählt, dass seine
Anlage die einzige „Brau-Lilly“ im Wiener Stadtgebiet sei? Hm… Nachdenkliche
Gesichter!
Nun wurde es aber Zeit für die
lang erwartete Verkostung unserer Hausbräus im Känguru. Hatten die meisten von
uns doch ein paar Flaschen ihres Selbstgebrauten den weiten Weg von Deutschland
mitgeschleppt, um sie hier den kritischen Gaumen und Nasen der Tour-Teilnehmer
zu präsentieren. Wie bei jeder Verkostung, die wir mit der Kampagne für Gutes
Bier bisher organisiert hatten, gab es keine detaillierte Wertung für Trub,
Schaum, Farbe, Geruch, Geschmack, sondern nur ein Schwarz-weiß-Schema: Würde
ich mir das Bier noch einmal kaufen, oder nicht? Damit ist Spaß garantiert und
wird endlosen Diskussionen aus dem Weg gegangen. Bei anderer Gelegenheit, mit
mehr Zeit und Ruhe, und mit weniger Teilnehmern wäre eine detailliertere
Verkostung sicherlich angebracht, aber heute ging es nur um den Spaß an der
Freud‘.
Und den hatten wir, und als wir
schließlich am Ende der Hausbräu-Vorräte angekommen waren, waren wir uns einig:
Das war prima, das machen wir bestimmt einmal wieder!
Zum Abschluss gab es noch ein
paar kommerzielle Biere aus der schier unendlich langen Getränkekarte des
Känguru, und dann ließen wir den heutigen Abend langsam ausklingen.
Sonnabend, 20. März 2010
Der Sonnabend begann mit einem
Kulturprogramm: Um halb elf vormittags trafen wir uns am Technik-Museum und
streiften für zwei Stunden durch die beeindruckenden Ausstellungen. Ob
Schwerindustrie oder Digitaltechnik, filigraner Musikinstrumentenbau oder
robuste Haushaltstechnik – die Präsentation war durchweg gelungen und die
gesamte Ausstellung in einem hervorragenden Zustand und nicht minder
hervorragend pädagogisch aufbereitet.
Nach zwei Stunden war die
Aufnahmekapazität aber erschöpft, und auch der Magen meldete sich mit einem
vernehmlichen Knurren. Wir fuhren in die Innenstadt, und in einer winzigen
Nebengasse der Einkaufsmeile „Graben“ fanden wir ein ebenso winziges
ungarisches Restaurant, das „Ilona-Stüberl“. Ein wahrer Glücksgriff –
exzellentes ungarisches Essen, leckeres ungarisches Bier und ein humorvoller,
blitzschneller und aufmerksamer Kellner. Was wollten wir mehr. Der Kellner
schien aber von uns genauso begeistert gewesen zu sein, wie wir von ihm, denn
er schenkte uns zum Abschied nicht nur den obligatorischen Schnaps auf’s Haus
ein, sondern auch noch eine ungarische Plastiktüte mit einer großen PET-Flasche
ungarischen Bieres. Auf den Weg, gewissermaßen.
Wir spazierten gemütlich durch
die Straßen und landeten als nächstes beim „Bettelstudenten“, einer gemütlichen
Bierkneipe „mit Anspruch“, die zwar am Sonnabendnachmittag nicht allzu voll
war, aber dennoch gemütlich. Das hier ausgeschenkte „Rabenbräu“ war als
Hausbier ausgeschrieben, und auf Nachfrage erläuterte die nette Kellnerin, dass
das Bier in Neustift an der Lafnitz gebraut würde, im Braugasthof Schmidt, der
den gleichen Besitzer habe wie der „Bettelstudent“. Aha!
Nachdem wir die angebotenen
Sorten, ein eher uninteressantes Helles und ein etwas würzigeres Dunkles,
verkostet hatten, gingen wir weiter in den australischen Pub „Crossfields“
direkt an der Albertina. Hier gab es – vom Ottakringer gebrautes – X-field
Lager, aber auch zwei angeblich wirklich australische Biere, nämlich das Ayers
Rock Red Ale und das Kakadu Ale, beide rötlich und sehr aromatisch. Wir tranken
es im Stehen vor dem Lokal und genossen die Gelegenheit, dass der Frühling
dieses Jahr endlich mit milden Temperaturen aufwartete.
Mittlerweile war es später
Nachmittag geworden, und wir wollten eigentlich direkt zum Plutzer Bräu. Der
Blick auf den Stadtplan zeigte uns aber die Chance, nur wenige Meter weiter
schnell noch im Siebenstern Bräu auf ein Chili-Bier einzukehren, und so machten
wir es dann auch. Wir nahmen uns nicht viel Zeit für das kräftig-scharfe
Chilibier, und so mancher hatte nun Sorge, ob das nicht noch ein kräftiges
Sodbrennen geben könnte.
Nun, wer auch immer Sodbrennen
bekommen hat, bekam es wahrscheinlich eher von den gigantischen
Fleischportionen anschließend im Plutzer-Bräu. Gigantische Holzbretter mit
Bergen von Fleisch konnten nur mit größeren Mengen Plutzer Bräu Hell, Dunkel
und Stout herunter gespült werden – alles dreies Biersorten, die von der
Stadtbrauerei Schwarzenberg für das Plutzer Bräu gebraut werden. Sehr
schmackhaft.
Ein fulminanter Schlusspunkt der
diesjährigen Städtetour der Bier nach Wien, und während sich der eine oder
andere noch für den nächsten Morgen (oder eher Mittag…) im Universitätsbräu
verabredete, so mussten doch einige schon endgültig Tschüss sagen. Bis nächstes
Jahr, spätestens, oder vielleicht auch schon früher auf einer der vielen
Bierveranstaltungen und –reisen, die der Kalender 2010 für uns schon
vorschlägt.
Sonntag, 21. März 2010 – Epilog
Wie geplant war der endgültige
Schlusspunkt der diesjährigen Tour am Sonntagmorgen im Universitätsbräu: Bei
leckeren Bierchen der Stiftsbrauerei Schlägl, die für das Universitätsbräu
produziert werden (Doktor Pils, Campus Zwickl, Magister Märzen und Professor
Doppelmalz), und exzellenten Süßspeisen (Dass die schon wieder reinpassten?)
ließen wir die vergangenen Tage Revue passieren und begannen, erste Pläne für
die nächste Tour de Bier zu schmieden.
Städtetour de Bier 2010 – Wien / Brno
Ritterspiele.
Burgruinen.
Veteranentreffen.
Was diese Begriffe aus der
Vergangenheit mit einer Tour de Bier zu tun haben, fragen Sie sich?
Das fragte sich der Chronist
auch, bis er vom 7. bis 9. Mai 2010 an der mittlerweile siebten Tour de Bier
teilgenommen hat. Und danach war alles ganz klar.
Doch gemach, beginnen wir, wie es
sich gehört, am Anfang, und zwar auf dem Marktplatz in Seßlach. Hier trafen
sich am 7. Mai 2010 die etwa vierzig Teilnehmer der Tour de Bier zu einem
geführten Stadtrundgang durch das historische Zentrum der kleinen
mittelalterlichen Stadt. Leider war der Chronist wegen neumodisch so benannten
Starkregens und daraus entstehender Verkehrsstaus nicht rechtzeitig vor Ort,
und so sieht er sich im Nachhinein gezwungen, auf Schilderungen aus zweiter
Hand zurückzugreifen, die besagen, dass die Stadtführung erstens außerordentlich
interessant, zweitens sehr freundlich und fachkundig gewesen sei, dass drittens
jeder überrascht gewesen sei, zu hören, dass Seßlach auf eine über 1200jährige
Geschichte zurückblicken kann und seit 675 Jahren Stadtrechte besitzt, und dass
schließlich, viertens, die schiefe Kirche Seßlachs unbedingt in der Berichterstattung
erwähnt gehöre.
Was denn hiermit auch geschehen
sei.
An den Stadtrundgang schloss sich
der Besuch des Kommunbrauhauses an. Eine kleine, gepflegte Sudanlage mit viel
historischer Technik, eine Malzmühle im oberen Stockwerk, ein Kühlschiff im
hinteren Bereich und separat in einer kleinen Kammer eine Art Labor, das heißt,
ein Nebenraum für die Hefezucht, aber auch als Lager für allerlei Kleingerät
und Reinigungsutensilien. Blitzeblank war es, egal wohin man auch schaute –
fast schon wirkte es, als ob extra für unseren Besuch noch einmal Reinschiff
gemacht worden sei.
Die hier gebrauten Biere werden
in Fässern abgegeben oder direkt an zwei Gasthöfe in Seßlach zum Ausschank geliefert,
und es wird berichtet, dass an den Tagen, an denen das Bier abgeholt werden
kann, wegen des hohen Andrangs Teile der Altstadt abgesperrt werden müssen.
Ungläubiges Lächeln auf den Gesichtern der Gäste, bis wir die Verkehrsschilder
in der Ecke stehen sahen: „Einfahrt verboten“, mit dem Zusatz „Frei nur für
Bierabholer“. Okay, überzeugt!
Und in der Phantasie des
Chronisten entstanden Bilder von sich endlos durch die Altstadt windenden
Schlangen von Limousinen, Kombis, Pferdefuhrwerken, Treckern, Lieferwagen und
Handkarren, alle nur darauf wartend, von dem edlen Nass zu zapfen.
Mit einem „Plopp!“ zerplatzten
die abstrusen Phantasien und wurden ersetzt durch ein frisch gezapftes
Kommunbräu, das dem Chronisten in die Hand gedrückt wurde. Ein tiefer Zug von
dem hopfenherben Gebräu, und die Realität kehrte zurück, die da besagte, dass
es nun aber höchste Zeit sei, das Hotelzimmer zu beziehen und sich für das
Abendessen zu rüsten.
Letzteres fand statt im
Pörtner-Hof statt, im sorgfältig restaurierten Stall. Das rohe, aber
blitzsaubere Fachwerk und die mit edlem, weißem Geschirr und Leinen eingedeckten
Tische ergaben einen ansprechenden Kontrast, und der Blick auf die Speisekarte
erhellte die Gesichter. Leckere regionale und saisonale Gerichte zu niedrigen
Preisen, hier darf man als Gast sich wohlfühlen – wenn auch die Bierauswahl
eher beschränkt war und neben dem Freudenecker Fischerbräu nur Produkte
größerer und uninteressanter Brauereien verzeichnet waren. Aber das
Freudenecker passte zum feinen Spargel genauso gut wie zum deftigen Wiener
Kalbsschnitzel, und so machte sich denn auch rasch eine „gefräßige Stille“ im
Raume breit.
Jäh wurde diese unterbrochen, als
mit einem kräftigen Pochen ein Raubritter in voller Rüstung im Torbogen
erschien und uns mit kräftiger Stimme begrüßte. Spielte mir meine Phantasie
erneut einen Streich, ging sie gar in diesem mittelalterlichen Ambiente mit mir
durch? Nein, dieser Ritter schien durchaus real, und er begann, aus der
abwechslungsreichen Geschichte des Städtchens zu erzählen. Er nahm uns mit auf
eine Reise durch die Jahrhunderte, ölte von Zeit zu Zeit seine Stimmbänder mit
einem gewaltigen Zug guten Bieres aus einem nicht minder gewaltigen Holzkrug
und schickte sich schließlich an, uns auch praktisch in die Gebräuche des
Mittelalters einzuführen: Zwei Jungfern aus unserem Kreise wurden wegen
ungebührlichen Benehmens gegenüber dem Ritter dazu verurteilt, mit einem
schweren Stein um den Hals eine Schmäh- und Schandrunde durch den Saal zu
laufen.
Als die Disziplin dergestalt
wieder hergestellt war, forderte der Ritter die Mannsbilder im Saal nun auf,
sich im edlen Wettstreite zu messen und einen würdigen Vertreter zu finden, der
zum Ritter geschlagen werden solle. Vier freiwillige Recken fanden sich, um
mutig gegeneinander anzutreten. Ein mächtiger Krug Bier musste hinuntergestürzt
werden, das edle Burgfräulein durch Tücher vor den Launen der Witterung
geschützt werden, und schließlich mussten die Recken beweisen, dass sie nicht
nur trinkfest und fürsorglich gegenüber dem Burgfräulein sein konnten, sondern
auch in der Lage, Kraft ihrer Arme dieses im Falle eines Falles tapfer zu
verteidigen. Minutenlang stemmten die Ritteramtskandidaten zum Beweis ihrer
Kräfte den bis zum Rand mit Bier gefüllten gewaltigen Holzkrug am
ausgestreckten Arm, bis feststand, dass dem Knappen Timo von der Waterkant die
Ehre gebührte, zum Ritter geschlagen zu werden.
Es hub gewaltiger Jubel unter dem
Volk an, und die Diskretion verbietet es dem Chronisten, die folgenden
Feierlichkeiten zu Ehren des neu geschlagenen Ritters in allen Details zu
beschreiben. Nur etwas sei angedeutet: Solcherlei Fleischberge und unzählige
Bierkrüge, die in den Saal getragen wurden, hatte man in Seßlach angeblich schon
lange nicht mehr gesehen.
Wenigstens nicht seit dem
Vortage…
Als der Hahn am Sonnabend, dem 8.
Mai 2010, krähte, sah man das mittelalterliche Seßlach in aller Stille im
Morgennebel daliegen. Erst am späten Vormittag sammelten sich die ersten
Menschen vor ihren Häusern, aber nach und nach formierten sie sich zu einem gewaltigen
Zug durch die Gassen und durch das südliche Stadttor. Hier wartete schon eine
große, neuzeitliche Kutsche, die wie von Wunderhand von mechanischen Pferden
getrieben unsere Freunde zur nahegelegenen Frankenmetropole Coburg brachte.
Ehrwürdig die Kulisse des Stadtschlosses, und genauso ehrwürdig die zahlreichen
mechanischen Kutschen und benzinfressenden Gäule, die, obschon seit vielen
Jahrzehnten in Diensten ihrer Kutscher und Reiter stehend, liebevoll gepflegt
und auf Hochglanz poliert zu einem historischen Wagenrennen starteten. Weit
über sechzig dieser absonderlichen Gefährte zählte der Chronist und wunderte
sich über die gar seltsamen Namen dieser Rosse und Streitwagen: Münch, BMW und
Benelli; Porsche, Jaguar und NSU RO 80; Kharmann Ghia und Opel Blitz; Lancia,
Alfa Romeo und Ford Escort; aus allen Teilen des bekannten Erdkreises waren die
Teilnehmer angereist.
Nachdem die Gespanne unter
Fauchen und Röhren in einer großen Staubwolke verschwunden waren, schickten
sich unsere Freunde an, das mittelalterliche Coburg zu erkunden. Es ergab sich,
dass just an diesem Tage Markttag war in der Stadt, und die Händler und Bauern
der Region unter lautem Geschrei Schweine und Rinder, auch Teile davon, aber
auch Brote und Gemüse, Obst und Gewürze und allerlei andere Spezereien
feilboten, und auch sorgsam zusammengestellte Schriften über das Brauwesen der
Region wurden angeboten. Gar manchen Heller ließen unsere Freunde hier in der
Stadt, bevor sie wieder ihre mechanische Kutsche bestiegen, um weiterzureisen.
In ehemaliges Feindesland führte
die wilde Fahrt, ins entfernte Thuringia. Reitende Boten hatte Kunde von
unserer mechanischen Kutsche vorausgetragen, und so waren in Ummerstadt die
Braukessel bereits geschürt, zahlreiche Schweine geschlachtet und unzählige
Brote gebacken worden. Da rauchte die Bräterei, und der Gerstensaft quoll aus
den kühlen Fässern, als wir in die Hofeinfahrt zum Ummerstadter Kommunbrauhaus
rollten. Die Gläser klirrten, das Fett spritzte, und Lachen, Geschrei und
Gesang füllten alsbald den Platz vor der Ummerstädter Brandwehr. Gar zu
vorzüglich schmeckte es uns, und die Gastfreundschaft der Ummerstädter
Standeskollegen kannte keine Grenzen. Wie gerne hätten wir hier noch Stund‘ um
Stund‘ der Völlerei gefrönt, aber ein strenger Zeitplan mahnte uns, eine
weitere mittelalterliche Stätte zu besuchen, die Burgruine Altenstein.
Hei, wie haben die alten Ritter
vom Stein hier edel gehaust – in drei Himmelsrichtungen schweift der Blick
kilometerweit über Hügel und Täler, Wälder und Felder, schier uneinnehmbar
schien weiland die Burg auf diesem Felse zu stehen. Und doch, unberechenbare
Kräfte der Natur hatten dereinst die starke Burg in der Mitte gespalten und nur
mehr eine Ruine hinterlassen – eine Ruine zwar, aber gleichwohl beeindruckend.
Gewaltige Quader und Rundbögen, Wehrtürme und Burggräben zeugten von der
Herrschaft derer von Stein über die Lande, und der höchstgelegene Biergarten
Unterfrankens am Rande der Burg bewies wieder einmal, das Macht und
Lebensfreude Hand in Hand gehen.
Beeindruckt umrundeten wir die
alten Gemäuer und ließen uns anschließend von unserer Kutsche ins Tal hinab
tragen. Von oben schon hatten wir gesehen, wie verräterischer Rauch aufstieg,
und siehe da, in Junkersdorf waren ebenfalls die Braukessel angefeuert, und ein
gewaltiger Spieß drehte ein junges Lamm über dem Feuer. Die Sonne schien über
die blumenübersäten Wiesen, die Zicklein sprangen umher, ein kleines Bächlein
murmelte am Kommunbrauhaus entlang – es war eine Idylle, in der uns Kurt-Maria
Adler und seine Mannen willkommen hießen. Viel hatte sich getan, seit unserem
letzten Besuch, in dem alten, kleinen Brauhaus. Eine neue Malzmühle war
beschafft worden und eine edel glänzende Kühlschlange aus bestem Stahl, und so
war es erneut interessant, sich in den Räumen und Winkeln umzusehen. Der
intensive Duft der Maische zog durch das Haus, in den Sonnenstrahlen tanzten
die Staubkörnchen über dem blitzblank polierten Kühlschiff, das Feuer unter dem
Kessel knisterte, und die Maischepumpe arbeitete ächzend vor sich hin. Die Besucher
gaben sich beeindruckt.
Und als hätte es noch einer
Steigerung bedurft, hub ein Sackpfeifenspieler an zu spielen und präsentierte
uns seltsame Weisen aus fernen Ländern.
Aber ach, erneut mahnte uns die
Uhr, die Kutsche zu besteigen und von dannen zu ziehen, wartete doch im Roten
Ochsen zu Seßlach noch ein Festbankett auf uns. Der Tag neigte sich, als wir
die Schänke betraten, und uns erwartete wahrlich eine fröhliche Feier. Erneut
bogen sich die Tische unter der nahrhaften Last, auf Tellern, Schüsseln,
Pfannen und Brettern wurde serviert, was die Region zu bieten hat, und vier
fröhliche Spielleut‘, die „Gschrubbdn“, unterhielten die Gesellschaft.
Fröhliche Klänge, schmetternder Gesang und ungeübte Koloraturen aus rauen
Kehlen zogen über die Tische und kündeten in der ganzen Stadt vom Einzug dieser
fröhlichen Gesellschaft. Fränkisches und überregionales Liedgut wurde zum
Besten gegeben, und erneut zwingt die Diskretion den Chronisten, die Details zu
übergehen. Nur so viel: Es war ein rauschendes Fest, und heisere Kehlen,
spannende Ranzen und dröhnende Schädel legten am nächsten Morgen Zeugnis ab von
dem, was sich in Seßlach zugetragen haben muss.
Müde von der geschlagenen
Schlacht am Büfett sammelten sich die Recken und ihre Weibsleut am Sonntagmorgen
auf dem Seßlacher Marktplatz. Zwischen Rotem Ochsen und Gasthof Reinwand
standen Bänke und Tische und boten einen würdigen Rahmen, langsam wieder aus
dem mittelalterlichen Erleben aufzuwachen und in die Neuzeit zurückzukehren.
Kräftiger Kaffee stärkte die Glieder und öffnete die müden Augen, begeistert
wurden die letzten Tage Revue passieren lassen. Unausgesprochen herrschte
Einigkeit, dass wir uns im nächsten Jahr wiedersehen werden, und schon mahnten
die schlagenden Kirchenglocken die ersten, weit angereisten Teilnehmer zum
Aufbruch.
Ein Hauch von Wehmut wehte über
den nun wieder leeren Marktplatz der historischen Gemeinde Seßlach, aber auch
Freude über eine wunderschöne Reise und die Aussicht auf die dann achte Tour de
Bier im Frühjahr 2011. Von ganzem Herzen dankt der Chronist namens der aller
Teilnehmer den Organisatoren Hans Rolf, Klaus und Jan und überbringt hiermit
das gemeinsame Lob. Wohlgetan!
Prolog.
Nach den großen Erfolgen der Tour
de Bier und der Städtetour de Bier hat Klaus Kling vom 22. bis zum 24. Oktober
2010 zum ersten Mal eine Wandertour de Bier organisiert. Eine kleine und
überschaubare Anzahl von Tour-Teilnehmern war im Vorfeld individuell eingeladen
worden, um gewissermaßen einen Probelauf, oder vielmehr eine Probewanderung
durchzuführen. Sollte die Resonanz überwiegend positiv sein, so soll eine
herbstliche Wandertour de Bier auf regelmäßiger Basis etabliert werden.
Freitag.
Wir ließen uns nicht zweimal
bitten und nahmen über 600 km Anreise auf uns. Nach einer Zwischenübernachtung
im Spreewald in der kleinen und urigen Brauerei Babben in Lübbenau kamen wir
denn auch pünktlich am 22. Oktober 2010 am späten Vormittag in Hirschaid im
Brauereigasthof Kraus an, bezogen rasch unser Zimmer und fanden uns zum
Frühschoppen in der Schankstube ein. Neben vielen bekannten waren auch einige
neue Gesichter dabei, und so nutzten wir die Zeit bis zum Mittagsläuten, um uns
ein wenig zu beschnuppern und das eine oder andere Bier der Brauerei Kraus zu
verkosten.
Derart gestärkt ging es
erstaunlicherweise fast pünktlich los zur ersten Etappe, die uns am
Rhein-Main-Donau-Kanal entlang nach Buttenheim führen sollte. Die Sonne
strahlte, die Luft war herbstlich frisch und die Laune gut – die Bedingungen
waren also optimal. Zwar lockten uns entlang des Kanal-Deiches immer wieder
verführerische Schilder, die uns einluden, doch lieber in den nächstgelegenen
Biergarten einzukehren, anstatt weiter zu laufen, aber wir blieben tapfer.
In Altendorf verließen wir den
Deich und liefen entlang der Hauptstraße nach Buttenheim hinein. Ein hübsches
und gemütliches Dörfchen, und schon nach wenigen Minuten hatten wir die Brauerei
Löwenbräu erreicht, die kleinere der beiden einträchtig unmittelbar
nebeneinander liegenden Buttenheimer Brauereien. Hier stärkten wir uns bei
süffigem und frischem fränkischen Lagerbier und kräftigen, aber dennoch
hochwertigen fränkischen Spezialitäten, die uns eine ordentliche Grundlage für
die folgende Brauereibesichtigung gaben.
Als uns der junge Geselle ins
Sudhaus führte, machte der erste Eindruck ein wenig nachdenklich. Altmodische
Technik, abbröckelnde Fliesen, abblätternde Farbe – sollte hier eine Brauerei
gerade verfallen und ihrem baldigen Ende entgegen sehen? Weit gefehlt! Hinter
der zugegebenermaßen etwas sanierungsbedürftig wirkenden Oberfläche verbirgt
sich moderne Brauereitechnik, die erst vor wenigen Jahren installiert worden ist.
Die alten Armaturen, der Läutergrand, die altertümliche, marmorne Schalttafel
und viele Uralt-Installationen befinden sich zwar alle noch an ihrem Platz,
werden aber nicht mehr genutzt, sonder lediglich aus einer gewissen
Sentimentalität heraus an ihrem Platz belassen, während die Sude von aktueller,
zeitgemäßer Technik gesteuert und überwacht werden. Auch die alten, offenen
Gärbottiche und das riesige Kühlschiff unter dem Dach sind als Relikte
erhalten, ohne genutzt zu werden. Stattdessen finden sich moderne
Plattenkühler, und die Gärung findet in geschlossenen Behältern statt.
Vom Kühlschiff oben unter dem
Dach bis zum Lagerkeller ganz unten stiegen wir die Treppen und Leitern wieder
hinab und nutzten die Gelegenheit, das Lager und das Pils direkt aus den Lagertanks
zu zwickeln und zu verkosten. Sehr schön! Sogar das Glas mit dem Brauereilogo,
dem blauen Löwen, durften wir danach behalten.
Ein kurzer Blick zurück auf das
Brauereigebäude und den hoch daneben aufragenden Turm der Mälzerei, und wir
wandten uns unserem nächsten Ziel zu, dem Levi-Strauss-Museum.
Levi Strauss, der Erfinder der
gleichnamigen Jeans – ein Buttenheimer? Genau so ist es! Leider mussten wir
aber, als wir frohgemut an der Türklinke rüttelten, feststellen, dass das
Museum geschlossen hatte, und so blieb uns nichts anderes übrig, als
unverrichteter Dinge weiter zu ziehen.
Zum Glück hatte Klaus Kling aber
gleich den nächsten Tipp parat: In Altendorf, also genau auf unserem Weg zurück
in Richtung Kanal, sollte es eine alte Mühle geben, die zu einem wunderschönen
Restaurant umgebaut worden sei. Stimmt. Und sie hatte sogar geöffnet. Und was
das Beste von allem war: Es gab vier verschiedene Bockbiere vom Fass: Mahr‘s,
Keesmann, Bambergator (vom Fässla) und Schlenkerla. Wir waren im Paradies angelangt.
Leider jedoch nur für kurze Zeit,
denn ab 18:00 Uhr war der Restaurantbereich komplett reserviert, so dass es für
mehr als eine Bockbierprobe leider nicht reichte. – Vielleicht war dies aber
auch gut so, denn mehr als nur ein Glas vom Schlenkerla Rauchbock oder gar vom
Bambergator, Bambergs stärkstem Bier, wäre der Rückwanderung nach Hirschaid
möglicherweise nicht sehr zuträglich gewesen.
Wir liefen noch einmal durch die
Nebensträßchen Altendorfs, erfreuten uns an den vielfältig mit Kürbissen geschmückten
Gärten und Wegen, und wanderten dann in der Abenddämmerung am Kanal entlang
zurück nach Hirschaid, zur Brauerei Kraus, in der wir dann den ersten Abend bei
gebackenem Karpfen, Schäuferla und anderen leckeren fränkischen Spezialitäten
ausklingen ließen.
Sonnabend.
Der Tag begann nach einem
gemütlichen Frühstück mit gerunzelter Stirn. Wo soll es denn heute eigentlich
hin gehen? Beziehungsweise, wo sollen wir denn entlanglaufen? Die große
Straßenkarte, die Klaus als Vorbereitung besorgt hatte, erwies sich als nicht
wirklich hilfreich – es sei denn, wir hätten entlang der Bundesstraßen wandern
wollen. Nach einem stärkenden und die Sinne schärfenden Schluck aus dem
Flachmann entschlossen wir uns, einfach mal drauf los zu marschieren – irgendein
Weg werde sich schon finden lassen, war die einhellige Meinung.
In den sich lichtenden
Morgennebeln überquerten wir zunächst den Rhein-Main-Donau-Kanal, dann die
Regnitz, und schließlich liefen wir durch wunderschöne Wälder und Felder in
strahlender Sonne bis Großbuchfeld, wo wir eine kleine Pause einlegten. Erneut
wurde beratschlagt, wie der Weg von hier denn weiter gehen könnte, aber
abgesehen vom Ziel, der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf, herrschte wenig
Einigkeit über die Route.
Wir liefen erneut einfach drauf
los, und siehe da, irgendwann waren wir doch alle in Hallerndorf angekommen und
konnten uns über die Besichtigung des Abfüllzentrums der Brauerei freuen. Der
Betriebsleiter, Uwe Kraus, zeigte uns voller Stolz seine Anlage – man hat sich
auf die Abfüllung von Bügelflaschen spezialisiert, und teilweise kommen die
Tanklastzüge von weit her, um das Bier auf den Rittmayer-Anlagen auf
Bügelflaschen füllen zu lassen. Alle Details des Abfüllprozesses, jeden
einzelnen Vorgang von der Flaschenannahme über die Reinigung, die Füllung, die
Etikettierung und das Verpacken bekamen wir erläutert – endlich mal jemand, der
wirklich genau weiß, was im Inneren dieser gigantischen Maschinen in rasender
Geschwindigkeit vor sich geht, und der dies auch anschaulich erklären konnte.
Nach dieser Besichtigung konnten
wir aus den vielen verschiedenen Kästen die unterschiedlichsten Kostproben
nehmen – vom Winterbier über das Bockbier bis zum Pils; vom Whisky-Malzbier
über das Weizen zum Rauchbier, es war einfach für jeden Geschmack etwas dabei.
Wir rückten ein paar Bierbänke in den Hof er Abfüllerei und genossen in den
noch etwas wärmenden Strahlen der Herbstsonne die herrlichen Biere. Und so
saßen wir und saßen. Der Brauereibesitzer, Georg Rittmayer, gesellte sich
ebenfalls zu uns und erzählte von der bis ins Jahr 1422 zurückreichenden
Geschichte der Brauerfamilie und über die Rittmayersche Produktwelt des Jahres
2010.
Viel zu schnell verrann die Zeit,
und im Brauereigasthof wartete die Wirtin mit dem – verspäteten – Mittagessen
auf uns. Kurzerhand verlud uns Georg Rittmayer auf die Ladefläche seines
Biertransporters und fuhr uns, nicht ganz legal, die wenigen Meter bis zum
Brauereigasthof. Hier lernten wir, dass fränkische Küche auch durchaus edel
zubereitet werden kann und sich nicht nur auf deftige, große Portionen
beschränken muss. Zu edlen fränkischen Speisen wie zum Beispiel Rehschäufala
verkosteten wir weitere Rittmayer-Biere, während uns Georg Rittmayer und Uwe
Kraus von den Plänen eines Brauerei-Neubaus berichteten. Der alte Bau rutscht
auf sandigem Untergrund langsam in Richtung Aisch und kann daher nicht mehr
erweitert oder gar komplett umgebaut werden, und so entsteht auf der grünen
Wiese neben dem Abfüllzentrum ein ultramoderner Neubau, aber mit klassischen
Brauverfahren. So ist zum Beispiel selbstverständlich eine offene Gärung
geplant. An einem Holzmodell zeigten uns die beiden mit leuchtenden Augen jedes
kleine geplante Detail.
Mittlerweile war es bereits
Nachmittag, aber anstelle von Kaffee und Kuchen standen noch ein zweiter
Versuch beim Levi-Strauss-Museum und ein weiterer Brauereibesuch auf dem
Programm. Erneut brachte uns der Rittmayer-Lieferwagen ein paar Meter weiter,
und in Buttenheim angekommen, hatten wir Glück: Das Museum war geöffnet.
Bewaffnet mit neumodischen „Audio-Guides“ machten wir uns auf eine Zeitreise
zurück ins 19. Jahrhundert und wanderten in die Vereinigten Staaten aus. Die
Ausstellung war interessant, und die Zeit verging wie im Flug.
Mit der St Georgen Brauerei
wandten wir uns wieder dem eigentlichen Thema unserer Wandertour zu. Direkt
neben der Löwenbrauerei gelegen, ist sie gewissermaßen die etwas größere
Schwester. Vor wenigen Jahren war die Eigentümerfamilie Modschiedler in
wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, und die Brauerei lief Gefahr, trotz ihrer
jahrhundertelangen Tradition sang- und klanglos pleite zu gehen. Die Rettung
kam im Jahr 2009 durch den Braumeister der Brauerei, Norbert Kramer, der in
einem mutigen Schritt die Brauerei übernommen hat. Mit sichtlichem Stolz zeigte
er uns seine Brauerei und berichtete über gerade abgeschlossene und für die
nahe Zukunft geplante Investitionen. Modernste Technik im Filter-, Gär- und
Lagerbereich trifft derzeit noch auf eher ältere Anlagen im Sudhaus, daneben
sind noch eine Reihe wunderbarer alter Maschinen und Anlagen als historische
Schmuckstücke erhalten, und so malte uns Norbert Kramer aus, wie die moderne
Technik, die klassischen Brauereiverfahren und die historischen Museumsstücke
aus einem einfachen Brauereirundgang ein beeindruckendes Erlebnis machen
werden, wenn seine Pläne erst alle Wirklichkeit geworden sein werden.
Solange die Qualität seiner Biere
so bleibt, wie sie ist, sollte diese Brauerei nicht erneut in Schwierigkeiten
geraten, waren wir uns alle einig, als wir nach der Besichtigung in der
Brauereigaststätte saßen und die Biere verkosteten.
Mittlerweile war es draußen
dämmrig geworden, und Klaus Kling mahnte zur Rückkehr nach Hirschaid. Ein
kleiner, harter Kern machte sich trotz der Dunkelheit zu Fuß auf den Weg,
während die Mehrheit den örtlichen Taxi-Service nutzte.
Als wir schließlich nach einem
letzten Fußmarsch wieder im Brauereigasthof Kraus einliefen, saßen die „Taxler“
schon beim Bier und guten Essen. Es wurde ein langer und fröhlicher Abend. Und
ein nahrhafter. Als wir alle schon sattgegessen an der Tafel saßen und den
leckeren Bieren frönten, kam die Chefin Hilde Kraus, genannt die „Wilde Hilde“,
mit einem Arm voll Würsten aus der eigenen Metzgerei. Lautstark und in der ihr
eigenen Art, keinen Widerspruch zu dulden, pries sie die Produkte an und fand
auch reichlich Abnehmer – kein einziges unverkauftes Wurstzipfelchen blieb
übrig.
Sonntag.
Nach einem gemütlichen Frühstück
im Brauerei-Gasthof hieß es für uns, die wir weit angereist waren, bereits
schon wieder Abschied zu nehmen – natürlich nicht, ohne zu bekräftigen, dass
die Wandertour de Bier zu einer festen Einrichtung werden solle. Für die
anderen bot sich am Vormittag noch ein Besuch des Hirschaider Herbstmarktes an.
An die hundert Aussteller hatten sich der Rathausstraße bemächtigt und boten
ihre Waren an – und viele tausend Besucher kamen. Zusammen mit dem
verkaufsoffenen Sonntag bot dieser Markt noch einen schönen Abschluss der
Wandertour de Bier.
Wir, die Verfasser dieser Zeilen,
hingegen befanden uns leider schon auf der Autobahn, machten in Diensdorf am
Scharmützelsee im „Hotel am See“, das über eine eigene kleine Brauerei verfügt,
noch einmal Rast und fügten so dieser Wandertour de Bier noch eine weitere
Station hinzu, bevor wir reich an Erlebnissen wieder daheim ankamen.
Fazit.
Nach sieben „normalen“ Touren und
drei Städtetouren war dies nun die erste Wandertour der Bier gewesen – ein
Versuchsballon, gewissermaßen. Eine schöne Sache für alle Teilnehmer, wenn auch
für diejenigen, die nicht so gut zu Fuß sind, etwas anstrengend. Aber das liegt
in der Natur der Sache. Wenn es nach uns geht, jederzeit wieder, und wir würden
uns freuen, wenn sich die Wandertour de Bier genauso etablieren würde, wie die
„normale“ Tour. Und mit zunehmender Erfahrung wird Klaus Kling sicherlich auch
in der Lage sein, neben einer „Autobahnkarte“ auch richtige Wanderkarten zu
besorgen, so dass das Maß an Ungewissheit, ob wir unsere Ziele auch erreichen
werden, auf ein erträgliches Niveau gesenkt werden kann.
Bleibt nur zu hoffen, dass wir
dann auch in Zukunft ein solch perfektes Wanderwetter haben werden!
Städtetour der Bier 2011 (Wien /
Bratislava)
Eine Geschichte von Reisenden,
Handwerkern, Kaufleuten, Fuhrmännern, Wirtsleuten und Zauberern.
Die Fuhrmänner hatten während der
diesjährigen Tour mit den Reisenden viel Mühe – mit Straßenbahn, S-Bahn,
Flugzeug, Bus, U-Bahn, Eisenbahn und Auto waren die elf auswärtigen Teilnehmer
aus allen Teilen Deutschlands angereist, und sie, also die Fuhrmänner, haben es
trotz allerlei Widrigkeiten geschafft, uns am Mittwochabend, dem 23. März 2011,
im kadlez-Bräu zu versammeln. Ausgefallene U-Bahnen, verpasste Flugzeuge oder
gar auf das falsche Datum gebuchte Flüge, dicke Staus auf den Zubringerstraßen
oder die komplizierten Fahrscheinautomaten des Wiener Verkehrsverbundes – als
schließlich die Tourteilnehmer beisammen saßen, von Christian Schneider auf das
Herzlichste begrüßt wurden und endlich das erste Bier verkosteten, waren die
Strapazen der Reise rasch vergessen. Der wunderbare Weihnachtsbock, der
rubinrot in den eleganten Gläsern funkelte, von kremigem, feinporigem Schaum
bedeckt, mit einem zarten fruchtigen, an eingelegte Erdbeeren erinnerndem Aroma
und einem vollen, leicht malzigen, aber in erster Linie fruchtigen Geschmack
tat das Seine dazu, dass aller Stress und alle Anspannung von uns abfielen. Nun
galt es nur noch, nach vorne zu schauen und sich auf ein paar herrliche Tage zu
freuen!
Und es waren herrliche Tage –
nicht nur, weil die Sonne von einem wolkenlosen, makellos blauen Himmel
strahlte, sondern auch, weil das Programm dieser Reise von farbenfroher
Vielfalt war. Nehmen wir einfach mal die Biermanufaktur Korneuburg – nur wenige
Gehminuten vom Bahnhof der Stadt entfernt, residiert sie auf etwa 100 m²
Nutzfläche in einem Gewerbegebiet. Keine Restauration, kein richtiger
Bierausschank oder Biergarten, aber eine kleine, feine handwerkliche Brauerei,
die seit ihrer Gründung vor etwa einem Dreivierteljahr fleißige Missionsarbeit
betreibt. Der ausgebildete Biersommelier Bernhard Bugelmüller hat es sich auf
die Fahnen geschrieben, in stetiger und geduldiger Arbeit die Biertrinker der
Region zu wahren Geschmacksexperten zu erziehen, weg vom österreichischen
Einheitsmärzen hin zum aromatischen und geschmacksintensiven Bier. Mit dem
Korneuburger Original liegt das Standardbier der Biermanufaktur zwar noch
relativ nahe am Märzen, aber die etwas dunklere Farbe, die leichte Trübe und
der rundere, vollere Geschmack lassen schon ahnen, in welche Richtung die
Geschmacksreise gehen wird: Das Jubiläumsbier zum 875. Jubiläum der Stadt
Korneuburg ist schon wesentlich gehaltvoller, und die in eher „kleiner Auflage“
gebrauten Sude eines Strong Ale, einer Black Mamba und eines Red Tiger warten
mit spannenden Ingredienzen und Gewürzen, sowie mit etwas höherem Alkoholgehalt
auf. Garniert wurde unsere Verkostung mit Bernhard Bugelmüller’s humoriger
Schilderung der – noch kurzen – Geschichte der Brauerei und seiner Pläne für
die Zukunft. Und da parallel zu unserer Verkostung auch gerade die Abfüllung
des aktuellen Suds auf Fässer stattfand, bekamen wir nicht nur eine statische
Brauereiführung, sondern auch einen Einblick in das aktive Tagesgeschäft.
Kein Handwerker, sondern ein
Zauberer betreibt die andere Brauerei, die wir an diesem Donnerstag besuchten –
die Bierzauberei in Brunn am Gebirge. Günther Thömmes, nicht nur als Brauer,
sondern auch als erfolgreicher Krimiautor bekannt, betreibt seit einigen
Monaten unter niedrigen Gewölben direkt an der Hauptstraße ein recht kleines,
aber technisch ausgefeiltes 200-Liter-Sudwerk der Firma Gruber, auf dem immer
wieder exotische Kreationen entstehen. Auch hier steht, wie schon in Korneuburg,
ein Standardbier im Mittelpunkt des gewerblichen Strebens, nämlich das
Brunnsch, aber daneben zaubert Günther in der Tat Biere, die einzigartig sind.
Ob ein leuchtend gelbes Safranbier oder ein giftgrünes Austria Pale Ale zum St.
Patrick’s Day, ob ein leichtes Weizen mit Waldmeisteraroma oder ein extrem
stark gehopftes Dunkles namens „Matador“ – die Geschmacksvielfalt war
faszinierend, auch wenn natürlicherweise nicht jedem alles schmeckte. Und die
gefühlte Krönung unseres Besuches hier beim Bierzauberer war sicherlich der
nette Dialog mit einer älteren Kundin, die den Laden betrat: „Gibt’s bei Ihnen
Bier um 30.- €?“ – „Da bekommen Sie aber viel Bier!“ – „Ja, ich bitte sehr!“
Solche Kunden muss man haben!
Nicht Zauberer, sondern Kaufleute
scheinen im Hintergrund der Meštianský Pivovar in Bratislava eine bedeutende
Rolle zu spielen – die erst zwei Jahre alte Gasthausbrauerei unweit des Herzens
der Stadt kommt prächtig und eindrucksvoll auf zwei geräumigen Stockwerken
daher. Viel Kapital ist hier investiert worden – das merkt man der Einrichtung
überall an. Gebraut wird hier zwar nur ein einziges Bier, das aber in sehr
ordentlicher Qualität. Ein Helles, von satter Farbe, naturtrüb, und mit
ausgewogenem Hopfenaroma. Um den Gästen der Brauerei aber Abwechslung zu
bieten, tauscht man sich mit einer anderen slowakischen Gasthausbrauerei, der
vielleicht fünfzig Kilometer entfernten Sessler Brauerei, aus und bietet deren
Dunkles ebenfalls vom Fass an. Ein schöner, sympathischer Brauch. Das Essen
dazu ist typisch für die Region, und die gewaltigen, rustikalen Portionen
trafen auf unser Gefallen. – Voller Bauch studiert nicht gern, aber trotzdem
bildeten wir uns im Rahmen einer kleinen Brauereibesichtigung noch ein wenig
weiter. Ein kleines, nicht gerade sehr schmuckes, aber zweckmäßiges Sudwerk
steht im Erdgeschoss und kann durch eine große Panoramascheibe von außen
betrachtet werden. Wir standen natürlich drinnen und ließen uns vom Brauer in
seine kleinen Geheimnisse einweihen. Und stolz zwickelte er uns während der
Besichtigung des Lagerkellers einige Gläser des leckeren Hausbiers direkt aus
den Gärtanks. Hm, die Genießer verdrehten verzückt die Augen!
Die Wirtsleute, bei denen wir am
Freitagnachmittag einkehrten, betreiben die kleine Brauerei Richtár Jakub –
eine noch junge, winzige Brauerei in einer Nebenstraße der Stadt, nur mit
einigen hundert Metern Fußmarsch zu erreichen, und selbst, wenn man davor
steht, noch so unauffällig, dass man aufpassen muss, nicht am Eingang vorbei zu
laufen. Ein paar Stufen ins Tiefgeschoss, und man findet sich in einem
schlichten, einfach eingerichteten Schankraum wieder, in dem sofort die große
Anzahl von Zapfhähnen in der Wand ins Auge sticht. Zwölf verschiedene Biere
scheint es hier zu geben – alle vom Fass! Wir machten große Augen. Und in der
Tat, es waren tatsächlich immerhin elf Stück, drei davon aus eigener
Produktion, die anderen, wie auch schon in der anderen Gasthausbrauerei
Bratislavas, von befreundeten kleinen Brauereien im Land. Ein schöner Brauch,
sich so gegenseitig mit leckeren Bieren zu unterstützen – wie schön wäre es,
dies so auch einmal in Deutschland anzutreffen. – Wir verkosteten uns fleißig
durch alle elf Sorten und bekamen zwischendurch in zwei kleinen Grüppchen eine
Führung durch die winzige Brauerei im Hinterhof. Obwohl nur ganz winzig, und
obwohl ohne weitere Unterstützung betrieben, machen sich die netten Wirtsleute
hier sehr viel Mühe mit ihren Bieren – wo sonst wird in so kleinem Maßstab noch
aufwändig im Dekoktionsverfahren gebraut?
Dass neben diesen Besuchen bei
vier Kleinoden regionaler Braukunst, von denen keines schon länger als zwei
Jahre existiert, noch zahlreichere weitere kleinere Biererlebnisse anfielen,
nun, dies ist bei einer Tour de Bier selbstverständlich. Ob es sich um Besuche
in der Stadtbrauerei Schwarzenberg oder im Salmbräu handelt, wo wir in den
vergangenen Jahren schon gewesen waren, um einen Abstecher ins Gasthaus Hansy
am Praterstern, wo es unter dem Namen Hansybräu das Rote Zwickl aus Ottakring
zu verkosten gibt, einen Kurzbesuch zum „Zweiten Frühstück“ im belgischen
Biercafé „De Zwaan“ in Bratislava oder um eine Kostprobe in der Bierwirtschaft
Krah Krah im sogenannten Bermudadreieck Wiens – es war, wie schon erwähnt, ein
farbenfrohes Programm, und Hans Rolf gebührt unser aller herzlichster Dank für
die Vorbereitung und Organisation.
Städtetour de Bier 2011 – Wien / Bratislava
Drei Brauereien, wie sie unterschiedlicher
nicht sein können, und ein interessantes touristisches Rahmenprogramm warteten
auf uns, als wir uns vom 13. bis zum 15. Mai 2011 auf unserer nunmehr achten
„klassischen“ Tour de Bier trafen – heuer in Kelheim.
Treffpunkt war zunächst am Freitagmittag
am Braugasthof Frischeisen in einem etwas außerhalb gelegenen Stadtteil
Kelheims – und hier war gleichzeitig auch unser Basislager für die Tour. Die
Zimmer waren rasch bezogen, und auch die Wiedersehensfreude war groß, als wir
so manches bekannte Gesicht aus den letzten Jahren erblickten. Aber ein
bisschen enttäuscht waren wir schon, dass der Gasthof Frischeisen ausgerechnet
heute Ruhetag hatte – und diesen auch konsequent umsetzte. Weder gab es am
Mittag eine kleine Stärkung (gerne ja auch in flüssiger Form), noch am späten
Abend einen Absacker.
Wir ließen uns die Laune nicht
vermiesen, sondern starteten mit einer Flotte von vier Taxis und einem Kleinbus
in die Innenstadt zum berühmten „Weissen Brauhaus“ der Schneider-Brauerei,
direkt in der Altstadt Kelheims.
Hier wartete eine nette und
fachlich auch kundige Führerin auf uns, die uns bei unserem Rundgang durch die
Brauerei begleitete. In einem etwa viertelstündigen Film wurden wir zunächst mental
auf die Brauereibesichtigung eingestimmt und erfuhren eine Menge über die
Geschichte der Brauerei. Bemerkenswert, dass mit Georg VI. Schneider nun ein
Chef das Ruder übernommen hat, der gerne auch mal experimentiert und
mittlerweile zusätzlich zum gewohnten Angebot der Brauerei auch ein paar exotische
Bierspezialitäten entwickelt und auf den Markt gebracht hat. Wir waren
gespannt, sollten doch genau diese Spezialitäten auch anschließend in der
Verkostung auf uns warten.
Nun ging es aber zunächst ins
Sudhaus, das uns – für eine reine Weißbierbrauerei recht ungewöhnlich – mit
gigantischen Sudkesseln und Maischebottichen beeindruckte. Den Gärbereich mit
seiner klassisch offenen Gärung durften wir leider nicht betreten, und da das
Bier aus dem Gärbottich ohne Umweg über eine Lagerung zur Endvergärung auf Flaschen
gefüllt wird, ging es somit direkt in die Flaschenabfüllung. Die war heute zwar
außer Betrieb, aber dafür konnte unsere Führerin mit einer netten Überraschung
aufwarten: Auf einem hundert Jahre alten Flaschenfüller durfte sich jeder von
uns eine eigene Bügelflasche per Hand befüllen, verschließen und etikettieren.
Anschließend ging es zur
Verkostung in den Biergarten, wo unter dem dichten, grünen Laubdach der
Nussbäume sorgfältig aufgereihte Flaschen auf uns warteten. Von TAP 1 bis TAP
7, so nennt Georg VI. seine Produktpalette mittlerweile, waren alle Sorten
dabei. Und während die klassischen Schneider-Biere mit mäßigem Interesse, aber
doch viel Freude getrunken wurden, sorgten die Grüne Weiße und die Hopfenweiße
für sehr kontroverse Diskussionen unter den Tourteilnehmern. Den meisten von
uns waren sie viel zu hopfenbetont, aber ein kleiner Kern Bierbegeisterter
hielt sie für eine Offenbarung. Die Grüne Weiße, TAP 4 „Mein Grünes“, wartete
mit einem Aroma von frischen, grünen Hopfendolden auf, wie kaum ein zweites
Bier, und schon gar kein obergäriges Weißbier. Und die Hopfenweiße, TAP 5
„Meine Hopfenweisse“, kombinierte eine extreme Hopfenbittere mit den fruchtigen
Aromen eines Weißbiers und sage und schreibe 8,2% Alkohol, Ein gigantisches
Bier. Aber definitiv nichts gegen den Durst, sondern eher für den Genuss, für
den schlückchenweise zu erfahrenden Kontrast mit einer herrlichen Süßspeise,
beispielsweise.
Bevor wir uns aber so richtig
festsetzen und –trinken konnten, war zunächst noch ein Kulturprogramm angesagt:
Ein Stadtrundgang durch das historische Zentrum Kelheims. In zwei Gruppen
erkundeten wir die Gassen und erfuhren in anderthalb Stunden so manche
wissenswerte Kleinigkeit über dieses interessante Städtchen.
Bei herrlichem Wetter setzten wir
uns anschließend wieder in den urgemütlichen Schneider-Biergarten, und nun
konnte jeder von uns gezielt aus den Sorten TAP 1 bis TAP 7 genau das
herauspicken, was ihm am besten mundete. Die typisch bayerische Küche, die
angeboten wurde, ergänzte das prima, und bei fröhlicher Blasmusik saßen wir
unter den Bäumen, bis irgendwann die Taxiflotte gerufen wurde, uns wieder zum
Gasthof zu bringen.
Der Sonnabend begann mit einer
Schiffsfahrt durch den Donaudurchbruch. Die Taxiflotte brachte uns zuverlässig
zum Anleger, und dann glitten wir eine Dreiviertelstunde lang durch das
herrliche Naturschutzgebiet, dicht an den Felswänden und Donaustränden entlang
– nur begleitet vom Vogelgezwitscher und dem einen oder anderen Radfahrer am
Ufer.
Rasch tauchte das Kloster Weltenburg
vor uns auf, und nachdem wir hier angelegt hatten, hieß es, sich im Biergarten
mit einem Frühschoppen und einer Brotzeit zu stärken. Ein paar zufällig
anwesende Freizeitmusiker sorgten zu früher Stunde schon für eine
Bombenstimmung, so dass uns die Wartezeit bis zur etwas verspätet arrangierten
Brauereibesichtigung gar nicht so lang vorkam.
Das Sudhaus, das wir zu sehen
bekamen, schien uns angesichts der Bekanntheit und der deutschlandweiten
Verfügbarkeit von Bieren der Marke Weltenburger überraschend klein – aber wir
erfuhren rasch den Grund: Vom gesamten Weltenburger Produktportfolio werden
nunmehr nur noch drei Marken hier vor Ort gebraut, der große Rest hingegen bei
der Bischofshof-Brauerei in Regensburg.
Ähnlich überraschend für uns auch
die Tatsache, dass wir im Rahmen der Brauereibesichtigung zwar die Möglichkeit
bekamen, drei Weltenburger Biere zu verkosten, dass diese aber alle aus der
Flasche ausgeschenkt wurden – sehr ungewöhnlich. Aber geschmeckt haben sie
trotzdem, insbesondere nach dem freundlichen Hinweis unseres Führers, dass wir
die hübschen Probiergläser als Souvenir behalten dürften.
Im Biergarten hatten wir nun noch
das Glück, aus den Restbeständen der eigentlich ja schon längst verstrichenen
Bockbierzeit den leckeren Asam-Bock genießen zu können – herrlich! Und auch unsere
Damen waren begeistert, konnten sie doch gleichzeitig als Zaungäste eine
Hochzeit in der Klosterkirche beobachten.
Die geruhsame Rückfahrt mit dem
Schiff nach Kelheim wurde von einem heftigen Gewitter gestört – aber als ob es
minutengenau geplant gewesen sei, begann der Regen erst unmittelbar nachdem wir
das Schiff betreten haben, und er endete genauso plötzlich und pünktlich
unmittelbar bevor wir in Kelheim anlegten. Wir bekamen tatsächlich keinen
einzigen Tropfen ab!
In Kelheim wartete schon wieder
die Taxiflotte auf uns, brachte uns zurück zum Braugasthof Frischeisen, und
hier bekamen wir dann das Brauhaus in allen Details gezeigt und vorgestellt.
Von außen macht die Brauerei
Frischeisen gar nicht viel her, im Gegenteil, die alten, nicht direkt
ungepflegten, aber dennoch gar nicht recht einladenden Gebäude erwecken den
Eindruck, als ginge hier gerade eine alte Brauereigeschichte langsam zu Ende.
Die Führung, die wir von Herrn
Frischeisen junior bekamen, überzeugte uns jedoch vom Gegenteil: Vor gerade mal
einem Jahr war hier eine ultramoderne 35-hl-Maischepfanne der Firma
Kaspar-Schulz installiert worden, mit einem staub- und klumpenfreien Optimaisher-Einmaischsystem
und optimiert für ein Brauverfahren (Schokolino), bei dem kaum
Verdampfungsverluste entstehen, mithin viel Energie gespart wird und die
Anwohner nicht mehr von den Brüden belästigt werden. Gleichzeitig hatte die
Familie Frischeisen ebenfalls eine höchsteffiziente Heißwasserbereitung
installieren lassen und den alten ehrwürdigen Läuterbottich überholt und neu
verkleidet. Hinter der fast unansehnlichen Fassade also neueste Technik.
Auch der Gärkeller machte einen
guten Eindruck: Mit insgesamt drei offenen Gärbottichen, zwei für untergärige,
einer für obergärige Biere, mit Bottichkühlung wird hier gearbeitet, und man
produziert ein durchaus umfangreiches Angebot: Helles, Märzen, Dunkles, Pils,
helles Weizen, dunkles Weizen und saisonal ein helles Bockbier – da ist wohl
für jeden Geschmack etwas dabei. Und eine Jahresproduktion von etwa 3000 hl
sollte dann hoffentlich reichen, gut zu überleben. Im Schatten der Schneiders
zwar, aber dennoch nicht ohne Stolz.
Später am Abend trafen wir uns
alle im großen Saal des Gasthofes, und bei rustikal-bayerischer Küche und
Blasmusik probierten wir uns durch die Bierpalette: das Helle hatte eine
auffällig metallische, nicht wirklich unangenehme Note; das Märzen war sehr
weich und malzig; das Pils hatte eine etwas dumpfe Bittere, war aber durchaus
trinkbar. Das Dunkle kam sehr rund und karamellig, aber absolut nicht
malzig-süß rüber, ein sehr sympathisches Bier. Der Bock war überraschend hell
und hopfig-herb, sehr schön, und das helle Weißbier erfreute mit einer feinen
erfrischenden Säure und schönen Fruchtaromen. Wir waren zufrieden, und mit
fröhlichem Gesang und interessanten Gesprächen verging der Abend wie im Flug.
Der nächste Morgen bot die
üblichen, etwas zerknitterten Gesichter – offensichtlich war es uns gestern
Abend doch wieder deutlich besser gegangen, als es uns gut getan hätte.
Während sich ein Teil unserer
Reisegruppe noch aufmachte, die Befreiungshalle zu besichtigen, blieb den von
weither angereisten Tourteilnehmern nur, sich bereits wieder auf den langen
Rückweg zu machen.
Bis nächstes Jahr also – und wir
sind gespannt, wo es dann hingehen wird.